Ernst Jünger

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Briefmarke von Ernst Jünger, herausgegeben 1998
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Ernst Jünger (* 29. März 1895 in Heidelberg; † 17. Februar 1998 in Riedlingen) war ein deutscher Schriftsteller, Philosoph, Offizier und Insektenkundler. Er ist vor allem durch seine Kriegstagebücher, Essays, phantastischen Romane und Erzählungen bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

1895–1918

1895 wurde Ernst Jünger in Heidelberg als ältestes von sieben Kindern des Chemikers Dr. Ernst Georg Jünger (* 1868; † 1943 in Rehburg) und dessen späterer Frau Karolina (geborene Lampl, * 1873 in München; † 1950 in Rehburg) geboren. Er wurde protestantisch getauft. Zwei seiner Geschwister starben bereits im Säuglingsalter. Jünger verbrachte seine Kindheit unter anderem in Hannover, wo sich sein Vater ein Labor als Lebensmittelchemiker eingerichtet hatte, in Schwarzenberg und schließlich ab 1907 in Rehburg. Der Vater hatte zuvor als Bergwerksunternehmer beträchtliche Einkünfte erzielt. 1901 wurde Ernst Jünger am Lyceum II in Hannover eingeschult. Nicht zuletzt wegen der häufigen Umzüge der Familie war er zunächst ein schlechter Schüler. 1905 bis 1907 verbrachte Ernst Jünger auf Internaten in Hannover und Braunschweig. Ab 1907 lebte er wieder bei seiner Familie in Rehburg. Dort besuchte er gemeinsam mit seinen Geschwistern die Scharnhorst-Realschule in Wunstorf. In dieser Zeit entdeckte der mittelmäßige Schüler neben seiner Vorliebe für Abenteuerromane auch die Liebe für die Insektenkunde. 1911 trat Jünger gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich Georg dem Wunstorfer Wandervogel-Club bei. Dort fand er den Stoff für seine ersten Gedichte, die in einer Wandervogel-Zeitschrift veröffentlicht wurden. Dem Außenseiter brachten sie die Anerkennung seiner Lehrer und Mitschüler ein. Er genoss von diesem Zeitpunkt an den Ruf des Poeten und Dandys. Im Sommer 1913 trat Ernst Jünger als Schüler, der inzwischen ein Gymnasium in Hameln besuchte, in Verdun der Fremdenlegion bei und kam in das Ausbildungslager Sidi bel Abbès in Algerien. Von dort floh er mit einem Kameraden nach Marokko, wurde aber schnell aufgegriffen und zur Legion zurückgebracht. Kurz darauf wurde er nach einer von seinem Vater betriebenen Intervention des Auswärtigen Amtes auf Grund seines Alters wieder entlassen. Diese Episode seines Lebens wird in dem Buch Afrikanische Spiele verarbeitet.

Ernst Jünger als Soldat im Ersten Weltkrieg

Am 1. August 1914, kurz nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, meldete sich Ernst Jünger beim Füsilier-Regiment 73 in Hannover als Kriegsfreiwilliger. Nach dem Notabitur absolvierte er die militärische Ausbildung und kam im Dezember mit einem Ersatztransport an die Champagne-Front in Frankreich. Im April 1915 wurde Jünger erstmals verwundet. Im Heimaturlaub schlug er auf Anraten seines Vaters die Offizierslaufbahn ein. Wieder zurück in Frankreich, wurde er bald Leutnant und Zugführer und macht sich durch spektakuläre Aktionen bei Patrouillen und Stoßtrupps einen Namen. Im Laufe des dritten Kriegsjahres 1916 wurde Jüngers Regiment an sämtlichen Brennpunkten der Westfront eingesetzt. Während der zweiten Somme-Schlacht wurde Jünger am Vorabend der Offensive verwundet und kam ins Lazarett. In der Folgezeit wurde sein gesamter Zug aufgerieben. Ende 1916 erhielt Jünger für ein besonders waghalsiges Unternehmen das Eiserne Kreuz. 1917 wurde Jünger zum Chef der 7. Kompanie befördert und rettete durch einen Zufall seinem Bruder Friedrich Georg auf dem Schlachtfeld von Langemarck das Leben. Daraufhin folgten weitere Auszeichnungen. Im März 1918 überlebte Ernst Jünger einen Granateinschlag, der fast seine gesamte Kompanie vernichtet hatte. Das Kriegsende erlebte Jünger nach einer im August 1918 vor Cambrai erlittenen Verwundung im Lazarett. Knapp vor Ende des Krieges erhielt er den Pour le Mérite und damit die höchste militärische Auszeichnung, die in Preußen vergeben werden konnte.

