Entstalinisierung
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Als Entstalinisierung bezeichnet man Vorgänge nach dem Tode Stalins 1953, in denen seitens einiger Führungen kommunistischer Parteien versucht wurde, den Personenkult um Stalin in der Sowjetunion und anderen sozialistischen oder volksdemokratischen Staaten Europas und Asiens rückgängig zu machen und die Gesellschaft in begrenztem Umfang zu liberalisieren.
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[Bearbeiten] Entstalinisierung in der Sowjetunion
Erste Maßnahmen der Entstalinisierung waren unmittelbar nach Stalins Tod die Auflösung seiner Privatkanzlei, eine weitreichende Amnestie und die Rehabilitierung der Kreml-Ärzte. Auch der Sturz Berijas und die Tauwetter-Periode sind kennzeichnend für die Zeit der stillen Entstalinisierung in der Zeit zwischen Stalins Tod (März 1953) und dem XX. Parteitag der KPdSU (Februar 1956).
Von der politischen Führung der UdSSR wurde das Prinzip der "kollektiven Führung" propagiert. Die Spitzenfunktionen von Staat und Partei sollten nicht mehr in einer Hand vereinigt sein. Unter Chruschtschow wurden alle Machtbereiche wieder der KPdSU untergeordnet. Die Entstalinisierung machte die KPdSU wieder zu einem kollektiven Entscheidungsorgan mit dem Anspruch der Alleinherrschaft.
Chruschtschow hielt auf dem XX. Parteitag der KPdSU sein als „Geheimrede“ bekannt gewordenes Referat, in dem er den Personenkult um Stalin und die damit verbundenen Verbrechen kritisierte. Mit diesem Referat erhielt die Entstalinisierung ihre parteiamtliche Legitimierung und wurde damit offiziell. Unmittelbar darauf wurde damit begonnen, jegliche Hinweise auf die Person Stalins aus allen gesellschaftlichen Bereichen zu entfernen. Damit verbunden ging auch eine Lockerung der wirtschaftlichen Zentralisierung und der Stärkung des individuellen Engagements in Teilbereichen hervor. Reformkommunistische Bestrebungen wurden jedoch weiterhin unterdrückt.
Einen markantes Zeichen der Entstalinisierung in der Sowjetunion wurde bereits im Juni 1956 sichtbar, als der Vorsitzende der US-KP, Eugene Dennis, die bis dahin weitestgehende Kritik an Stalin in Form eines Artikels in der Prawda veröffentlichte.[1] Ab Herbst 1956 war ein Wandel der Enstalinisierung zu beobachten. In der Folgezeit erschien sie als kontinuierlicher Prozess aus Ausweitung und Rückschlägen und spiegelte damit Machtkämpfe innerhalb der sowjetischen Führung wider. Der XXI. Parteitag 1959 und der XXII. Parteitag 1961 der KPdSU griffen noch einmal Themen der Entstalinisierung auf. In diesen und den folgenden Jahren war einerseits eine allmähliche Rehabilitierung der Person Stalins zu beobachten, andererseits kam es auch zu deutlichen symbolischen Handlungen im Sinne der Entstalinisierung (so z.B. zur Verbannung von Stalins Leichnam aus dem Lenin-Mausoleum im Oktober 1961).
In der Georgischen SSR führte die Entstalinisierung zum Massaker von Tiflis 1956. Chruschtschows Geheimrede wurde als Beleidigung des georgischen Nationalstolzes empfunden. Am 5. März 1956 kam es zu Studentendemonstrationen für Stalin. Sie begannen friedlich, mündeten jedoch am 8. März in einen Aufstand gegen die sowjetische Herrschaft in Georgien. Am 9. März eröffnete die sowjetische Armee das Feuer auf die Demonstranten. Im Zentrum von Tiflis fuhren Panzer auf und beendeten die Auseinandersetzung innerhalb von drei Stunden. Es wurden mindestens 80 Menschen getötet.
[Bearbeiten] Folgen der Entstalinisierung in anderen Ländern
[Bearbeiten] Umbenennungen
Städte und Straßen die Stalins Namen trugen und umbenannt wurden:
- Sztálinváros
Ungarn, benannt 1951, seit 25. November 1961 Dunaújváros (Donauneustadt) - Stalin
Bulgarien, 1949 bis 1956 Name der Stadt Warna - Stalinogród
Polen, 1953 bis 1956 Name der oberschlesischen Stadt Katowice (Kattowitz). - Stalingrad
Sowjetunion (heute Russland), 1925 bis 1961 Name der früheren Stadt Zarizyn, heute Wolgograd (seit 1961) - Stalinstadt
DDR (heute Bundesrepublik Deutschland), 1953 bis 1961, getilgt durch den Zusammenschluss von Stalinstadt, Fürstenberg (Oder) und Schönfließ (Niederlausitz) zu Eisenhüttenstadt - Stalinabad
Sowjetunion (heute Tadschikistan), 1929 bis 1961 Name von Duschanbe - Stalinsk
Sowjetunion (heute Russland), bis 1961 Name der Stadt Nowokusnezk - Staliniri
Sowjetunion (heute Georgien), 1934 bis 1961 Name der Stadt Zchinwali - Stalino
Sowjetunion (heute Ukraine), 1924 bis 1961 Name der Stadt Jusowka, heute Donezk (seit 1961) - Stalingrad
Tschechoslowakei (heute Tschechien), ehemaliger Name einer Satellitenstadt von Ostrava (Mährisch-Ostrau) - Oraşul Stalin
Rumänien, 1951 bis 1961 Name der Stadt Braşov (Kronstadt) - Stalinogorsk
Sowjetunion (heute Zentralrussland), benannt 1953 bis 1961, gegründet 1930 als Bobriki, Nowomoskowsk ab 1961. - Stalin-Allee
(Berlin) in der DDR von 1949 bis 1961, davor Große Frankfurter Straße und Frankfurter Allee, in Karl-Marx-Allee (westlicher Teil) und Frankfurter Allee (östlicher Teil) umbenannt. - Stalin-Platz
(Wien) in Österreich, während der Besatzungszeit von 1945 bis 1955 Name des südlichen Teils des Schwarzenbergplatzes.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Wolfgang Leonhardt: Kreml ohne Stalin. Verlag für Politik und Wirtschaft, Köln 1960 S. 303

