Cosa Nostra

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Dieser Artikel behandelt die sizilianische Mafia. Für weitere Bedeutungen siehe Cosa Nostra (Begriffsklärung) und insbesondere für den US-amerikanischen Ableger La Cosa Nostra.

Cosa Nostra (ital.: Unsere Sache) ist eine sizilianische Mafia.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Die sizilianische Cosa Nostra

Die sizilianische Cosa Nostra entstand wahrscheinlich in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts aus den Strukturen der Gabelloti, weitgehend korrupte Statthalter, welche die Güter der zumeist adligen Großgrundbesitzer vor aufständischen Bauern und Briganten zu schützen hatten. Im Lauf der Geschichte Siziliens verloren jedoch die vordem mächtigen Familien, meist aus dem nördlicheren Italien stammend, Kontrolle, Einfluss und schließlich ihren Besitz an die ursprünglich von ihnen selbst eingesetzten Verwalter. Regional gab es auch Verschmelzungen der Gabelloti mit dem sizilianischen Brigantismus. Die Präsenz der Cosa Nostra ist am stärksten in Westsizilien ausgeprägt. Palermo, die Hauptstadt Siziliens, hat auch die größte "Familiendichte"; in fast allen Stadtteilen existiert eine Familie.

Die Basisorganisation ist die so genannte Familie, die ein Territorium kontrolliert, eine Ortschaft, ein Gebiet von Ortschaften oder ein Stadtviertel. Die Größe der einzelnen Familien variiert stark: So hatte die Familie `Santa Maria di Gesu´ aus Palermo Anfang der 1980er Jahre circa 200 Mitglieder, während es durchaus auch Familien mit weniger als 10 Mitgliedern gibt. In die Cosa Nostra tritt man durch Hinzuwahl (Kooptation) oder Aufruf ein. Ein Kandidat tritt fast immer der Familie seines Geburtsortes bei. Vor dem Beitritt wird die Familie (auch die Vorfahren) des potenziellen neuen Mitglieds streng überprüft. Sind oder waren Verwandte Polizisten, Staatsanwälte oder Zuhälter, ist die Aufnahme völlig ausgeschlossen. Um sich für die Mitgliedschaft zu qualifizieren, muss der Kandidat eine Prüfung bestehen; dies ist normalerweise ein schwerer krimineller Akt, häufig ein Mord oder ein bewaffneter Raubüberfall. Der Kronzeuge Antonino Calderone dagegen, dessen Onkel und älterer Bruder die Familie von Catania leiteten, hatte lediglich einen gesuchten Ehrenmann zwischen zwei Verstecken zu chauffieren. Die Mitgliedschaft ist ausschließlich Männern vorbehalten, auch wenn die Frauen im Umfeld eine wichtige Rolle spielen, da sie das Wertesystem der Cosa Nostra an ihre Kinder weitergeben.

Die Cosa Nostra hat eine weitgehend hierarchische Struktur mit einem so genannten „militärischen Flügel“ und einem wirtschaftlichen. Ihren Zusammenhalt stützt sie wesentlich auf einen internen Kodex mit strengen wertkonservativen Verhaltensregeln. Allen Ehrenmännern gemeinsam ist die ablehnende Haltung gegenüber dem Staat. Diese Haltung ist in der Cosa Nostra so stark verwurzelt, dass ein Ehrenmann, wird er selbst Opfer eines Verbrechens, niemals Anzeige erstattet; laut mehrerer „Pentiti“ stellt die schlimmste Beleidigung für einen Ehrenmann das Wort „sbirro“ (etwa Häscher/Bulle) dar. Die Hauptsitze der Cosa Nostra befinden sich auf Sizilien. Sie zählt ca. 5.500 Clan-Mitglieder. In den 1970er Jahren errichteten einige mächtige Familien auch Dependancen in Neapel, Rom, Bologna, Turin und Mailand. In Neapel operiert auch seit den 1930er Jahren eine reguläre Familie; während der Faschistischen Ära in Italien existierte auch eine Familie in Tunis, die aus Exilanten bestand. Im Unterschied zur amerikanischen Organisation kommen die Angehörigen der sizilianischen Cosa Nostra aus nahezu allen Gesellschaftsschichten und ihr gehören beispielsweise auch viele Ärzte, Rechtsanwälte, Bankiers und erfolgreiche Unternehmer an. Dies bedeutet, dass sie weit stärker in der Gesellschaft verankert ist als ihr amerikanischer Ableger, der weitgehend am Rand der Gesellschaft existiert.

Die Cosa Nostra ist heute eine international operierende Verbrecherorganisation. Diese Organisation wurde und wird von einer Kuppel befehligt, die sich aus den Oberhäuptern der wichtigsten Familien zusammensetzt. Inzwischen ist die Organisation infolge des Zweiten Mafiakrieges stark zentralisiert. Zumindest in den 1980er und 1990er Jahren stand die gesamte Organisation unter der Kontrolle eines einzigen Bosses.

[Bearbeiten] Begriff

Die Bezeichnung wurde ursprünglich nur für den US-amerikanischen Ableger der sizilianischen Mafia verwendet, seit Ende des Zweiten Weltkrieges wird auch die originäre sizilianische Mafia so bezeichnet.[1] Die Entstehung der Bezeichnung „Cosa Nostra“ als Eigenname kann nicht eindeutig geklärt werden. Es gibt die Vermutung, dass er unter italienischen Einwanderern in den Vereinigten Staaten entstanden war, welche bereits auf Sizilien zur Mafia gehörten. Da es nun eigentlich keine Bezeichnung für die Mitglieder in der Mafia gab und auch der Begriff Mafia ungebräuchlich war, soll unter den Sizilianern untereinander nur von „Unserer Sache“ gesprochen worden sein, die zunächst selbst nicht-sizilianische Italiener ausschloss. Die Mafiosi selbst nannten sich immer «uomo d´onore», also „Mann der Ehre“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zur Amerikanisierung der Cosa Nostra in Sizilien; so wurde auch „Boss“ als Bezeichnung für Oberhaupt üblich. Hier zeigte sich exemplarisch auch in den Begriffen ein struktureller Wandel. Am Anfang des 20. Jahrhunderts galt für das (häufig gewählte) Oberhaupt einer Familie noch die Bezeichnung "Repräsentant" oder "Capo-Famiglia"; der neuere Begriff Boss impliziert die veränderte Rolle des Anführers, der eine zunehmend autokratische Rolle in der Familie einnimmt. Während früher die Repräsentanten noch von den Mitgliedern gewählt wurden, geht die Nachfolge nun meist undemokratisch vonstatten; häufig beerbt jetzt einfach der Sohn seinen Vater als Boss. Im Gegensatz zum Begriff Mafia, der inzwischen im weitesten Sinne für jegliche organisierte Kriminalität verwendet wird, bezeichnet der Begriff Cosa Nostra tatsächlich nur die ursprüngliche Ethnie von Sizilianern, Italo-Amerikanern und die wenigen Ausnahmen von Nicht-Italienern, welche als kriminelle Vereinigung einschlägige Bandenkriminalität betreiben.

Öffentlich bekannt wurde der Begriff erst im Oktober 1963 durch die Aussagen des Mafiosos Joe Valachi vor dem McClellan-Committee, einem Untersuchungssauschuss des Kongress der Vereinigten Staaten. Valachi enthüllte vor dem Komitee, dass die amerikanische Organisation allgemein als "La Cosa Nostra" bezeichnet wird. [2]


[Bearbeiten] Geschäftsfelder

Die hauptsächliche Aufgabe der Cosa Nostra besteht entgegen der landläufigen Meinung nicht etwa darin Morde zu verüben, sondern möglichst viel Geld einzunehmen. Für Morde, die oft von jungen Mitgliedern niedrigen Ranges ausgeführt werden, bezahlen die „Familien“ grundsätzlich niemandem Geld; sie sind die Gegenleistung für den Schutz, welchen die Mafia ihrem Mitglied bietet und dient auch als Möglichkeit, Prestige und Reputation zu erwerben. Die Cosa Nostra führt ihre Morde grundsätzlich allein aus; sie wirbt niemals Außenstehende oder etwa Auftragsmörder an. Wird ein Ehrenmann bei der Ausführung einer Tat im Dienst der Familie verhaftet, so hat er auch Anspruch auf finanzielle Unterstützung seitens der Familie. Auch seine Blutsfamilie kann in diesem Fall auf die Solidarität der anderen Ehrenmänner und des Bosses der Familie hoffen. Anders ist dies bei den Aktivitäten der einzelnen Mitglieder. Ehrenmänner, die auf eigene Faust illegale Geschäfte unternehmen, sind nicht zwingend dazu verpflichtet, die Gewinne hieraus zu teilen, sind dann jedoch im Fall einer Festnahme auch auf sich allein gestellt. Seit der Machtübernahme der Corleoneser Anfang der 1980er Jahre hat sich dies ebenfalls geändert und die einzelnen Familien müssen eine prozentuale Abgabe aus all ihren Gewinnen an die Kommission abführen.

Sowohl von der sizilianischen wie der US-amerikanischen Cosa-Nostra werden alle Arten illegaler Aktivitäten betrieben. Originärer Schwerpunkt, und auch heute noch eine der Haupteinnahmequellen auf Sizilien, ist die Schutzgelderpressung. Diese ist quasi eine Steuer, die der "Staat" Cosa Nostra in seinem Herrschaftsgebiet erhebt. In Palermo hat die Schutzgelderpressung eine sehr lange Tradition, in anderen Städten wie Catania wird sie dagegen erst seit den 1980er Jahren praktiziert. Die La Cosa Nostra in den USA wurde durch die Alkoholprohibition von 1920-1932 groß, hatte aber auch immer starke Wurzeln im legalen und illegalen Glücksspiel. Nach dem Zweiten Weltkrieg stiegen dann die Amerikaner in den Drogenhandel zunächst mit Heroin ein, der dann im Prinzip ab 1957 von den Sizilianern übernommen wurde. Ein weiteres Standbein vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Schmuggel mit diversen Gütern (beispielsweise Zigaretten oder Kaffee) und die Kontrolle des Schwarzmarktes. Auch im illegalen Waffenhandel spielt die sizilianische Cosa Nostra eine bedeutende Rolle. Zudem betreibt die Cosa Nostra in großem Umfang Geldwäsche und erwirbt sich durch Korruption öffentliche Aufträge im Bausektor, Gesundheitswesen und der Müllbeseitigung.

