Dike (Mythologie)

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Dike (griechisch Δίκη, „Gerechtigkeit“) ist in der griechischen Mythologie eine der Horen, die meist als drei Schwestern dargestellt werden (anders Hygins in seinen Fabeln) und gemeinsam auftreten. Ihre Abstammung wird unterschiedlich angegeben, was im Zusammenhang mit der differierenden Anzahl auf verschieden große Gruppen dieses Namens mit (zumindest teilweise) Personen gleichen Namens aber unterschiedlicher Abstammung in jedem der vier Zeitalter der Griechen schließen lässt. [1] Als Eltern der Dike werden genannt:

  1. Zeus und Themis
  2. Helios und eine unbekannte Mutter
  3. Kronos und eine unbekannte Mutter [2]
  4. Nomos und Eusebia [3]

Mit der Abstammung Dikes, die als Personifikation der Gerechtigkeit gilt, von Zeus und Themis ist sie nach Hesiods Theogonie eine Schwester von Eunomia [= Gute Ordnung] und Eirene [= Frieden] (zweite Generation der Oympier). Diese wurden vor allem in den Städten Athen, Argos und Olympia verehrt. Mit ihrer Abstammung als Töchter von Zeus wird somit zum Ausdruck gebracht, dass entsprechende Macht (Zeus) bei gerechten Gesetzen (Themis) [4] die Gerechtigkeit (Dike), eine gute Ordnung (Eunomia) und den Frieden (Eirene) hervorbringt.

Dike wird aber auch Astraia genannt, weil sie im bronzenen Zeitalter in den Himmel geflohen sei und sich als Sternbild Jungfrau etabliert habe. [5] In der römischen Mythologie findet sie ihre Entsprechung in der Iustitia.

[Bearbeiten] Dike als Rechtsbegriff

Dike ist nach Nemesis [= Zuteilungen] und vor Dikaiosyne [= Staatsrecht] und Nomos [= Gesetz] der zweite von den Griechen entwickelte Rechtsbegriff. Sie galt zunächst für den Bereich, den wir heute als „Zivilrecht“ bezeichnen. Mit der weiteren Entwicklung der griechischen Gesellschaft auch für das „Staatsrecht“ (siehe Dikaiosyne) und schließlich dann auch für das „Strafrecht“, das als letztes entstand (siehe Nomos), nach Aischylos „Die Eumeniden“ kurz nach dem Trojanischen Krieg, ca 1200 v.Chr.. Der Begriff „Gerechtigkeit“ suggeriert eine andere Entstehung, da er etymologisch vom Begriff „Recht“ abgeleitet ist und diesen voraussetzt [Gerechtigkeit = dem Recht entsprechend]. In den Hymnen des „Orpheus“ heißt es in der 63. Hymne „Der Dike“:

„Ich preise das Auge der Dike,
der alles sehenden Lichtgestalt!
Die sich zum Sitze erwählte
den heiligen Thron des herrschenden Zeus!
Vom Himmel das Leben vielstämmiger,
sterblicher Menschen schauend.
Recht schaffend stürzt sie herab,
des Unrechts rächende Richterin!
Unähnliches fügt sie aus Gleichheit
durch die Wahrhaftigkeit zusammen,[6]
Was auch die sterblichen Menschen
zu böser Gesinnung führt,
Verworrenes, derer, die wollen das Mehr,
mit Unrecht brütendem Rat,[7]
Du allein trittst hinzu,
erweckst unrechten Werken das Recht,
feindlich den Ungerechten,
gerechten Urteils Freund.
Göttin, komm in Gerechtigkeit“[8]

Der Inhalt dieser Verse zeigt deutlich, dass Dike hier als Gerechtigkeit im Sinne von Rechtsprechung verstanden wurde. Diese Deutung gründet sich auf die Bedeutung des griechischen Zeitwortes „deiknymi“, das nach J. Mansfeld „Die Offenbarung des Parmenides und die menschliche Welt“ die „überwiegende Bedeutung des Verkündens und des Offenbarens“ hat [9]. So sagt er denn auch [10]:

„Die Dike des Richters ist also die Feststellung des Rechtes derjenigen Personen, die vor Gericht erscheinen“.

Dabei ist allerdings darauf hinzuweisen, dass die Aufgabe der Rechtsprechung eine vierfache ist, nämlich:

  1. Die Unterscheidung von Wahrheit und Unwahrheit, Recht und Unrecht,
  2. die Offenbarung der Wahrheit, des Rechts (im Verfahren aufgrund der Erkenntnis aus der Unterscheidung),
  3. die Bestimmung der Wahrheit, des Rechts (aufgrund der Offenbarung im Verfahren) und
  4. die Verkündung der Wahrheit, des Rechts (aufgrund der Bestimmung im Verfahren)

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Vergleiche dazu die zwei Aphroditen in Platons Dialog „Das Gastmahl“.
  2. Siehe [1]
  3. Siehe [2]. Nomos ist das Gesetz, Eusebia die Frömmigkeit, siehe [3],[4]. Nomos ist nach Aischylos „Die Eumeniden“ dem vierten Zeitalter der Griechen zuzuweisen (siehe „Nomos als Rechtsbegriff“ im Artikel Nomos), Kronos dem ersten, Zeus dem zweiten; Helios also dem dritten?
  4. Es handelt sich dabei um göttliche Gesetze, nicht um menschliche, siehe [5]
  5. Siehe [6]
  6. Gemeint ist wohl: Durch die Wahrhaftigkeit findet sie das Ungleiche in der scheinbaren Gleichheit und behandelt es entsprechend, also die „mildernden Umstände“.
  7. Siehe dazu schon Plutarch in seiner Schrift „Von der Liebe zum Reichtum“ in: „Von der Heiterkeit der Seele“ Seite 115 (Text redigiert):
    „Aber das Verlangen nach Reichtum stillen Gold und Silber nicht, und die Gier nach dem Mehr endet nicht, je mehr Du bekommst“
  8. Zitiert nach: „Orpheus“ Altgriechische Mysterien übertragen und erläutert von J.O. Plassman, erschienen im Rahmen von Diederichs gelbe Reihe Eugen Diederichs Verlag Köln 1982, Seite 104 (Text redigiert und Hervorhebung hinzugefügt)
  9. Nach: Parmenides „Über das Sein“ Griechisch/Deutsch, Seite 77
  10. Am angegebenen Ort, Seite 76
Commons Commons: Dike – Bilder, Videos und Audiodateien
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