Während des gesamten Kriegsverlaufes notierte er seine Erlebnisse in einem Tagebuch, das er ständig mit sich führte. Seinen Frontalltag verbrachte er vor allem am Ende des Krieges damit, in den Gefechtspausen Werke von Nietzsche, Schopenhauer, Ariost und Kubin zu lesen. Außerdem ließ er sich aus der Heimat entomologische Zeitschriften schicken.

1918–1933

Nach dem Krieg diente er zunächst noch in der Reichswehr, in der er unter anderem mit der Ausarbeitung von Dienstvorschriften für den Infanteriekampf befasst war. Unter anderem nahm er 1920 an Einsätzen zur Niederschlagung des Kapp-Putsches teil. Bald profilierte er sich als entschiedener Gegner der Republik, hielt sich aber aus den politischen Auseinandersetzungen weitgehend heraus und überarbeitete seine Kriegsaufzeichnungen, die in die Werke In Stahlgewittern. Aus dem Tagebuch eines Stoßtruppführers (1920), Der Kampf als inneres Erlebnis (1922), Sturm (1923), Das Wäldchen 125 (1925) und Feuer und Blut (1925) einflossen. Jüngers Erstlingswerk In Stahlgewittern wurde von der rechten Presse mit Begeisterung aufgenommen und als „Siegfried-Buch“ bezeichnet, andererseits aber auch von der Linken wegen der Drastik und Realistik der Darstellung beachtet.

Nach seinem Ausscheiden aus der Reichswehr (1923) studierte er in Leipzig und Neapel Zoologie und Philosophie. 1923 trat er für kurze Zeit in das Freikorps von Gerhard Roßbach ein und war vor allem als reisender Verbindungsmann zu anderen Teilen der nationalen Bewegung aktiv. Am 3. August 1925 heiratete er Gretha von Jeinsen. Er schrieb zahlreiche Artikel für nationalrevolutionäre Publikationsorgane wie Die Standarte, Arminius, Der Vormarsch oder Ernst Niekischs Widerstand. Zeitschrift für nationalrevolutionäre Politik. Bis 1933 verfasste er schätzungsweise 140 Artikel. Trotz seiner Sympathie für die Idee einer nationalen Revolution hielt sich Jünger, nach anfänglichen Kontakten, von Hitler und der NSDAP fern. Am 29. Januar 1926 schenkte er Hitler sein Buch „Feuer und Flamme“ mit einer persönlichen Widmung: Dem nationalen Führer Adolf Hitler!, wofür sich dieser mit großer Freude bedankte.[1] In seinen politischen Schriften dieser Zeit finden sich vereinzelte antisemitische Äußerungen. So schreibt er 1930 „über Nationalismus und Judenfrage“:

...die „nationalen Bewegungen, die sich als revolutionär bezeichnen“ litten unter einem „Mangel an Folgerichtigkeit“, da bei ihnen „der Stoß gegen den Juden … immer viel zu flach angesetzt wird, um wirksam zu sein.“.

Diese Äußerungen seien im Zusammenhang mit seinem radikalen „Anti-Liberalismus und Anti-Demokratismus“ (Harro Segeberg) zu sehen und richteten sich daher in erster Linie gegen die „Assimilation“ der deutschen Juden; Jünger präferierte, wie damals auch sein Bruder Friedrich Georg Jünger und andere Nationalrevolutionäre das orthodoxe Judentum bzw. später den modernen Zionismus: Franz Schauwecker und Friedrich Hielscher etwa sprachen sich hierbei besonders für Martin Bubers spirituellen Zionismus aus. Am 1. Mai 1926 wurde in Leipzig sein gleichnamiger Sohn Ernst geboren (in Jüngers Aufzeichnungen meist „Ernstel“ genannt). Das Studium brach er am 26. Mai ohne Abschluss ab und wandte sich ganz der Schriftstellerei zu. 1927 zog die Familie Jünger nach Berlin. Im gleichen Jahr lehnte er ein von der NSDAP angebotenes Reichstagsmandat ab. In den folgenden Jahren wechselte Jünger mehrfach seine Publikationsorgane und rief eigene, kurzlebige nationalistische Zeitschriften ins Leben. Grund dafür waren wiederkehrende Auseinandersetzungen innerhalb des nationalistischen Lagers über einen möglichen Legalitätskurs der Weimarer Republik gegenüber. 1928 erregte Ernst Jüngers an die Tradition des europäischen Surrealismus anknüpfende Buch Das abenteuerliche Herz Aufsehen, zumal es als „Literarisierung“ des Autors und Abwendung von der Politik interpretiert wurde. 1930 fungierte Jünger als Herausgeber mehrerer nationalrevolutionärer Sammelbände. Um ihn herum bildete sich ein Zirkel nationalistischer Publizisten aus teilweise sehr unterschiedlichen Flügeln, von späteren Nationalsozialisten bis zum Nationalbolschewisten Ernst Niekisch. Zum Ende der 1920er Jahre trat Jünger zunehmend in den Dialog mit politischen Gegnern der Rechten und zog sich gleichzeitig aus der politischen Publizistik zurück. Erst in dieser Zeit wurde seine Kriegsliteratur außerhalb nationalistischer und militärischer Kreise populär. 1932 erschien Jüngers Großessay Der Arbeiter. Herrschaft und Gestalt; darin etablierte er im Rückgriff auf die mythische Figur des Juden Ahasver eine moderne Wahrnehmungsästhetik, mit der sich der Text unter der Hand von seinen imperialen, nationalistischen Phantasmen löst.