Auch in vielen legalen Geschäftsbereichen war und ist die Cosa Nostra sehr präsent. Beispiele sind vor allem das Gesundheitswesen, das Baugewerbe, der Export von italienischen Lebensmitteln und allgemein die Landwirtschaft. Dazu der `Pentito´ und Kronzeuge in den Maxi-Prozessen Antonino Calderone: "In der Cosa Nostra gibt es zahlreiche kleine Unternehmer. Mehr noch: Die Mehrheit in ihr besteht aus Geschäftsleuten, Männern, die Läden, Firmen und Unternehmen führen. Sie treiben Handel, sind erfinderisch und von morgens bis abends unterwegs. Ruhelose Menschen, denen ein aktives Leben gefällt, die neue Dinge mögen und die eine unendliche Zahl von Leuten aus allen möglichen Bereichen kennen. Unternehmer, die rund um die Uhr hellwach sind.(...) Luciano Liggio, das Oberhaupt der Corleoneser, war Gutspächter und verstand sich auf Landwirtschaft wie alle Corleoneser und wie die Grecos, die Bosse aus der Peripherie Palermos. Die Bontades z.b. betrieben u.a. Südfrüchtehandel. In der Cosa Nostra gab es immer viele Händler und Exporteure von Südfrüchten, heute sind auch zahllose Bauunternehmer und Aquisiteure öffentlicher Aufträge darunter. Cavataio war ein kleiner Bauherr, Rosario Spatola ein großer Bauunternehmer, einer der größten in Palermo. Einer der Vernengos hatte eine Fabrik für Kühleis. Gaetano Badalamenti hielt u.a. Kühe und verkaufte Käse. Viele andere waren Fuhrunternehmer, Ersatzteillieferanten für Kraftfahrzeuge, Metzger, Vieh-, Fisch,- oder Obsthändler. Nitto Santapaola begann als fahrender Schuhhändler und wurde schließlich Generalvertreter von Renault in Catania. Sein Bruder Salvatore hatte eine Rosticceria. Die Ferreras verkauften Mineralwasser und unterhielten Spielkasinos.(...) Sogar Priester sind dabei, wie etwas Padre Agostino Coppola. Er hat den Corleoneser-Boss Toto Riina mit Antonietta Bagarella getraut, während Toto im Untergrund lebte. Außerdem sind viele Ärzte und Rechtsanwälte dabei".[3]

Auf Sizilien verfügt die dortige Mafia praktisch über ein illegales Gewaltmonopol, wenngleich sich im südöstlichen Sizilien eine konkurrierende Gruppe, die Stidda, gebildet hat. Lange Zeit bekämpfte die Organisation die Kleinkriminalität. Zuhälter, Diebe und auch Triebtäter wurden hart bekämpft; dies ging durchaus bis zum Mord. So ließ der mächtige Boss Stefano Bontade Ende der 1970er Jahre alle Diebe in dem von ihm beherrschten Territorium eliminieren. Nach dem Zweiten Mafiakrieg wurde diese Politik auf Anweisung der Corleoneser jedoch aufgegeben. Dies geschah angeblich in der Hoffnung, die Polizei, Staatsanwälte und Gerichte derart mit der "normalen" Kriminalität zu beschäftigen, dass für eine wirksame Bekämpfung der Organisation die Zeit und Ressourcen fehlten.

Seit den 1960er Jahren vertreibt die Cosa Nostra den Großteil des Heroins in Amerika und Europa; auch ein Teil des europäischen Kokainmarktes wird von ihr betrieben, wenn auch die ’Ndrangheta hier inzwischen klar führend ist und circa 80% des europäischen Kokainhandels kontrolliert. Durch den internationalen Drogenhandel hat sich eine internationale Arbeitsteilung herausgebildet, in der Cosa Nostra, Camorra, ’Ndrangheta und Banden anderer Länder zusammenarbeiten, da offensichtlich der gesamte organisatorische Komplex von Ernte der Drogen, Logistik und Vertrieb durch eine Gruppe nicht mehr zu bewältigen ist. Von den späten 1970er bis Mitte der 1980er Jahre verarbeitete die Cosa Nostra das aus der Türkei und dem Vorderen Orient gelieferte Opium noch selbst; 1985 wurde jedoch das letzte Drogenlabor von Behörden in Alcamo entdeckt; seitdem ist man offensichtlich dazu übergegangen, das Heroin direkt in den Ursprungsländern im Mittleren Osten herzustellen. Die sizilianische Organisation, spezialisiert vor allem auf den Heroinhandel, tauscht seit den 1980er Jahren zudem auch Heroin mit den kolumbianischen Kartellen, die dafür im Gegenzug Kokain nach Europa liefern.

Der gesamte Erlös in Italien wird von der staatlichen Antimafia auf 100 Milliarden Euro geschätzt, was dem doppelten des Umsatzes des Autokonzern Fiat entspricht. [4]


[Bearbeiten] Organisation

Die Mitglieder der Organisation sind in so genannte Familien aufgeteilt, denen jeweils ein Capo/Boss vorsteht. Auf Sizilien wird dabei streng auf die Herkunft der Mitglieder geachtet; d.h. es sind grundsätzlich immer Sizilianer. In den USA konnte diese Trennung innerhalb der Gruppen nicht aufrechterhalten werden. So öffnete sich die Unione Siciliana schließlich auch dem Nicht-Sizilianer Al Capone, und Lucky Luciano arbeitete sowohl mit dem Kalabresen Frank Costello, wie auch mit Vito Genovese, der Neapolitaner war, als auch Nicht-Italienern zusammen. So gehörte der irische Auftragsmörder Frank Sheeran zu den wenigen, denen seitens des FBI die tatsächliche Mitgliedschaft in der US-amerikanischen Cosa Nostra zugerechnet wurde.

In den 1930er Jahren wurde erst in New York City dann auch landesweit eine `Kommission´ geschaffen, die sich aus den Bossen der Familien bildete und gedacht war, um Streitigkeiten ohne interne Kriege zu lösen. Entsprechende Absprachen waren auch schon in Italien zwischen den dortigen Familien getroffen worden; aber erst 1957 wurde auf Grund der Notwendigkeit der Absprachen bezüglich des Heroinhandels in die USA eine Kuppel („cupola“) aus zunächst 12 Mitgliedern gebildet. Diese konnte allerdings die beiden großen Mafiakriege 1962/63 bzw. 1981-83 nicht verhindern. Seit dem Zweiten Mafiakrieg ist die Kommission kein demokratischer Verband mehr, sondern eine Institution, mit der die dominierende Fraktion ihren Willen in der gesamten Organisation durchsetzt.

Die verstärkte Zusammenarbeit der originären sizilianischen Mafia mit der US-amerikanischen Cosa Nostra auf Grund des Drogenhandels (über die Pizza Connection) hat beide Segmente, die lange Zeit vollkommen unabhängig voneinander agierten, wieder enger zusammengeführt und das Ganze in gewisser Hinsicht zeitweise tatsächlich zu einer gemeinsamen Sache (it.: „Cosa nostra“ „Unsere Sache“) gemacht. Trotzdem unterscheiden sich die beiden Organisationen voneinander erheblich; die temporär sehr enge Zusammenarbeit kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass beide Organisationen über eine jeweils eigene Mentalität verfügen und sich in dieser von ihrem Pendant auch inzwischen deutlich unterscheiden. Vor allem der höhere Organisationsgrad der sizilianischen Cosa Nostra lässt diese ihrem amerikanischen Ableger gegenüber überlegen erscheinen.

[Bearbeiten] Hierarchien

Die Hierarchie in der sizilianischen Mafia, die sich allerdings amerikanisiert hat; d.h. der Terminus „Boss“ ist nun ebenfalls üblich, ähnelt in gewisser Weise dem Aufbau einer Römischen Legion bzw. ist der Armee des Römischen Reiches angelehnt:

  1. Comissione Interprovinciale (alle Capi Com., früher Kollegialorgan, seit den Corleonesi + Capo di tutti Capi)
  2. Comissione Provinciale + Capo Comissione (Provinzkomission mit allen Capi Mand.+ Provinzrepräsentant)
  3. Capo mandamento (Repräsentant von je 3 cosche, Familien)
  4. Capofamiglia/ Rappresentante (Repräsentant der Familie, Boss)
  5. Consiglieri (mehrere Berater)
  6. Capodecina („Zehnerboss“, direkter Boss einer einzelnen Gruppe von bis zu zehn „Ehrenmännern“)
  7. Soldati/Picciotti (normale Mitglieder/„Ehrenmänner“)

Eine Mitgliedschaft in der Cosa Nostra ist weiterhin eine von außen nicht leicht feststellbare Angelegenheit. Da das Gebot des Schweigens - die Omertà - aber zunehmend von den Mitgliedern der Mafia selbst gebrochen wurde, hat sich die Informationslage für Außenstehende deutlich verbessert. Auch als Nicht-„Pentiti“ schriftliche Belege über die Cosa Nostra anzufertigen, wird als Todsünde gewertet; so wurde 1969 der Tod von Michele Cavataio u.a. auch deshalb beschlossen, weil er die Clans von Palermo und deren wichtigste Vertreter auf einem Lageplan verzeichnet hatte.

„Schriftliches, oder gar Mitgliederlisten, kämen der Mafia nie in den Sinn; eine Bürokratie wie bei der P2 ebenfalls nicht; sie würde die Flexibilität und Wandelbarkeit des Clans nicht nur stören, sondern wohl total zerstören“

Werner Raith [5].


[Bearbeiten] Die Familien

Die Cosa Nostra ist fast in allen Städten Siziliens beheimatet. Am stärksten vertreten ist sie im westlichen Sizilien in den Provinzen Palermo, Trapani und Agrigent; in Ostsizilen, in der Provinz Messina, ist ihre Präsenz dagegen sehr schwach, ebenso wie in den Provinzen Ragusa und Syrakus. Diese drei Provinzen sind auch nicht in der Interprovinzialkommission, in der Cosa Nostra selbst meist nur `Region´ genannt, vertreten.

„Auf einer Skala von eins bis zehn: Palermo 10, Agrigent 8, Trapani 8, Caltanisetta 6, Catania 4.“

Tommaso Buscetta zur Gewichtung der einzelnen Provinzgruppen[6].

In der Stadt Palermo gibt es -was sonst unüblich ist- nicht nur eine, sondern mehrere Familien. In praktisch jedem Stadtteil operiert eine Familie. Die sizilianischen Familien sind immer nach ihrem Standort benannt, im Normalfall der Stadt, in der sie beheimatet sind. In Palermo ist der jeweilige Stadtteil Namensgeber der Familie. Dort existieren auch viele sehr kleine Familien, die unter der Oberherrschaft einer größeren stehen; ein Beispiele hierfür ist Uditore, das in der Vergangenheit häufig unter der Oberherrschaft von Passo di Rigano stand- von Mitte der 1970er Jahre bis zum Zweiten Mafiakrieg 1981 wurde beide Familien sogar von Angehörigen derselben Blutsfamilie geleitet; die stärkere Familie Passo di Rigano wurde von Salvatore Inzerillo, die von Uditore von seinem Vater Giuseppe Inzerillo geführt. Ein anderes Beispiel ist das Hafenviertel La Kalsa, das eng mit Santa Maria di Gesu verbunden war und ist. Die Einflussgebiete der größeren Familien in Palermo sind jedoch auch einem Wandel unterworfen und ändern sich. Insgesamt gibt es in ganz Sizilien 186 Familien, die etwa 5.500 Mitglieder zählen.

Provinzen in Sizilien

Eine Auswahl der bekanntesten Familien:

  • Provinz Palermo:
Alia, Altavilla, Altofonte, Bagheria, Belmonte Mezzagno, Bisacquino, Bolognetta, Borgetto, Baucina, Caccamo, Caltavuturo, Camporeale, Carini, Castelbuono, Casteldacccia, Castronuovo di Sicilia, Cefalù, Cefala Diana, Cinisi, Collesano, Corleone, Gangi, Godrano, Lercara Friddi, Marineo, Mezzojuso, Misilmeri, Monreale, Montelepre, Montemaggiore Belsito, Partinico, Piana degli Albanesi, Petralia, Prizzi, Roccamena, San Cipirello, San Giuseppe Jato, San Mauro Castelverde, Sferracavallo, Termini Imerese, Terrasini, Torretta, Trabia, Vicari, Villabate, Villafrati;
  • Stadt Palermo (Stadtteile):
Acquasanta, Altarello di Baida, Arenella, Boccadifalco, Borgo Molara, Borgo Vecchio, Brancaccio, Capaci, Ciaculli, Corso Calatafimi, Corso dei Mille, Cruillas, Guadagna, La Kalsa, Mezzo Monreale, Noce, Pagliarelli, Palermo-Zentrum (nach dem Ersten Mafiakrieg für einige Jahre aufgelöst), Partanna Mondello, Passo di Rigano, Porta Nuova, Resuttana, Roccella, San Lorenzo, Santa Maria di Gesu, Tommaso Natale, Torretta, Uditore, Vergine Maria, Villagio S. Rosalia
  • Provinz Agrigent:
Agrigent, Allesandria della Rocca, Aragona, Burgio, Caltabellotta, Campobello di Licata, Canicatti, Cattolica Eraclea, Cianciana, Favara, Licata, Menfi, Palma di Montechiaro, Porto Empedocle, Racalmuto, Raffadali, Ribera, Sambuca di Sicilia, San Giovanni Gemini, Santa Elisabetta, Santa Margherita di Belice, Santo Stefano Quisquina, Sciacca, Siculiana
  • Provinz Caltanissetta:
Caltanisetta, Campofranco, Gela, Mazzarino, Mussomeli, Riesi, San Cataldo, Vallelunga, Villalba
  • Provinz Catania:
Bronte, Calatabiano, Catania, Giarre, Maniace, Palagonia, Ramacca, Scordia
  • Provinz Enna:
Barrafranca, Calascibetta, Catenanuova, Centúripe, Enna, Piazza Armerina, Nicosia, Valguarnera, Villarosa
  • Provinz Messina:
Barcelona Pozzo di Giotto, Capo d´Orlando, Messina, Mistretta, Santo Stefano di Camastra, Tortorici
  • Provinz Ragusa:
Modica, Pozzallo, Ragusa, Scicli;
  • Provinz Trapani:
Alcamo, Campobello, Castelvetrano, Castellammare del Golfo, Custonaci, Gibellina, Marsala, Mazzara del Vallo, Paceco, Partanna, Salaparuta, Salemi, Santa Ninfa, Trapani, Valderice, Vita
  • Italienisches Festland:
Neapel

