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gulli:lexikon » Contrat première embauche
gulli:lexikon - Alle Begriffe der Untergrund-SzeneTipp: Benutze die Suche, um weitere Begriffe im gulli:lexikon nachzuschlagen. Der Contrat Première Embauche (CPE) (franz.: „Vertrag zur Ersteinstellung“) war Teil eines neuen Arbeitsgesetzes, mit welchem ein weiterer Typus von Arbeitsverträgen in Frankreich eingeführt werden sollte. Das Gesetz wurde am 10. Februar 2006 von der Nationalversammlung ratifiziert und unter dem Druck eines landesweiten Schüler- und Studentenprotestes am 7. April von der Regierung zurückgezogen. Am 16. Januar 2006 hatte der Premierminister Dominique de Villepin das Gesetz angekündigt. Dieser Vertrag wäre anwendbar auf Arbeitnehmer unter 26 Jahren in Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern gewesen. Während der ersten zwei Jahre des Arbeitsverhältnisses hätte der Angestellte ohne Begründung und ohne Vorwarnung entlassen werden dürfen. Im Gegensatz zum Contrat nouvelle embauche (CNE), der sich nur an kleine und mittlere Unternehmen richtet, hätte der CPE allen Unternehmen offengestanden. Er wäre begleitet von einer dreijährigen Freistellung des Arbeitgebers von allen Lohnnebenkosten gewesen. Der CPE war Teil des Gesetzentwurfs Loi pour l'égalité des chances (franz.: Gesetz für Chancengleichheit). Laut UMP sollte er auch eine Reaktion auf die Unruhen in Frankreich 2005 darstellen, ohne Kündigungsschutz sollen mehr Jobs für Jugendliche und junge Erwachsene besonders in den Vorstädten entstehen. Der Änderungsantrag, welcher den Contrat Première Embauche in den Entwurf einfügte, wurde von der französischen Nationalversammlung in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2006 in einer Marathonsitzung beschlossen. Der ganze Entwurf wurde am 10. Februar von der Nationalversammlung ohne Abstimmung ratifiziert, da nicht innerhalb des Zeitrahmens von 24 Stunden nach Anwendung des "49.3" ("quarante-neuf-trois", Artikel 49, Absatz 3 der Verfassung = Beschluss einer Gesetzesvorlage durch die Assemblée nationale ohne Abstimmung) durch den Premierminister am 9. Februar ein Misstrauensantrag eingereicht wurde. Die Nationalversammlung kann sich einem 49/3 nur widersetzen, indem sie innerhalb von 24 Stunden einen Misstrauensantrag einreicht und die Regierung infolge des Misstrauensantrages stürzt. Laut einer Umfrage des CSA-Instituts für die Zeitung Le Parisien vom 30. Marz 2006 war die große Mehrheit der Franzosen (83%) für eine Rücknahme des CPE. Es kam seit März zu landesweiten Massendemonstrationen, Protesten und teilweise Besetzungen von Institutionen und Universitäten durch Jugendliche und Studenten, etwa der Sorbonne, die von der Polizei gewaltsam geräumt wurde. Am 7. April 2006 gab die französische Regierung schließlich nach den anhaltenden Protesten bekannt, sie werde das Gesetz "sofort" zurückziehen und durch eine Neuregelung ersetzen, an dessen Ausgestaltung Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften beteiligt werden würden.
Ausgestaltung des CPEBild:Dominique villepin.jpg Dominique de Villepin, französischer Premierminister und geistiger Vater des CPE Wie beim Contrat nouvelle embauche wird dem Unternehmer die Möglichkeit gegeben, seinen Angestellten während der Dauer einer Probezeit ohne jeglichen Grund zu kündigen. Als Ausgleich steht einem Gekündigten eine Abfindung von 8% der Summe des bis zur Kündigung erhaltenen Gesamtlohnes zu, nach mehr als 4 Monaten Betriebszugehörigkeit zusätzlich zwei Monate lang eine Beihilfe von 490 Euro pro Monat. Die Abfindung muss vom Arbeitgeber getragen werden und braucht vom Arbeitnehmer nicht versteuert zu werden, für die Beihilfe kommt der Staat auf. Anzumerken ist, dass eine Kündigung in diesem Falle juristisch gesehen eben keine Kündigung, sondern nur eine Beendigung der Probezeit darstellt. Dies erklärt den Charakter der einseitigen Kündigungsmöglichkeit ohne jegliche Begründung oder Vorwarnung. Die Kündigung bedarf allerdings einer Vorwarnung, wenn die Arbeitverhältnisse mehr als einen Monat gedauert haben. Praktika und befristete Arbeitsverhältnisse werden auf die zweijährige Probezeit voll angerechnet, so sie in der selben Firma erfolgt sind. Auch befristete Arbeitsverhältnisse können als Contrat Première Embauche gestaltet werden. Alle 18- bis 25-jährigen als CPE Angestellten haben Anrecht auf den sogenannten Locapass. Dieser erleichtert es eine Wohnung zu mieten, indem die Kaution für die Wohnung als Darlehen zur Verfügung gestellt sowie eine Bürgschaft über bis zu 18 Monatsmieten übernommen wird. Ein CPE ist juristisch ein unbefristeter Arbeitsvertrag. Der französische Premierminister Dominique