1933–1945

Nach der Machtübernahme der NSDAP versuchte diese erneut, Ernst Jünger für sich zu gewinnen. Ihm wurde ein Sitz im Reichstag angeboten, den er ablehnte. 1933 kam es auch zu einer Hausdurchsuchung durch die Geheime Staatspolizei (Gestapo) wegen seiner Kontakte zu Kommunisten und zu Ernst Niekisch. Im selben Jahr wies Jünger die Aufnahme in die – nationalsozialistisch „gesäuberte“ – Dichterakademie zurück, und seine Wohnung wurde erneut von der Gestapo durchsucht, woraufhin Jünger sich nach Goslar zurückzog. Dort wurde 1934 sein Sohn Alexander geboren. Im gleichen Jahr erschien Die totale Mobilmachung. 1936 zog die Familie nach Überlingen am Bodensee um. Ernst Jünger verbrachte die folgenden Jahre mit zahlreichen Auslandsreisen. Ab 1939 lebte Jünger wieder nahe Hannover. Im gleichen Jahr erschien seine Erzählung Auf den Marmorklippen, die oft als verdeckte Kritik an der Gewaltherrschaft Hitlers interpretiert wird. Jünger selbst wehrte sich jedoch zeitlebens gegen die Interpretation der Marmorklippen als Widerstandsbuch.

Das Hotel Raphaël in Paris, wo Jünger ab Juni 1941 wohnte.

Im gleichen Jahr wurde Jünger im August zum Hauptmann befördert und zur Wehrmacht eingezogen; zunächst tat er als Kompaniechef am Westwall gegenüber der Maginot-Linie Dienst. In dieser Zeit erhielt er die Spange zum Eisernen Kreuz II. Klasse. 1941 wurde seine Einheit nach Paris verlegt. Ernst Jünger kam im Sommer des Jahres in den Stab des Militärbefehlshabers von Frankreich, später Chef des Generalstabes der Heeresgruppe B, wo er unter anderem für die Briefzensur zuständig war. Als wichtiges Zeitdokument einer deutschen, nicht-nationalsozialistischen Sicht des Zweiten Weltkrieges, entstanden die Pariser Tagebücher, die einige Jahre später in das Buch Strahlungen Eingang fanden. Jünger kam in Kontakt zu Widerstandkreisen innerhalb der Wehrmacht und dokumentierte für sie die Auseinandersetzungen zwischen NSDAP-Stellen und der Wehrmacht im besetzten Frankreich. 1942 schickte der Militärbefehlshaber in Frankreich Carl-Heinrich von Stülpnagel Jünger in den Kaukasus, angeblich um die Truppenmoral vor einem eventuellen Attentat auf Adolf Hitler zu untersuchen. Dort setzte Jünger sein Tagebuchwerk unter dem Titel Kaukasische Aufzeichnungen fort, welche ebenfalls in die Strahlungen aufgenommen wurden. Noch 1942 kehrte Ernst Jünger nach Paris zurück. 1942 begannen auch die Arbeiten an dem Aufruf Der Friede, der als Aufruf an die Jugend Europas nach einem Sturz Hitlers gedacht war. Jünger stand zahlreichen Beteiligten des Attentats vom 20. Juli 1944 nahe. Nachdem den Westalliierten die Landung in der Normandie und der Vorstoß ins Landesinnere gelungen war, verließ Jünger mit den abziehenden deutschen Truppen Paris und kehrte nach Deutschland zurück, wo er im September 1944 - im Alter von 49 Jahren - aus der Wehrmacht entlassen wurde. Er zog sich nach Kirchhorst in Niedersachsen zurück, wo er gegen Kriegsende als Volkssturmkommandant befahl, keinen Widerstand gegen die anrückenden alliierten Truppen zu leisten. Jüngers Sohn Ernstel wurde 1944 aufgrund kritischer Bemerkungen in ein Strafbataillon versetzt und fiel am 29. November in Italien.