[Bearbeiten] Die Geschichte der Cosa Nostra

[Bearbeiten] Entstehung der Cosa Nostra

Wann die Cosa Nostra wirklich entstand, ist umstritten und wohl nicht mehr festzustellen. Es gibt viele Legenden über ihren Ursprung- der erste `Pentito´, Tommaso Buscetta, gab eine innerhalb der Organisation sehr populäre Version an, nach der die Cosa Nostra bereits im Mittelalter als Aufstandsbewegung gegen die Französische Fremdherrschaft entstand. Der Wahrheitsgehalt dieser folklorehaften Geschichten darf jedoch stark bezweifelt werden. Es ist anzunehmen, dass sich die Cosa Nostra in den ersten Jahrzehnten des 19.Jahrhunderts im Westen Siziliens bildete; zudem ist es sehr wahrscheinlich, dass sich viele `Familien´ zeitgleich und unabhängig voneinander formierten. Ihr wahrscheinlicher Ursprungsort ist wohl in der Provinz Palermo zu suchen, wo fast die Hälfte aller Familien der Cosa Nostra operieren und sich die Existenz einiger Familien auch sehr weit in das 19. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Im Jahr 1838 schrieb der oberste Staatsanwalt von Palermo, Pietro Calá Ulloa, dass „das Volk zu einer stillschweigenden Übereinkunft mit Verbrechern (über Vereinigungen und Bruderschaften) gekommen ist“.[7] 1864 wurde der Begriff `Mafia´ erstmals öffentlich erwähnt, obwohl auch noch Begriffe wie `Sekte´ oder `Bruderschaft´ verwendet wurden. In diesen Jahrzehnten wurde diese geheimnisvolle Geheimgesellschaft oftmals noch mit naiven romantischen Ideen verklärt; hierher rührt wohl auch der Irrtum, die Mafia/Cosa Nostra sei anfangs `gut´ gewesen und hätte sich erst in den folgenden Jahrzehnten zu einer bösartigen, kriminellen Organisation modernisiert. Dass dies ganz und gar nicht der Realität entspricht, zeigen viele Berichte aus jener Zeit über das eindeutig kriminelle Wesen der Cosa Nostra. Von Anfang an gehörten Schutzgelderpressung und Mord zu ihrem Repertoire.

Am 1. Februar 1893 beging die Cosa Nostra zum ersten Mal einen Mord, der weit über Sizilien und Italien hinaus für Aufsehen sorgte: Im Zug von Termini Imerese nach Palermo wurde Emanuele Notarbartolo mit 27 Messerstichen ermordet. Notarbartolo war Großgrundbesitzer und drei Jahre Bürgermeister von Palermo gewesen; in dieser Zeit hatte er als einer der ersten die Cosa Nostra bekämpft. Danach wurde er Präsident der Bank von Sizilien; ab 1890 war er Privatmann. Seinen Kampf gegen die `ehrenwerte Organisation´ setzte er auch hier fort, indem er sich beispielsweise weigerte, Männer anzustellen, die der Cosa Nostra angehörten; als er drohte, die weitgehende Korruption innerhalb der Leitung der Bank von Sizilien offenzulegen, wurde er ermordet. Ein Prozess vor Gericht fand erst sieben Jahre später statt (in Mailand); überhaupt wurde die Aufklärung des Mordes verschleppt und immer wieder sabotiert- ein erstes Zeichen für die Fähigkeit der Cosa Nostra, hohe öffentliche Stellen zu korrumpieren, was sie bis heute erfolgreich praktiziert.

[Bearbeiten] Die Cosa Nostra unter Mussolini

1922 errang die faschistische Bewegung die Macht in Italien. Nachdem die Mafia im 19. Jahrhundert noch sozialromantisch verklärt wurde, änderte sich diese Haltung unter dem faschistischen Regime; ab 1926 wurde die Mafia gnadenlos bekämpft. Dabei ging es dem `Duce´ Benito Mussolini vor allem darum, die uneingeschränkte Autorität des Staates zu sichern. Mussolini entsandte den „eisernen Präfekten“ Cesare Mori nach Sizilien, der mit allen Mitteln des autoritären faschistischen Staates gegen die Mafia vorging. Tausende - oft auch zu Unrecht Verdächtigte - wurden auf kleine Mittelmeerinseln verbannt oder ins Gefängnis geworfen; häufig geschah dies auch ohne Prozess. Die Familien lösten sich unter dem Verfolgungsdruck auf. Viele "Ehrenmänner" flohen in die USA, andere nach Tunis, wo es damals eine große italienische Gemeinde gab. Auch hier entstand jetzt eine `Familie´, die dort bis in die 1940er Jahre aktiv war.

[Bearbeiten] Wiederauferstehung

Nach der Landung der Alliierten 1943 auf Sizilien, die wahrscheinlich auch unter Mithilfe der Cosa Nostra erfolgte, entstand die Organisation neu. Italien – vor allem der schwach entwickelte Süden des Landes mit Sizilien – war am Ende des Zweiten Weltkrieges wirtschaftlich vollkommen am Boden. 1945 war Italiens Bruttosozialprodukt auf dem Niveau von 1911 und die Reallöhne waren auf 26,7 Prozent des Wertes von 1913 gefallen [8]. Eine starke Staatsmacht fehlte nach wie vor und auf Sizilien gab es Bestrebungen, sich vom Rest des Landes zu lösen und die Unabhängigkeit zu erreichen. In diesen chaotischen Zuständen ernannten die Amerikaner viele Capos zu Bürgermeistern kleiner Orte im Landesinneren, darunter auch den mutmaßlichen capo di tutti capi, Calogero Vizzini. Die Amerikaner suchten nach Gegnern des Faschismus und des Kommunismus und lokalen Autoritäten, mit denen sie zusammenarbeiten konnten, um die Ruhe sicherzustellen und einen schnellen reibungslosen Übergang zur Demokratie zu ermöglichen; dabei fanden sie Hilfe in wichtigen Mafiagrößen, die ihnen vor Ort als `einflussreiche und ehrbare Männer´ und Respektspersonen vorgestellt worden waren. Die guten Beziehungen mancher "Ehrenmänner" zur katholischen Kirche wirkten sich hierbei ebenfalls positiv aus. Viele Flüchtlinge kehrten nun zurück und überall auf Sizilien entstanden die alten Familien neu, die bald wieder fest in der Gesellschaft verankert waren. Die Cosa Nostra organisierte in den Anfangsjahren vor allem den Schwarzmarkt. Der Schmuggel mit diversen Gütern wie Kaffee und Zigaretten blühte auf. Entschieden wandte sich die Organisation gegen die kommunistischen Bewegungen und die Gewerkschaften. In den ländlichen Gebieten Siziliens, wo diese vor allem unter den Bauern Fuß zu fassen suchten, kam es in den Nachkriegsjahren immer wieder zu blutigen Zusammenstößen und Morden.

[Bearbeiten] Die Kuppel

Vom 10-14. Oktober 1957 fand, wahrscheinlich durch Joseph Bonanno organisiert,[1] ein Treffen zwischen sizilianischen und US-amerikanischen Mafiosi im Grand Hotel des Palmes und im Restaurant Spano in Palermo statt. Teilnehmer waren führende Bosse sowohl der amerikanischen als auch der sizilianischen Organisation. Angeblich war als Gast auch der amerikanische Entertainer Frank Sinatra anwesend, dem zeitlebens Verbindungen zur Mafia nachgesagt wurden. Es wurden Absprachen getroffen, um den größten Drogenhandel mit Heroin aufzuziehen, den es bis dahin gegeben hatte. Um künftig wirksam Streitigkeiten zu vermeiden und durch Verhandlungen zu lösen, wurde nun in Palermo ebenfalls wie in den USA eine „Kommission“, auch „cupola“ (it.: Kuppel) genannt, aus zwölf Mitgliedern gebildet, deren ersten Vorsitz der in der Cosa Nostra sehr geachtete Salvatore Greco übernahm und nicht einer von den von Lucky Luciano favorisierten LaBarbera-Brüdern. Als Ergebnis des Treffens wurde es den Sizilianern erlaubt, die von ihnen gelieferten Drogen – gegen Zahlung einer Abgabe – in den USA selbst vertreiben zu dürfen. Den amerikanischen Mafiosi wurde der Drogenhandel verboten, um allzu viel Aufmerksamkeit von Seiten der Strafbehörden zu vermeiden. Allerdings hielten sich Vito Genovese, Carmine Galante und andere nicht an diese Vereinbarung, da der Drogenhandel riesige Gewinnspannen ermöglicht.

[Bearbeiten] 1958

Corleone, eineinhalb Autostunden von Palermo entfernt im Landesinneren gelegen, war lange eine der gewalttätigsten Städte der Welt, zwischen 1944 und 1948 wurden über 150 Morde verzeichnet. 1953 bis 1960 verlor Corleone (weniger als 20.000 Einwohner) 1,5 Prozent der Bevölkerung durch Bandenmorde. Im Nachkriegs- Sizilien war die Gegend nahe Corleone auch als das Todesdreieck berüchtigt. Die Eckpunkte dieses Dreiecks bilden die Städte Casteldaccia, Altavilla Milicia sowie Bagheria, wie Corleone eine berüchtigte Hochburg der Cosa Nostra. 1958 zeigte sich dort, dass die Cosa Nostra im Begriff war sich zu verändern und sich stetig weiter modernisierte. Am 2. August 1958 tötete Luciano Liggio -eigentlich Leggio- auf der Straße von Lercara Friddi nach Corleone den Chef der Corleoneser Mafiafamilie Dr. Michele Navarra. Mit Navarra zusammen starb ein mit ihm befreundeter unbeteiligter Arzt, der ihn auf der Fahrt begleitet hatte. Der Mord war nach amerikanischem Vorbild mit Maschinengewehren ausgeführt worden. Er zeigte erstmals die Kaltschnäuzigkeit und Skrupellosigkeit Liggios und seiner treuen Gefolgsleute. Dem Mord vorhergegangen war ein Konflikt zwischen dem aufstrebenden machthungrigen Liggio und Navarra, der seit 1943 die Geschicke der Familie von Corleone geleitet hatte. Liggio hatte in den Jahren zuvor eine Gruppe ehrgeiziger junger Männer um sich versammelt. Zu diesen gehörten vor allem seine rechte und linke Hand Salvatore Riina, genannt "u curtu"("der Kurze" aufgrund seiner geringen Körpergröße von 1,58 m) und Bernardo Provenzano, auch bekannt als "u tratturi" (Der Traktor). Beide wurden in den Medien später als "die Bestien" bekannt. Außerdem gehörten Calogero und Leoluca Bagarella sowie Giacomo Riina zu diesem Kreis. Nach dem Mord an Navarra wurden dessen Gefolgsleute bis auf einige wenige Ausnahmen, denen es gelang aus Corleone zu fliehen, ebenfalls liquidiert. Diese Vorgehensweise war innerhalb der Cosa Nostra eher ein Novum; bei früheren kleineren Kriegen innerhalb der Cosa Nostra endete der Konflikt gewöhnlich mit dem (gewaltsamen) Tod eines der Anführer der beiden Parteien. Liggio und seine Leute dagegen töteten alle, die sich vor Beginn des Kampfes nicht auf ihre Seite gestellt hatten; im Zweiten Großen Mafiakrieg sollte sich dies in einem noch weit größerem Maßstab wiederholen. Die Familie entstand unter Liggios Führung neu, der seine Aufmerksamkeit bald auf Palermo richtete und seinen Einfluss dort zu erweitern suchte. Die Corleonesi hatten viele Eigenarten, so gaben sie als einzige Familie in der Cosa Nostra die Namen ihrer `soldati´ niemals den anderen Familien bekannt und ihre Bosse hielten sich andauernd im Untergrund auf - unsichtbar sowohl für die Justiz als auch ihre Gegner in der Organisation.