de Villepin und Baudouin Prot, Vorsitzender der Vereinigung der französischen Banken, betonen, dass dieser Arbeitsvertrag auch den Zugang zu Bankkrediten erlaubt. Dennoch brauchen Banken und andere Kreditvergeber keine Begründung für eine Ablehnung eines Kredits an Angestellte mit einem CPE-Vertrag. ReaktionenKontraKircheDer Erzbischof von Dijon, Roland Minnerath, bezeichnete das Vorhaben als Angriff auf die Rechte des Einzelnen. GewerkschaftenDie Gewerkschaften verurteilen die Unsicherheit, welche der CPE schafft, sowie die Aushöhlung des Arbeitsrechts. Sie bemängeln die Behandlung von Arbeitern als "Wegwerf-Objekte" (salarié jetable). Standpunkt der Gewerkschaft Confédération française démocratique du travail (CFDT):
Standpunkt der Gewerkschaft Solidaire-Unitaire-Démocratique (SUD):
Standpunkt der Gewerkschaft Confédération générale du travail (CGT):
Die Gewerkschaft Confédération nationale du travail (CNT) schreibt in einem Flugblatt:
Studentengewerkschaften und JugendorganisationenIn einer gemeinschaftlichen Anstrengung haben sich verschiedene Jugendorganisationen (Angestelltengewerkschaften, Studentengewerkschaften, politische und kulturelle Gruppierungen wie die UNEF, Jeunes CGT, MJS, MJCF, UEC, Fédération SUD Étudiant, UNL, JCR, PRS jeunes, UNSA jeunes, JRG, Jeunes Verts und die Fédération Léo Lagrange) zusammengeschlossen und zur Bildung lokaler Protestgruppen aufgerufen. Zwei weitere Studentenorganisationen (Confédération étudiante (Cé) und FAGE) protestieren ebenfalls gegen den CPE, haben sich dem Bündnis allerdings nicht angeschlossen. Nach den Protesten vom 7. März hat der Präsident der UNEF alle Universitäten aufgefordert, sich dem Streik anzuschließen. Politische ParteienStandpunkt der Parti socialiste (PS):
Standpunkt der Parti communiste français (PCF):
Standpunkt der Union pour la démocratie française (UDF):
Standpunkt der Ligue communiste révolutionnaire (LCR):
Standpunkt der Lutte Ouvrière (LO):
ProArbeitgeberverbändeBild:Abgesprerrter Place de la Sorbonne 18 Maerz 2006.JPG Absperrungen am Place de la Sorbonne Der Arbeitgeberverband MEDEF hat die Schaffung des CPE mit der Begründung begrüßt, dass es keine Altersbeschränkung gebe. Dominique de Villepin wird mit den Worten zitiert, dass "ein Unternehmen, welches zwei Jahre lang in einen Jugendlichen investiert hat, sich nicht einfach so von ihm trennen wird". « Das Leben, die Gesundheit, die Liebe... alles ist riskant. Warum sollte es der Arbeitsplatz nicht sein? » L. Parisot, Arbeitgeberverband MEDEF, 09/2005 Jean-François Roubaud, Präsident des Verbandes mittelständischer Arbeitgeber (CGPME), beglückwünscht die Regierung dazu, die Belebung des Arbeitsmarktes zu fördern, statt der sozialen Beihilfen. JugendorganisationenDie Jeunes Populaires, die Jugendorganisation der regierenden UMP, stimmt der Position des Arbeitgeberverbandes MEDEF zu. Die Studentengewerkschaft UNI unterstützt den CPE als "einen unbefristeten Vertrag" und "einen echten sozialen Fortschritt" im Bezug auf Abfindungen, wenn der Arbeitsvertrag gekündigt wird. Politische ParteienDie regierende Union pour un Mouvement Populaire unterstützt mit allen ihren Mitteln dieses für sie essenzielle Gesetz. Auch die rechtsextreme Front National hatte sich grundsätzlich positiv über das Vorhaben geäussert. Landesweite ProtesteBild:Brennendes Auto Place de la Nation 18 Maerz 2006.JPG Ausschreitungen Place de la Nation am 18. März Bild:Cyril Ferez am Boden 18 Maerz 2006 Place de la Nation (Anti-CPE-Demonstration).JPG Der Gewerkschafter Cyril Ferez wird auf der Place de la Nation in Auseinandersetzung mit der Polizei schwer verletzt Bild:Barrikaden im Osten von Paris 18 Maerz 2006.JPG Barrikaden in einem angrenzenden Viertel im Osten von Paris nach Auflösung der Demonstration am 18. März Bild:20060331 Cannes manifestation.jpg Jugendliche demonstrieren am 31. März in Cannes und blockieren kurzzeitig den Verkehrsknotenpunkt „Place du 18 juin“ Protestaktionen, Besetzungen und Streiks finden landesweit an 64 der 84 Universitäten statt. Auch die Präsidenten einiger Universitäten (Nantes, Toulouse) haben sich hinter die Studenten gestellt und in offenen Briefen den Premierminister dazu aufgefordert den CPE zurückzuziehen.
Siehe auch
Quellen<references/> WeblinksDeutsch
Französisch
eo:Unuadungkontrakto es:Ley de Contrato del Primer Empleo de Francia fr:Contrat première embauche it:Contrat première embauche ja:初期雇用契約 ko:최초고용계약 pl:Contrat première embauche sv:Förstaanställningskontraktet Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Contrat première embauche aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. |
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