[Bearbeiten] Erster Großer Mafiakrieg 1962-1963 und 1969

[Bearbeiten] Ausbruch

1962 brach der - später als Erster Großer Mafiakrieg bezeichnete - Konflikt innerhalb der Mafia Palermos aus. Äußerer Auslöser war ein nicht planmäßig verlaufener Drogendeal eines Konsortiums, zu dem sowohl die mächtigen und sehr traditionsreichen Grecos aus Ciaculli und Croceverde Giardini als auch die La Barberas gehörten. Offenbar war in Brooklyn weniger Heroin angekommen, als die Italiener eingeschifft hatten und der Verdacht fiel letztendlich auf den Boss Calcedonia Di Pisa, der jedoch von dem Verdacht durch die „Cupola“ freigesprochen, aber trotzdem am 26. Dezember 1962 auf der Piazza Principe di Camporele in Palermo erschossen wurde. Dieser Mord wurde nun den La Barbera-Brüdern angelastet, da diese mit dem Freispruch unzufrieden gewesen waren. Angeführt von den Grecos, vereinten sich die palermitanischen Familien gegen die Familie aus Palermo-Zentrum, die von den Barberas angeführt wurde. In der Folge wurden viele Soldaten der Familie Palermo-Zentrum getötet, ebenso wie einige Soldaten der gegnerischen Palermoer Familien; in Palermo gingen mehrere Autobomben hoch; niemand bekannte sich jedoch zu diesen Anschlägen. Bei einem dieser Anschläge starb der Boss der Familie von Cinisi, Cesare Manzella; einem weiteren Attentat fiel der Vize-Repräsentant der Familie von Santa Maria di Gesù, Bernardo Diana zum Opfer. Innerhalb der Cosa Nostra von Palermo herrschte Chaos, da niemand sicher wusste, wer für die Anschläge verantwortlich war.

[Bearbeiten] Hintergrund

Der Krieg brach nur wenige Wochen nach dem natürlichen Tod von Lucky Luciano aus, der am 26. Januar 1962 auf dem Flughafen von Neapel einem Herzanfall erlag. Eine Theorie besagt, Angelo La Barbera und Salvatore La Barbera hätten den Krieg nun begonnen, um den Nachweis zu führen, ohne amerikanische Hilfe auskommen zu können. Die wirklichen Motive des Krieges waren vermutlich komplizierter, als ein einfacher Konflikt zwischen den aufstrebenden Barberas und der alten Mafia-Dynastie der Grecos. Laut Tommaso Buscetta und Antonino Calderone waren der Mord und die nachfolgenden Bombenattentate durch Michele „Die Cobra“ Cavataio angeordnet worden. Cavataio, Capo der Familie aus dem Stadtteil Acquasanta in Palermo, war zwar Verbündeter der Grecos, hatte aber Mitte der 1950er Jahre das Ringen um den Großmarkt von Palermo mit diesen verloren.[1] Die wahren Hintergründe dieses Krieges bleiben jedoch unklar und sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Wie es später auch beim Zweiten Mafiakrieg der Fall war, kann man auch hier annehmen, dass auch einige alte Rechnungen und Streitigkeiten nun geklärt wurden.

[Bearbeiten] Folgen

Im Laufe des Krieges wurde Salvatore La Barbera getötet und sein Bruder Angelo verletzt. Dieser wurde später im Gefängnis erstochen. Verhandlungen blieben jedoch ohne Ergebnis. Beim „Massaker von Ciaculli“ (1963) [9] wurden sieben Carabinieri von einer Autobombe getötet; diese war eigentlich für Salvatore Greco bestimmt, explodierte jedoch als Carabinieri das Auto untersuchen wollten. Daraufhin wurde der italienische Staat in der Öffentlichkeit für seine Untätigkeit heftig kritisiert. Wie immer, wenn er in den Massenmedien und der öffentlichen Meinung kritisiert wurde, wurde der Staat nun aktiv; ein Muster, welches sich in folgenden Jahrzehnten wiederholen sollte.

Zahlreiche Mafiosi wurden verhaftet, unter anderem auch Giuseppe Genco Russo, der noch die alte Mafia repräsentierte und inzwischen eine Randfigur war. Viele flohen ins Ausland. Salvatore Greco „das Vögelchen“, dem die Bombe galt, legte den Vorsitz der Kommission nieder und floh nach Venezuela. Tommaso Buscetta, der spätere Kronzeuge und Pentito floh zunächst über die Schweiz nach Kanada; später ging er nach Brasilien. Der Capo der Familie von Corso Catalafimi, Mario Di Girolamo, emigrierte dauerhaft nach Deutschland und baute dort ein Import-Export Geschäft für Südfrüchte auf. Der Krieg kam zum Stillstand. Die „Cupola“ wurde vorübergehend aufgelöst und viele "Ehrenmänner" setzten sich zunächst auf das Festland ab. Die Tätigkeit der Palermoer Mafia kam völlig zum Stillstand. Laut Aussage von Antonino Calderone wurde in folgenden Jahren in Palermo nicht einmal mehr Schutzgeld eingetrieben. Unter den Flüchtlingen waren auch Leonardo Cuntrera und seine Brüder sowie Pasquale Caruana und dessen Verwandte. Durch mehrere Hochzeiten festigten sich diese beiden Clans und spielten in den 1980er Jahren eine bedeutende Rolle im internationalen Drogenhandel. Sie bildeten das Verbindungsglied zwischen Sizilien und den südamerikanischen Drogenkartellen.

Praktisch die gesamte „Cupola“ ließ sich in den sechziger Jahren auf dem Festland nieder: Luciano Liggio aus Corleone; Stefano Fidanzati, der Schieber aus Acquasanta; Gerlando Alberti, der Boss der Danisinni; Gaetano Badalamenti, der neue Patriarch von Cinisi; die Gebrüder Rimi aus Alcamo; die Buccellatos aus Castellammare del Golfo; die Coppolas aus Partinico. Die Mafia mischte im florierenden Baugeschäft mit und erhielt durch Korruption zahlreiche öffentliche Aufträge, z. B. für den Bau von Siedlungen in Palermo.

Als die öffentliche Meinung sich beruhigte und Themen wie der Linksterrorismus aktuell wurden, ließ auch die Entschlossenheit des Staates nach. Das System der Korruption und Begünstigung setzte sich wieder durch. 1969 gingen die ersten großen Prozesse gegen die Cosa Nostra mit einem Triumph für diese zu Ende: Fast alle Angeklagten wurden freigesprochen. Darauf beschlossen Salvatore Greco und Stefano Bontade, Boss der größten und mächtigsten palermitanischen Mafiafamilie von Santa Maria di Gesú, Rache an Cavataio zu üben. Innerhalb der Cosa Nostra war es nun allgemeiner Konsens, dass Cavataio der Hauptverantwortliche für den Krieg 1962/63 war. Zudem galt er vielen als unberechenbar, dies auch, weil er schriftliche Beweise über die Existenz der Cosa Nostra mit sich trug. Cavataio hatte auf einem Stadtplan von Palermo die dort ansässigen Familien samt ihrer wichtigsten Mitglieder notiert; allein dieser schwere Verstoß gegen das Schweigegebot galt den anderen Bossen „als erdrückender Beweis für Cavataios Wahnsinn“.[3] Der Plan fand bei anderen wichtigen Bossen wie Gaetano Badalamenti, Boss von Cinisi, Luciano Liggio und Giuseppe di Cristina aus Riesi seine Zustimmung. Beim „Massaker in der Viale Lazio“ am 10. Dezember 1969 wurde Cavataio schließlich ermordet. Dem Killerkommando gehörten einige namhafte Mafiosi der damaligen Zeit an: Bernardo Provenzano, der Cavataio tötete, sowie dem dabei von Cavataio erschossenen Calogero Bagarella für die Corleoneser; für Bontades Familie Emanuele D'Agostino und Gaetano Grado, für Di Cristina Damiano Caruso. Geleitet wurde die Aktion von Salvatore Riina. Diese personelle Zusammensetzung war auch, wie bei allen wichtigen Aktionen die die Cosa Nostra unternimmt, von symbolischer Bedeutung. Repräsentiert waren die damaligen wichtigsten drei Familien (Cinisi / Santa Maria di Gesu / Corleone), sowie die von Riesi, einer Stadt im Herzen Siziliens, womit gezeigt werden sollte, dass es sich nicht nur um eine Tat der Familien Palermos, sondern der gesamten Cosa Nostra handelte. Mit dem Tod von Cavataio endete der Konflikt; die Familie "Palermo-Zentrum", die von den Barberas kontrolliert worden war, wurde aufgelöst.

[Bearbeiten] Die 1970er Jahre

Nach dem Attentat auf Cavataio wurde die Cosa Nostra provisorisch von einem Triumvirat aus den damaligen mächtigsten Anführern geleitet, das aus Gaetano Badalamenti, Stefano Bontade und Luciano Liggio bestand. Anfang 1974 wurde die „Kommission“ schließlich regulär neu aufgebaut und die neue „Cupola“ regierte wieder von Palermo aus. Alle zwei Jahre wurde ein Vorsitzender bestimmt. Der erste neue Vorsitzende war Badalamenti. Mitte der 1970er Jahre wurde auf Initiative - vor allem von Giuseppe Calderone - dem Boss der Familie aus Catania, auch eine interprovinzielle Kommission gegründet. Diese war zwar formell höher gestellt als die palermitanische „Cupola“, bestätigte in der Regel jedoch nur dort bereits getroffenen Entscheidungen. Die wahre Macht innerhalb der Cosa Nostra lag fast immer in der Provinz Palermo, dort, wo sie wohl auch entstanden und am stärksten präsent ist. 1970 war die Cosa Nostra am mißlungenen Putsch des rechtsgerichteten Fürsten Junio Valerio Borghese, des "schwarzen Prinzen", beteiligt. Laut mehreren Pentiti wurde die Cosa Nostra von den Putschisten kontaktiert, um ihre Mithilfe zu erreichen. Die Bosse sagten zu, sich aktiv zu beteiligen, ohne dem jedoch wirklich nachkommen zu wollen. Als Gegenleistung sollten die inhaftierten Ehrenmänner mit einer signifikanten Straferleichterung rechnen können. Wenige Stunden bevor der Putsch beginnen sollte, wurde er jedoch abgeblasen.

Wirtschaftlich war die Cosa Nostra Ende der 1960er am Boden und hielt sich durch den Zigarettenschmuggel von Neapel nach Sizilien über Wasser. Die Corleonesi organisierten zudem Entführungen als weitere Einnahmequelle, was von anderen Familien größtenteils abgelehnt wurde. Der lukrative Drogenhandel wurde nun im größeren Maßstab als zuvor neu organisiert; auf ganz Sizilien wurden geheime Labors errichtet. Anfangs wurden noch Chemiker der ehemaligen French Connection aus Marseille zur Verfeinerung des Morphins eingesetzt, doch bald übernahmen die Sizilianer auch diese Aufgabe. Einer der Begabtesten unter ihnen war der spätere „PentitoFrancesco Marino Mannoia aus Stefano Bontades Familie.

Auch infolge des Handels mit Drogen und Zigaretten expandierte die Cosa Nostra auf das italienische Festland, insbesondere nach Neapel, wo sie eng mit der Camorra zusammenarbeitete. Stefano Bontade gründete je eine 'Decina' seiner Familie in Neapel und Mailand, Giuseppe „Pippo“ Calò, Boss der Familie des palermitanischen Stadtteils Porta Nuova, eine in Rom, und Luciano Liggio errichtete seine Stützpunkte in Bologna, Rom, Neapel und Mailand, wo er sich anfangs der 1970er Jahre unerkannt aufhielt. Mithilfe der Pizza Connection (siehe auch La Cosa Nostra: Die Pizza Connection) etablierte sich die Cosa Nostra in den USA, wo sie bald auch auf die US-amerikanische La Cosa Nostra einen nicht unbedeutenden Einfluss ausübte. Der Heroinhandel brachte dann Ende der 1970er Jahre jedes Jahr mehrere hundert Millionen Dollar ein. Um diese riesigen Summen `waschen´ zu können, benutzte die Cosa Nostra internationale Finanziers wie Michele Sindona und Roberto Calvi. Als deren Bankenimperien zusammenbrachen, wurden sie liquidiert; Sindona starb an einem mit Zyanid vergifteten Espresso, Calvi wurde 1982 in London erhängt unter der Blackfriars-Bridge gefunden.

Da der neu erworbene Reichtum aber sehr ungleichmäßig verteilt war, kam es langfristig zur Verschärfung bestehender Konflikte und auch zu untergründigen Spannungen innerhalb der Familien. Viele Familien waren vom Drogenhandel praktisch ausgeschlossen, andere, wie die von Gaetano Badalamenti und Salvatore Inzerillo geführten Familien, dagegen sehr stark involviert. Die Macht der Organisation wuchs, während immer noch viele bezweifelten, dass sie überhaupt existierte. Äußerlich funktionierte die Organisation wie gewohnt, allerdings begann die Cosa Nostra sich in den 1970er Jahren in zwei Flügel zu spalten, die in Opposition zueinander standen. Auf der einen Seite standen die eher Gemäßigten um das Bündnis Badalamenti-Bontade-Inzerillo, auf der anderen Seite standen die unheimlichen Corleoneser, die vor allem mit den traditionsreichen und mächtigen Grecos aus Ciaculli, den Madonias aus Vallelunga und den Bruscas aus San Giuseppe Jato verbündet waren. Die Bruscas zählten zu Liggios ältesten Verbündeten und gehörten wie die Corleoneser selbst zur Mafia der ländlichen Teile Siziliens. Obwohl Corleone nicht weit entfernt von Palermo liegt, hat es einen dörflichen Charakter; die Corleoneser fühlten sich zur ländlichen Mafia gehörig und haben zu dieser immer eine sehr starke Affinität gehabt- auch fanden sie unter den kleineren Familien der ländlichen Mafia ihre stärksten Unterstützer.

Gegenüber dem Staat nahmen die Corleoneser eine sehr viel unnachgiebigere Haltung ein als die Vertreter der gemäßigteren Fraktion. Sie scheuten auch den offenen Konflikt mit dem Staat nicht und ab der zweiten Hälfte der 1970er Jahre fielen regelmäßig engagierte Ermittler den mit militärischer Präzision durchgeführten Attentaten zum Opfer. 1977 wurde der Oberst der Carabinieri Giuseppe Russo nahe Corleone ermordet. Am 26. Januar 1979 wurde der Kriminalreporter des Giornale di Sicilia, Mario Francese, in Palermo erschossen, am 9. März 1979 der Sekretär der Democrazia Cristiana von Palermo, Michele Reina, am 21. Juli 1979 der Chef der Polizei von Palermo Giorgio Boris Giuliano und am 25. September der Ermittlungsrichter Cesare Terranova. Im Jahre 1980 ermordeten die Corleoneser Piersanti Mattarella, den Präsidenten der Region Sizilien, sowie den Nachfolger Giorgio Boris Giulianos, Capitano Emanuele Basile. All diese Morde begangen die Corleoneser, ohne die anderen Familien vorher zu informieren und meistens im Territorium anderer Familien, was beides laut den eigenen Gesetzen der Cosa Nostra verboten war. Um zu demonstrieren, dass sie ebenfalls ohne Absprache hochrangige Vertreter des Staates ermorden konnten, ließ Salvatore Inzerillo, Boss von Passo di Rigano in Palermo, mit Einverständnis Stefano Bontades am 6. August 1980 den Generalstaatsanwalt von Palermo Gaetano Costa ermorden.

Badalamentis Macht schwand Mitte der 1970er Jahre; 1975 wurde er als Vorsitzender der Kommission abgewählt und durch „den Papst“Michele "Il Papa" Greco ersetzt. Im Laufe der 1970er Jahre bauten die Corleoneser ihr Bündnis weiter auf; es gelang ihnen vor allem in den kleinen Städten in den Provinz Palermo, aber auch in den Provinzen Trapani und Agrigent Unterstützer zu finden. Pippo Calò, vormals ein Verbündeter Bontades in Palermo, lief zu dieser Zeit zu den Corleonesi über. Auch andere "Ehrenmänner" bemerkten, dass sich die Machtverhältnisse langsam aber sicher verschoben und schlossen sich ebenfalls den Corleonesi an, die nach der Verhaftung Liggios in Mailand 1974 von Salvatore Riina geführt wurden. Die Corleoneser unterwanderten zusätzlich die gegnerischen Familien, denn viele von deren Mitgliedern schlossen sich ihnen heimlich an. Innerhalb der Cosa Nostra kam es zu einem beständigen Wetteifern zwischen den beiden Fraktionen. 1978 wurden die beiden bedeutenden Bosse Giuseppe di Cristina aus Riesi und Giuseppe Calderone aus Catania kurz nacheinander ermordet. Beide waren wichtige Verbündete Bontades außerhalb von Palermo. An ihre Stelle traten Leute, die mit den Corleonesern verbündet waren, wie Nitto Santapaola, der nun die Regentschaft über die Familie von Catania übernahm. Im Jahr davor war Badalamenti aus der Cosa Nostra ausgeschlossen worden. Nachdem die Kommission und fast ganz Sizilien unter ihrer Kontrolle und auch viele ihrer wichtigsten Gegner außerhalb Palermos ausgeschaltet waren, waren die Corleoneser nun zum Angriff auf Palermo und ihre eigentlichen Opfer Stefano Bontade und Salvatore Inzerillo bereit.

[Bearbeiten] Zweiter Großer Mafiakrieg 1981-1983

Der Zweite Große Mafiakrieg auf Sizilien ist in Italien auch als `mattanza´ (die `blutigen Ernten´) bekannt. Es ging um die Vorherrschaft der „Corleonesi“ gegenüber den traditionellen Palermitaner Familien (Achse Bontade-Inzerillo-Badalamenti) und kostete allein auf Sizilien wohl mehr als 1000 Menschen das Leben. Wie bereits 1958 in Corleone schaltete der militärische Arm das wirtschaftlich und politisch mächtigere Handelssyndikat der Organisation aus. 150 Opfer zählte man im Jahre 1981, 120 im Jahre 1982, 130 im Jahre 1983. Dazu kommen über 500 Entführte, die spurlos verschwanden; sie wurden umgebracht, ihre Leichen versteckt, in Säure aufgelöst oder in tiefe Schluchten im Landesinnern geworfen; Lupara Bianca wird dies im Mafiajargon genannt. Palermo wurde zentraler Schauplatz eines Machtkampfs zwischen zwei Gruppen, unterteilt in 40 Fraktionen.

Die Corleonesi gingen dabei selbst für Mafiaverhältnisse äußerst brutal vor und führten einen regelrechten Vernichtungsfeldzug: Ganze Clans wurden nahezu ausgelöscht und auch Unbeteiligte und entfernte Verwandte ermordet, um mögliche Racheakte von vornherein zu verhindern. Alle, die sich ihrem Herrschaftsanspruch entgegenstellten, wurden systematisch ermordet. Unterstützt wurden sie dabei auch durch Verräter aus den `Verliererfamilien´, die sich heimlich den Corleonesi angeschlossen hatten. Aus den fast dreijährigen blutigen Machtkämpfen gingen die Corleonesi als Vertreter der dynamischen Landmafia gegenüber der städtischen Mafia Palermos als Sieger hervor.

[Bearbeiten] Beginn

Die "Mattanza" begann am Abend des 23. April 1981 in Palermo mit der Ermordung von Stefano Bontade, der auch als „Fürst von Villagrazia“ bezeichnet wurde. Bontade war der Capo der größten und mächtigsten Mafiafamilie Siziliens, die über zahlreiche Verbündete verfügte, wie u.a. der Familie der Inzerillos und Gambinos aus Passo di Rigano, welcher auch der reiche Bauunternehmer und Drogenhändler Rosario Spatola angehörte. Tatwaffe eines der Täter war eine AK 47, der Schütze war Pino „Scarpuzzedda“ Greco; dieselbe Waffe geführt von Greco wurde bei weiteren Aufsehen erregenden Morden benutzt- sie diente sozusagen als eine symbolische `Signatur´.

Das zweite hochrangige Opfer des Krieges war Salvatore Inzerillo, Boss der Familie von Passo di Rigano und ein guter Freund und engster Verbündeter von Stefano Bontade. Inzerillo wurde am 11. Mai 1981 erschossen, als er gerade in seinen kugelsicheren Wagen einsteigen wollte. Wieder konnte die gleiche AK-47 als Tatwaffe nachgewiesen werden. Da die Gegenpartei nun führerlos war und die Orientierung verloren hatte, wurden nun mit nicht erwarteter Leichtigkeit systematisch die Angehörigen der "Verliererfamilien" ermordet. Am 9. Juni 1981 wurde auch der langjährige Boss der Familie vom Corso dei Mille, Francesco Di Noto, getötet. Sein sofortiger Nachfolger wurde Filippo Marchese, ein Verbündeter der Corleoneser.

Santo Inzerillo, der Bruder Salvatore Inzerillos, der sich zu Friedensverhandlungen mit der Fraktion der Corleoneser traf, wurde bei diesem Treffen erwürgt. In Palermo wurden die übrig gebliebenen Mitglieder der Verliererfamilien ermordet. Auch ihre männlichen Verwandten, die Väter, Söhne, Brüder, Vettern, Onkel und Neffen wurden systematisch gejagt und getötet. Einige Wochen später wurde in Cinisi Antonio Badalamenti, Cousin von Gaetano Badalamenti und sein Nachfolger als Boss der Familie, beseitigt; in den folgenden Wochen wurden die Soldaten der Familie Badalamentis, in Alcamo die einflussreichen Rimis und ihre Anhänger ermordet. In Trapani an der Westküste Siziliens, wurden der mit den Bontades traditionell eng verbündete Boss Salvatore Minore und seine ihm treuen Soldaten getötet; sein sofortiger Nachfolger wurde Vincenzo Virga, der später einer der engsten Verbündeten Bernardo Provenzanos werden sollte. Auch in der Provinz Agrigent eliminierten die Corleoneser systematisch alle Widersacher. Giuseppe Settecasi, der 83-jährige einflussreichste Boss in der Provinz Agrigent, wurde Mitte des Jahres 1981 ebenso ermordet wie Leonardo Caruana, Boss der Familie von Siculiana und Calogero "Gigino" Pizzuto aus San Giovanni Gemini. In Cattolica Eraclea wurde der Boss der Familie mit den meisten seiner Untergebenen getötet. Carmelo Colletti, der Boss der Familie von Ribera, bemühte sich erfolglos um Verhandlungen. Die meisten „Ehrenmänner“ seiner Familie wurden ermordet und im Jahr 1983 wurde Colletti dann ebenfalls getötet. Ein Gegenangriff, ein versuchter Anschlag auf Pino Greco, schlug fehl; die Vergeltung kam sofort: Am 25. Dezember 1981 kam es zum „Weihnachtsmassaker von Bagheria“. In der Altstadt Bagherias wurden mehrere ranghohe Mitglieder der Cosa Nostra, unter ihnen Giovanni Di Peri, Boss der Familie von Villabate, sowie ein unbeteiligter Passant ermordet.

1982 verschwand Filippo Marchese, neuer Boss der „Corso-dei-Mille“-Familie in Palermo. Marchese war als sadistischer Psychopath bekannt, welcher seine Opfer eigenhändig im berüchtigten „Todeszimmer der Piazza Sant' Erasmo“ tagelang quälte, während der Folterungen angeblich masturbierte und Kokain inhalierte, sie dann mit der Garrotte erdrosselte, die Leichen in Säure auflöste und die Überreste in der Kanalisation Palermos entsorgte.

„Obwohl Marchese der Boss der Sippe war, erdrosselte er die meisten Opfer höchstpersönlich, oft aus nichtigen Gründen. Er war ein blutrünstiger Charakter und man hatte den Eindruck, dass es ihm Spaß machte, einen Menschen umzubringen; er verlangte, dass niemand bei dem Vorgang Gefühle zeigte.“

Ein Pentito über Filippo Marchese [10]

Anders als sein im Jahr zuvor ermordeter Boss Di Noto war Marchese mit den Corleonesern verbündet und mit seinem Mörder Pino Greco befreundet. Nach dem sich abzeichnenden Sieg war er jedoch für die Corleonesi nutzlos und aufgrund seiner psychopathischen Züge ein unnötiges Risiko. Alfio Ferlito, ein Verbündeter Bontades und Rivale Nitto Santapaolas in Catania, wurde zusammen mit seiner Polizeieskorte ermordet, als er vom Gefängnis zum Justizpalast überführt werden sollte.

Viele Carabinieri, Beamte und Politiker wurden ebenfalls Opfer dieses Konflikts. Der prominente kommunistische Abgeordnete Pio La Torre, Vorsitzende der sizilianischen Faktion der Kommunistische Partei Italiens, wurde mitten am Tag auf offener Straße im Zentrum von Palermo erschossen. Er hatte die Grundlagen des später nach ihm benannten Rognoni-La Torre Gesetzes ausgearbeitet, welches später ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens wurde. Am 11. August 1982 wurde der Gerichtsmediziner Paolo Giaccone erschossen. Die Corleoneser unter Führung Riinas wandten eine neue Strategie im Umgang mit dem Staat an: waren es zuvor Bestechung und politische Einflussnahme gewesen, wurden unbequeme Vertreter des Staates nun rücksichtslos liquidiert. Aufgrund der bis dahin beispiellosen Bluttaten musste der italienische Staat auf den öffentlichen Druck reagieren. General Carlo Alberto Dalla Chiesa, der erfolgreich den Kampf gegen die terroristischen Roten Brigaden geleitet hatte und dadurch zum Nationalhelden geworden war, wurde Mitte 1982 nach Palermo abkommandiert. Dort wurde er nach nur vier Monaten zusammen mit seiner Frau und einem Leibwächter erschossen; dem Killerkommando gehörte erneut Pino Greco an. Am 14. November 1982 folgte die Ermordung von Calogero Zucchetto, einem Angehörigen der squadra mobile. In Trapani wurde Anfang des Jahres 1983 der Staatsanwalt Giangiacomo Montalto ermordet, im Juni in Mondello dann der Carabinieri-General Mario D'Aleo. Der Oberste Staatsanwalt Siziliens, Rocco Chinnici, wurde zusammen mit seinen Leibwächtern und einer Anwohnerin am 29. Juli 1983 durch eine Autobombe getötet. Die „Mattanza“ ging unaufhaltsam weiter. Um die Hilflosigkeit des Staates vor Augen zu führen, wurden von den Corleonesi viele Leichen ihrer Opfer vor Polizeistationen und Kasernen abgelegt.

[Bearbeiten] Pentiti

Da die Lage für die Angehörigen der Verliererfamilien hoffnungslos und zunehmend verzweifelt war, sahen einige von ihnen keine andere Wahl mehr, als die Polizei als letzte Waffe gegen die siegreichen Corleoneser und ihre Verbündeten einzusetzen. Sie ließen der Polizei anonyme Briefe mit Hinweisen zukommen. Einer dieser unbekannten Informanten nannte als Grund für den Krieg den "Widerstand von Stefano Bontade und Salvatore Inzerillo gegen das Fußfassen der Corleoneser in Palermo".[10] Auch die beiden Ehrenmänner Tommaso Buscetta, auch der "Boss der zwei Welten" genannt, und Salvatore Contorno gerieten zunehmend unter Druck; sie waren mit Bontade eng befreundet und wurden jetzt erbarmungslos gejagt. Auf Contorno, einer der treuesten und besten Soldaten Stefano Bontades, wurden gleich mehrere erfolglose Attentate verübt; als diese scheiterten, wurden etwa 35 seiner Freunde und Verwandten ermordet, um ihm deren mögliche Unterstützung zu entziehen. Auch mehrere Verwandte Buscettas wurden ermordet. Nach ihren Festnahmen durch die brasilianische bzw. die römische Polizei sagten beide als Kronzeugen gegen die Mafia aus. Dies führte 1986 dann zum zweiten großen Mafiaprozess, der in einem Hochsicherheitsbunker, der extra für diesen Prozess gebaut und von Panzern bewacht wurde, stattfand. In diesem Prozess gab es über 500 Angeklagte. Als Vergeltungsmaßnahme für Buscettas und Contornos Aussagen ermordete die Cosa Nostra Dutzende ihrer Verwandten.

[Bearbeiten] Endphase

1983 ging der „Zweite Große Mafiakrieg“ nach der Liquidierung Rosario Riccobonos, der gleich zu Beginn des Krieges die Seiten gewechselt hatte, sowie von etwa 20 Personen aus seinem Clan in seine letzte Phase. Riccobono hatte seinen neuen Verbündeten, den Corleonesi, dabei geholfen, treue Soldaten Bontades wie Emanuele D'Agostino in die Falle zu locken. Nun war er nicht mehr von Nutzen und galt zudem Riina als ein unzuverlässiger Verbündeter. Im Juli 1983 wurde Carmelo Colletti in Ribera erschossen, im November Leonardo Infranco, der bisherige Boss der Familie von Santa Margherita di Belice; beide gehörten zu den letzten Vertretern der Bontade/Inzerillo-Fraktion, die noch an der Macht waren. Am Begräbnis Collettis "nahmen zehntausend Menschen teil, gut die Hälfte aller Einwohner in der Stadt".[11]

Einige Leute die ihre Bosse verraten hatten, wie Stefano Bontades jüngerer Bruder Giovanni Bontade und Pietro Lo Jacono aus der Bontade-Familie oder Salvatore Buscemi, Vize-Boss der Familie von Passo di Rigano, überlebten dagegen und übernahmen als Belohnung für ihren Verrat sofort die Leitung ihrer Familien. Ihr Verrat und ihre Hilfe hatte es dem Bündnis der Corleoneser ermöglicht, einen totalen Sieg ohne eigene Verluste zu erringen. Der Pentito Gaspare Mutolo äußerte sich in diesem Zusammenhang so: "Wenn man von Mafiakrieg spricht, kann ich mir darunter nicht viel vorstellen; Mafiakrieg ist, wenn zwei oder mehr mafiose Familien sich bewaffnen und wissen, dass man gegen eine andere Gruppe von Personen kämpft. In Palermo hingegen hat es meiner Meinung nach, nach meinem persönlichen Empfinden, diesen Krieg nie gegeben; es hat einen Verrat gegeben."[6] Mitte der 80er wurden dann auch zu ehrgeizige Verbündete von den Corleonesern ausgeschaltet; vor allem ranghohe Verbündete aus der Familie von Ciaculli, seit fast einem Jahrhundert von den Grecos dominiert, wurden eliminiert. Die Angehörigen der Killerkommandos der vergangenen Jahre wie Pino Greco, Mario Prestifilippo, Vincenzo Puccio und auch viele andere stellten ein mögliches Risiko für eine unumschränkte Herrschaft der Corleoneser dar. Sie waren im Krieg nützliche Verbündete gewesen; jetzt stellten sie potenzielle zukünftige Rivalen dar und wurden nacheinander lautlos beseitigt.

[Bearbeiten] Folgen

Die Corleoneser erlangten durch ihren vollständigen Sieg eine bislang unbekannte totale Hegemonie über die gesamte Organisation. Das Leben innerhalb der Cosa Nostra wurde neu reglementiert. Riina ernannte `Botschafter´, die für ihn die Aktivitäten der anderen Familien kontrollierten. Mögliche Streitigkeiten zwischen den Familien wurden jetzt allein von Riina entschieden. Zudem waren von nun an alle Familien verpflichtet, aus ihren erworbenen Gewinnen einen Prozentsatz an die „Cupola“ abzuliefern.

Die Einhaltung der Omertà wurde verschärft ausgelegt; den einzelnen Ehrenmännern wurde es verboten, mit Mitgliedern aus anderen Familien Kontakt zu halten; die Kontakte zwischen den Familien wurden dadurch stark beschränkt. Ausnahmen wurden nur für besonders vertauenswürdige Ehrenmänner gemacht, die als Boten fungieren, und natürlich die Angehörigen der Kommission. Dies geschah auch, um den Schaden der „Pentiti“ möglichst gering zu halten. Aus nahezu allen größeren Familien wurden ein bis zwei ausgesuchte Ehrenmänner abgestellt, die direkt Riinas Kommando unterstanden und ausschließlich seine Befehle befolgten. Diese Gruppe von circa 50 `Soldati´ beging in den folgenden Jahren auch die das größte Aufsehen erregenden Morde der Organisation. Den Vorsitz der Cupola/Kommission behielt Michele "Il Papa" Greco; dabei war er jedoch eher ein Befehlsempfänger von Totó Riina und Bernardo Provenzano.

Aus der „Mattanza“ ging die Cosa Nostra laut den Worten von Giovanni Falcone: "stärker, kompakter, vereinter, hierarchischer, dichter und noch undurchsichtiger hervor denn je." [12]

[Bearbeiten] Die Hegemonie der Corleoneser

[Bearbeiten] Die Anti-Mafia

Am 23. Dezember 1984 explodierte in einem Neapel und Mailand verbindenden Schnellzug eine Bombe, die 16 Tote und mehr als 200 Verletzte forderte. Dieser Terroranschlag war von Pippo Calò geplant worden, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von der Mafia hin zum Terrorismus zu lenken. Bereits im Januar 1984 war der Journalist und Schriftsteller Giuseppe Fava von den Corleonesern ermordet worden. 1985 wurden auch die leitenden Polizisten Beppe Montana und Ninni Cassarà kurz hintereinander ermordet; Cassarà und seine Leibwächter starben im Kugelhagel eines zwölfköpfigen Killerkommandos, dem auch Mitglieder der Kommission angehörten. In Rom konnte unterdessen Pippo Calò festgenommen werden, der sich dort seit Jahren unentdeckt aufgehalten hatte. 1986 wurde in Trapani auf den Ermittlunglungsrichter Carlo Palermo ein erfolgloser Bombenanschlag verübt, der das Leben einer Frau und ihrer beiden Kinder kostete; der Richter wurde daraufhin aus Trapani abgezogen.

Durch die Ermittlungen Falcones und die Aussagen von Tommaso Buscetta, Contorno, Mannoia, Calderone und später dann auch anderer `Pentiti´ kam es zu den großen Mammutprozessen (Maxiprozess I - IV) Ende der 80er Jahre, in denen hunderte Mafiosi wie Michele Greco, Pippo Calò oder Mariano Agate zu langen Haftstrafen verurteilt wurden. Erstmals wurde auch die Existenz der Cosa Nostra offiziell bestätigt und, nach amerikanischem Vorbild, auch die bloße Mitgliedschaft zu einer kriminellen Organisation unter Strafe gestellt.

Riina, Provenzano und andere wichtige Corleoneser blieben jedoch weiterhin flüchtig. Viele Politiker in Palermo verbreiteten nach den Prozessen die Meinung, die Cosa Nostra sei nach den `Maxi-Prozessen´ weitgehend besiegt und befinde sich im Sterben. Falcone und andere Ermittler bestritten das vehement, eine Einschätzung, die sich durch eine neue Attentatswelle bestätigte: Am 12. Januar 1988 wurde der ehemalige Bürgermeister von Palermo, Giuseppe Insalaco, ermordet. Er hatte während seiner Amtszeit die Korruption bekämpft und sich für Transparenz bei der Vergabe öffentlicher Aufträge eingesetzt. Nur zwei Tage später wurde der Polizist Natale Mondo ebenfalls in Palermo erschossen. Er war einer der Leibwächter von Ninni Cassarà gewesen und hatte das Attentat auf seinen Chef als einziger überlebt. Am 14. September 1988 wurde der inzwischen pensionierte Richter Alberto Giacomelli, der im Maxi-Prozess mitgewirkt hatte, in Trapani erschossen. Am 25. September wurde der Richter Antonio Saetta gemeinsam mit seinem Sohn ermordet; am folgenden Tag wurde der Links-Aktivist und Soziologe Mauro Rostagno erschossen. Im September 1990 wurde der Ermittler Rosario Livatino in Agrigent erschossen. Er war jedoch, wie sich durch Aussagen einiger Pentiti herausstellte, nicht durch die Cosa Nostra ermordet worden. Für den Mord verantwortlich war die Stidda, die sich in den 1980er Jahren im südlichen Sizilien gebildet hatte. Vor allem in und um die Städte Riesi, Agrigent, Barrafranca, Camastra und Gela sind ihre Hochburgen. Gegründet wurde die Stidda von überlebenden Verlierern der „Mattanza“. Die weniger straff organisierte Stidda wurde von der Cosa Nostra Anfang der 1990er Jahre erbittert bekämpft; dieser Krieg kostete mehrere hundert Tote. Am 9. August 1991 wurde der Richter Antonino Scopelitti ermordet, der am Maxi-Prozess beteiligt gewesen war. Nur wenige Wochen später, am 29. August 1991, wurde in Palermo der Unternehmer Libero Grassi erschossen, der sich geweigert hatte, Schutzgeld zu bezahlen und eine öffentliche Solidarbewegung gegen die Schutzgelderpressung ins Leben gerufen hatte.

Innerhalb der Cosa Nostra führte Salvatore Riina weiter eine blutige autokratische Herrschaft; diejenigen Ehrenmänner, die sich dem Bündnis der Corleoneser nicht bedingunglos unterwarfen, wurden ermordet. Die Interprovinzialkommission Siziliens, die 1992 zusammentrat, bestand laut Aussage des Kronzeugen Leonardo Messina aus Salvatore Riina als Vertreter der Provinz Palermo, Nitto Santapaola für die Provinz Catania, Mariano Agate für die Provinz Trapani, Giuseppe Madonia für die Provinz Caltanissetta, Antonio Ferro für die Provinz Agrigent und Salvatore Saitta für die Provinz Enna.

[Bearbeiten] Krieg gegen den Staat

1992 scheiterten die Angeklagten der „Maxi-Prozesse“ in letzter Instanz mit einer möglichen Revision. Die Urteile wurden endgültig bestätigt. Die Kommission trat daraufhin zu einer richtungsentscheidenden Sitzung in Enna zusammen; anwesend waren diesmal sowohl Toto Riina als auch Bernardo Provenzano, obwohl diese laut einer Abmachung sonst niemals gemeinsam auftraten. Kurz darauf kam die Vergeltung der Cosa Nostra, die unter Riinas Führung nun dem italienischen Staat den Krieg erklärte: Am 12. März wurde der Politiker Salvatore Lima, der - aus Sicht der Cosa Nostra- nicht in der Lage gewesen war, die Organisation vor Verfolgung zu schützen, mitten in Mondello ermordet. Lima, zuletzt EU-Abgeordneter, war über Jahrzehnte die rechte Hand des siebenfachen Premierministers Giulio Andreotti gewesen, dem ebenfalls immer wieder Mafiaverbindungen nachgesagt wurden. Auch Ignazio Salvo, der sich ebenso wie Lima als unfähig erwiesen hatte die Organisation abzuschirmen, wurde kurz darauf erschossen.

Am 23. Mai 1992 wurde Giovanni Falcone gemeinsam mit seiner Frau und seiner Eskorte durch eine 400-kg-Bombe getötet. Wenige Monate vorher hatte er in einer Interview-Serie bereits gemutmaßt, dass neue Attentate zu erwarten seien:

„In der Cosa Nostra herrscht zur Zeit solch eine Spannung, eine Qual, um es gewagt auszudrücken, dass ein großes, spektakuläres Attentat auf einen Vertreter des Staates eine, in gewisser Weise, befriedigende Wirkung auf die beiden `Seelen´ haben könnte, die sich um die Cosa Nostra streiten, nämlich die Palermer Seele, die Rache üben will, und die Corleoneser Seele, die 1982 der Hauptstadt das Ruder der Organisation entrissen hat.“

Giovanni Falcone [12]

In Palermo kam es zum ersten Mal zu Solidaritätsbekundungen einer breiten Öffentlichkeit mit den Anti-Mafia- Kämpfern. Zum Nachfolger Falcones wurde Paolo Borsellino erkoren, dem weitreichende Befugnisse im Kampf gegen die Mafia in Aussicht gestellt wurden. Am 19. Juli 1992 jedoch fielen auch Paolo Borsellino und fünf seiner Leibwächter einem Bombenattentat in der Innenstadt Palermos zum Opfer.

Nach den Morden an den beiden populären Ermittlern und Galionsfiguren im Kampf gegen die Mafia befand sich Italien im Schockzustand; die öffentliche Empörung über die Brutalität, die die Cosa Nostra an den Tag legte, war ohne Beispiel. Auch innerhalb der EU wurden Bedenken wegen der exzessiven Gewalt der Mafia in Süditalien und der von ihr ausgehenden Bedrohung für die europäische Gemeinschaft laut geäußert. Der italienische Staat wurde, wie schon 1962 und 1982, praktisch gezwungen, nun endlich den Kampf gegen die Cosa Nostra entschlossen aufzunehmen. Dies tat er jetzt zum ersten Mal in seiner Geschichte mit seiner ganzen Kraft. Es wurden 7.000 Soldaten nach Sizilien geschickt, was praktisch einem Eingeständnis gleichkam, dass Italien die Kontrolle über die Insel verloren hatte. In den folgenden Monaten wurde die Zahl sogar auf 20.000 Soldaten erhöht. Unabhängig von den regulären sizilianischen Carabinieri wurden römische Elite-Einheiten nach Sizilien verlegt, um den seit Jahrzehnten flüchtigen `Boss der Bosse´ Toto Riina aufzuspüren. Maulwürfe wie der Geheimdienstchef Bruno Contrada wurden innerhalb der öffentlichen Dienste enttarnt. Sie hatten nicht nur wichtige Mafiosi vor der Verhaftung beschützt, sondern auch geholfen, die Attentate auf Falcone und Borsellino durch Informationen über deren Tagesablauf zu ermöglichen. Die allgemeinen Haftbedingungen für die inhaftierten Bosse wurden drastisch verschärft, um es diesen künftig unmöglich zu machen, die Organisation aus dem Gefängnis heraus zu leiten. Auch die Anti-Mafia Gesetze wurden weiter verschärft und nach amerikanischem Vorbild ein italienisches FBI aufgebaut.

Einer der wichtigsten Verbündeten der Corleoneser, Mariano Agate, konnte Ende 1992 erneut verhaftet werden. Im Januar 1993 wurde dann endlich Toto Riina verhaftet; daraufhin gingen vor allem auf dem italienischen Festland mehrere Bomben in Museen, Kirchen, Justizgebäuden und auf öffentlichen Plätzen hoch, die dutzende Tote und Verletzte forderten. Im Mai 1993 wandte sich Papst Johannes Paul II. bei einem Besuch auf Sizilien in einer öffentlichen Messe gegen die "Mafiakultur"; auch hierauf explodierten als Antwort der Cosa Nostra in mehreren römischen Kirchen Bomben und Mitte September des gleichen Jahres wurde sogar ein Geistlicher, Padre Giuseppe Puglisi, vor seinem Haus erschossen. Am 16. Oktober scheiterte ein großer Terroranschlag, als eine Bombe, die nach einem Fussballspiel vor dem Olympiastadion in Rom explodieren sollte, nicht hochging. Nach der Festnahme Riinas übernahm sein Schwager Leoluca Bagarella das Kommando; innerhalb der Organisation machte sich zunehmend Unsicherheit breit, wie Giovanni Brusca nach seiner Festnahme aussagte: „Die ganzen Bosse verwalteten ihre Mandamenti so, wie sie es für richtig hielten. Es gab nicht mehr die gleiche Homogenität wie vorher, als - nun ja, man könnte ihn den Vater der Familie nennen - unser aller Capo da war.“.[7] 1994 wurde der Boss der Familie von Catania, Nitto Santapaola, verhaftet; Riinas Schwager und kurzzeitiger Nachfolger Leoluca Bagarella und Giovanni Brusca, die auch beide am Attentat auf Giovanni Falcone maßgeblich beteiligt waren, konnten 1995 beziehungsweise 1996 verhaftet werden. Ermöglicht wurde dies unter anderem auch durch eine Welle von neuen Pentiti wie beispielsweise Salvatore Cancemi, die sich von der Terrorherrschaft Riinas über die Organisation abwandten.

[Bearbeiten] Reorganisation

Die Führung der Organisation übernahm nun Bernardo Provenzano. Er führte die Cosa Nostra zurück in die Anonymität; die Attentate auf Vertreter des Staates und die Bombenanschläge auf öffentliche Einrichtungen wurden komplett eingestellt. Provenzano leitete eine "Pax Mafiosa" ein und stoppte auch erfolgreich die Welle der Aussteiger, indem er einerseits die Sozialleistungen der Organisation für ihre inhaftierten Mitglieder und Familienangehörigen erweiterte und andererseits die Morde an den Angehörigen der Pentiti verbot. Er fuhr innerhalb der Organisation einen sehr viel moderateren Kurs als seine beiden Vorgänger Riina und Bagarella und gestand den einzelnen Familien wieder mehr Eigenständigkeit zu. Auch schottete er die Organisation noch einmal stärker nach außen hin ab; die gängige Praxis der Corleoneser, ihre Mitglieder den anderen Familien nicht vorzustellen, wurde auf die gesamte Organisation übertragen. Neue Anwärter wurden noch stärker überprüft und eine Aufnahme oftmals sogar innerhalb der eigenen Familie verschwiegen. Die einfachen Soldaten kennen inzwischen nur noch ihre direkten Vorgesetzten, nicht aber den Boss ihrer Familie oder etwa den Capo-Mandamento. Durch diese Neustrukturierung gelang es Provenzano, die schwer angeschlagene Organisation wieder zu konsolidieren.

[Bearbeiten] 2002

Ein engagierter Vertreter der Theorie, wonach die Mafia ihre zentrale Rolle in Sizilien verloren haben soll, ist der sizilianische EU-Politiker Leoluca Orlando. Er war Bürgermeister von Palermo in den Jahren 1985 - 2000 [9]. Er stellt in seiner Autobiografie aus dem Jahr 2002 die These auf, dass die sizilianische Mafia weitestgehend aus dem öffentlichen Leben sowie aus der Politik ausgeschlossen werden konnte. Damit seien die schädlichen Jahre vorbei, in denen die palermitanische Mafia mit der Politik von Palermo verstrickt gewesen sei. Zudem sei die Bedrohung für die Bevölkerung verschwunden. Die Ära der politischen Morde sei vorbei. Ein Kulturwandel habe die Gesellschaft verändert. Ob diese optimistische Einschätzung sich bewahrheitet, ist sehr fraglich.

[Bearbeiten] Die letzten Jahre

Zwar konnte Bernardo Provenzano die Position der Cosa Nostra konsolidieren, der Druck durch die Behörden ließ aber in den vergangenen Jahren nur wenig nach. Das Hauptaugenmerk des italienischen Staates bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität liegt nach wie vor bei der Cosa Nostra, weniger bei der Camorra oder der ’Ndrangheta. Die ’Ndrangheta hat der Cosa Nostra inzwischen im Drogenhandel teilweise den Rang abgelaufen und importiert seit Ende der 1990er Jahre den Großteil des Kokains aus Kolumbien nach Italien und Europa. Die Cosa Nostra ist in den letzten Jahren enge geschäftliche Verbindungen zur ’Ndrangheta eingegangen.

Bernardo Provenzano kehrte im Gegensatz zu seinen Vorgängern Riina und Bagarella zu einem verbindlicheren Führungsstil zurück und führte die Organisation zusammen mit einem inoffiziellen Führungsgremium, welches aus acht Männern bestand: Salvatore Lo Piccolo aus Palermo, Matteo Messina Denaro aus Castelvetrano, Antonino Giuffrè aus Caccamo, Benedetto Spera aus Belmonte Mezzagno, Andrea Manciaracina aus Mazara del Vallo, Vincenzo Virga aus Trapani, Giuseppe Balsano aus Monreale sowie Salvatore Rinella aus Trabia. Dieses provisorische Führungsgremium trat anstelle der Kommission, da fast alle von deren Mitgliedern in Haft waren. Das Gremium trat auf Provenzanos Anordnung in unregelmäßigen Abständen zusammen und immer nur dann wenn wichtige Entscheidungen, die die gesamte Cosa Nostra betrafen, getroffen werden mussten. Im Januar und Februar 2001 konnten Benedetto Spera und Vincenzo Virga verhaftet werden. Im April 2002 stellte sich dann mit Antonino Giuffre, ein wichtiger Vertrauter Bernardo Provenzanos, der Polizei. Giuffre hatte Provenzano bei der Reorganisation der Cosa Nostra geholfen. Er war der erste hochrangige Kronzeuge seit Jahren und - bis Anfang 2008 - auch der vorerst letzte wirklich bedeutende Aussteiger. Anfang Dezember 2004 wurde Marcello dell'Utri, langjähriger Vertrauter und Wahlkampfmanager von Premierminister Silvio Berlusconi, wegen Kollaboration mit der Cosa Nostra rechtskräftig verurteilt. Am 11. April 2006 wurde der seit 1963 flüchtige Bernardo Provenzano in der Nähe von Corleone in einem Bauernhaus festgenommen. Dass dies nur einen Tag nach der Parlamentswahl, die Silvio Berlusconi eine knappe Niederlage bescherte, geschah, gab in den Medien sofort Anlass zu heftigen (unbewiesenen) Spekulationen.

Schon kurz vor Provenzanos Verhaftung waren innerhalb der Cosa Nostra wieder Spannungen zu erkennen. Diese waren erneut auf den Gegensatz zwischen der Fraktion der Corleoneser und der Cosa Nostra Palermos zurückzuführen. Nach der Verhaftung Provenzanos galten neben dem 44-jährige Matteo Messina Denaro der 61-jährige Antonio Rotolo und der 65-jährige Salvatore Lo Piccolo als die einflussreichsten Persönlichkeiten der sizilianischen Cosa Nostra. Lo Piccolo und Rotolo, die beiden Statthalter Provenzanos in Palermo, standen sich zunehmend feindlich gegenüber. Anlass war die Rückkehr der überlebenden Inzerillos aus den USA nach 25 Jahren im Exil. Diese war mit den US-Familien ausgehandelt worden; als Gegenleistung sollten der Cosa Nostra erneute lukrative geschäftliche Rechte, beispielsweise im Immobilienmarkt, in den USA eingeräumt werden. Lo Piccolo plante offenbar auch eine Wiederbelebung der „Pizza Connection“, die schon in den 1970er Jahren von den Inzerillos und Gambinos maßgeblich aufgebaut worden war. Lo Piccolo, Nachfolger Rosario Riccobonos im nordwestlichen Palermo, erteilte seine Erlaubnis zur Rückkehr der Inzerillos. Rotolo dagegen fürchtete einen möglichen Rachefeldzug der Inzerillos gegen das Bündnis der Corleoneser. Kurz vor dessen Festnahme hatte Rotolo noch einen formellen Antrag an Bernardo Provenzano gestellt in dem er um Provenzanos Erlaubnis bat, Lo Piccolo umbringen zu dürfen. Am 20. Juni 2006 gelang den Behörden ein weiterer schwerer Schlag gegen die Organisation, bei der mehr als 40 Personen festgenommen wurden, unter ihnen auch 13 Bosse. Unter den Verhafteten befand sich auch Rotolo, der offenbar laut dem Antimafia-Ermittler Piero Grasso schon Vorkehrungen getroffen hatte, Lo Piccolo, seinen Sohn und Stellvertreter Sandro und deren engere Vertraute umzubringen und damit "der unangefochtene Boss in der Stadt Palermo zu werden".[13]

Im August 2006 wurde in Tommaso Natale, Salvatore Lo Piccolos direktes Herrschaftsgebiet, sein Vertrauter Giuseppe D'Angelo von zwei Killern am hellichten Tag erschossen. Die Medien deuteten dies als einen direkten Angriff auf Lo Piccolos Autorität und eine Warnung. Im September 2006 verschwand der 72-jährige Bartolomeo Spatola. Dieser war ein Verbündeter der Corleoneser und Rotolos gewesen. Im Juni 2007 wurde der Boss von Porta Nuova, Nicola Ingarao, der ebenfalls ein enger Verbündeter Rotolos und der Corleoneser war, von zwei Killern erschossen. Nur wenige Wochen später, am 13. Juli 2007, wurde Giuseppe Lo Baido mit einer abgesägten Schrotflinte ermordet; dieser war bereits das vierte Mitglied der Corleoneser Fraktion, welches in kurzer Zeit ermordet wurde. Auftraggeber dieser Morde war höchstwahrscheinlich Lo Piccolo, der die Nachfolge Provenzanos als „Boss der Bosse“ anstrebte und dem nachgesagt wird, dass er die Dominanz des Bündnisses der Corleoneser brechen will. Lo Piccolo konnte jedoch gemeinsam mit seinem Sohn Sandro im November 2007 festgenommen werden.[14] Dies könnte nun bedeuten, dass entweder Messina Denaro, Domenico Raccuglia, Boss von Altofonte und Partinico, der Sohn Toto Riinas, Giovanni Riina, oder der Nachfolger Rotolos, Gianni Nicchi, die Führung der Cosa Nostra übernimmt. Da es seit einigen Jahren keine hochrangigen Pentiti mehr gab, ist die Situation innerhalb der Organisation jedoch sehr unklar und es handelt sich hier um reine Spekulationen. Alle genannten sind auch noch relativ jung. Zudem ist es auch sehr unsicher, ob die Organisation in Zukunft überhaupt noch von einem „Boss der Bosse“ gelenkt werden wird, da sie nach Provenzanos Regentschaft nicht mehr so stark zentralisiert ist wie noch während Riinas diktatorischer Herrschaft.

Anfang des Jahres 2008 wurde der christdemokratische Präsident der Region Sizilien, Salvatore Cuffaro, wegen Begünstigung der Cosa Nostra in erster Instanz zu fünf Jahren Haft verurteilt. Am 7. Februar 2008 wurde in einer gemeinsamen Aktion der italienischen und amerikanischen Behörden ein sich neu formender Drogenhandelsring zerschlagen und 77 Personen festgenommen; 13 weitere Personen sind flüchtig. Die Festgenommenen gehörten auf US-Seite zur Gambino-Familie; auf Sizilien wurden etwa 35 Angehörige der Familien von Passo Di Rigano, Boccadifalco, Cruillas und Toretta festgenommen, unter denen sich auch einige der aus dem Exil zurückgekehrten Inzerillos befanden. Die Gruppen versuchten offenbar, die alte Pizza-Connection wiederzubeleben.[15] Am 11. Juli 2008 führten die Behörden dann einen weiteren Schlag gegen die Cosa Nostra und nahmen in Monreale Salvatore Parisi fest, einen der führenden Männer der Familie von Porta Nuova.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Literatur

Cosa Nostra (Sizilien):

  • Anonymus: Mein Leben für die Mafia, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 1989 ISBN 3-498-00027-6 - Die Autobiographie eines einfachen Fusssoldaten, in der auch viele bekannte Ehrenmänner wie Navarra oder Bontade erwähnt werden
  • Pino Arlacchi: Mafia von innen - Das Leben des Don Antonino Calderone, S.Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 1995 ISBN 3-596-12477-8 - Sehr empfehlenswerte Autobiographie von Antonino Calderone der Vizeboss der Cosa Nostra von Catania war; einige Kapitel sind der Herkunft und Struktur der Mafia gewidmet
  • John Dickie: Cosa Nostra. Die Geschichte der Mafia, Frankfurt, Fischer (S.), 2006 ISBN 3-100-13906-2 - Informatives Buch über die Cosa Nostra von den Anfängen bis 2006
  • Vincenzo Delle Donne: Falcone: Die Biographie – Leben und Tod im Kampf gegen die Mafia:, Ullstein, Frankfurt/Main, Berlin, 1993 ISBN 3-550-07193-0 - Biographie über Giovanni Falcone
  • Giovanni Falcone & Marcelle Padovani: Inside Mafia, Herbig Actuell, München, 1992 ISBN 3-7766-1765-9 - Anschauliches Buch über die Cosa Nostra; dabei keine zusammenhängende Darstellung
  • Diego Gambetta: Die Firma der Paten: Die sizilianische Mafia und ihre Geschäftspraktiken, München: dtv, 1994 ISBN 3-423-30417-0 - Analytische Darstellung der Cosa Nostra und ihrer Struktur
  • Henning Klüver: Der Pate - letzter Akt, C. Bertelsmann, 2007 ISBN 978-3-570-00971-0 - Thema ist die Cosa Nostra, ihre Geschichte, aktuelle Situation und der Werdegang von Bernardo Provenzano
  • Salvatore Lupo: Die Geschichte der Mafia, Patmos Verlag, Düsseldorf 2002 ISBN 3-491-96152-1 - Die Geschichte der Cosa Nostra
  • Leoluca Orlando, Ich sollte der nächste sein, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, Basel, Wien, 2. Auflage 2002 ISBN 3-451-27985-1 - Autobiographie des ehemaligen Bürgermeisters von Palermo
  • Leoluca Orlando/Pippo Battaglia, Die Mafia, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, Basel, Wien, ISBN 3-451-29881-3 - Interviewserie von Pippo Battaglia mit dem ehemaligen Bürgermeister von Palermo
  • Werner Raith: Parasiten und Patrone, Büchergilde Gutenberg, 1990 ISBN 3-7632-3737-2 - Buch über die sizilianische Cosa Nostra mit einigen Interviews von Soziologen und Ermittlern; teilweise mit kleineren Fehlern
  • Petra Reski & Rita Atria: Rita Atria, eine Frau gegen die Mafia Hoffmann und Campe, 1996 ISBN 3-455-08596-2
  • Claire Sterling: Die Mafia. Der Griff nach der Macht, Scherz Verlag, München, 1990 ISBN 3-502-17700-7 - Informatives Buch ü