1945–1998

Das Jünger-Haus in Wilflingen
Ernst Jüngers Schreibtisch in Wilflingen

Nach dem Krieg weigerte sich Jünger, den Fragebogen der Alliierten für die so genannte Entnazifizierung auszufüllen, und erhielt daraufhin in der britischen Besatzungszone bis 1949 Publikationsverbot. Er übersiedelte zunächst nach Ravensburg in die französische Besatzungszone und wenig später nach Wilflingen (heute Ortsteil der Gemeinde Langenenslingen, Landkreis Biberach) in Baden-Württemberg. Ernst Jünger wurde auf den jungen Journalisten Armin Mohler aufmerksam, da dieser 1946 in der Weltwoche einen recht positiven Artikel über ihn veröffentlicht hatte. Von 1949 bis 1953 war Mohler Privatsekretär von Jünger. 1949 lernte Jünger den LSD-Entdecker Albert Hofmann kennen; gemeinsam experimentierten beide mit der Droge. Jünger schrieb anschließend ein Buch über seine Erfahrungen mit LSD mit dem Titel „Besuch auf Godenholm“.

1951 entstand Jüngers Essay Der Waldgang, eine Art Widerstandsfibel gegen Totalitarismus und Anpassung. Fortsetzung und Abschluss dieser Thematik sind in dem 1977 erschienenen Roman Eumeswil zu sehen, in dem Jünger „das Gebäude seiner Weltweisheit“ (Armin Mohler) errichtete. Er entwickelt darin die Gestalt des Waldgängers zu der des Anarchen weiter, wobei er sich hauptsächlich auf Max Stirner und dessen 1844 erschienenes Buch Der Einzige und sein Eigentum bezieht.

Weitere hervorzuhebende Veröffentlichungen sind der Roman Heliopolis (1949) und die Kriminalgeschichte Eine gefährliche Begegnung (1985).

Nach dem Tod seiner ersten Frau Gretha (1960) heiratete Jünger 1962 die promovierte Germanistin Liselotte Lohrer, die unter anderem das Cotta-Archiv im Deutschen Literaturarchiv aufgebaut und betreut hat. Sie war auch an der Edition der Werke ihres Mannes bei Klett-Cotta beteiligt. Am 20. Juli 1977 starb Ernst Jüngers Bruder Friedrich Georg.

Ernst Jünger reiste und schrieb bis kurz vor seinem Tod. 1986 fuhr er nach Kuala Lumpur, um zum zweiten Mal in seinem Leben den Halleyschen Kometen zu sehen. Darüber berichtet er im Tagebuch Zwei Mal Halley, das zugleich einen Teil seines diaristischen Hauptwerks Siebzig verweht bildet. Verweht bedeutet hier „vergangen“, „vorbei“: Jünger begann dieses Alterstagebuch nach seinen 70. Geburtstag 1965 und führte es bis zum Frühjahr 1996 fort. Am 26. September 1996 konvertierte Ernst Jünger zum römisch-katholischen Glauben. Die Konversion wurde erst nach seinem Tod bekannt.

Ernst Jünger starb 1998 im Alter von 102 Jahren. An seiner Beerdigung nahmen 2000 Menschen teil, darunter Erwin Teufel, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, ein Vertreter der Bundesregierung in Bonn und fünf Generäle der Bundeswehr.

Orden und Ehrungen

Gedenktafel in Wilflingen

Aus Anlass des 90. Geburtstages Ernst Jüngers stiftete das Land Baden-Württemberg mit dem Einverständnis des Schriftstellers 1985 den Ernst-Jünger-Preis für Entomologie. Damit werden seit 1986 in dreijährigem Turnus Wissenschaftler ausgezeichnet, die mit herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Entomologie hervorgetreten sind.

Rezeption

Jünger faszinierte seine Leser bereits zu Lebzeiten, polarisierte dabei aber auch. Schon früh stellte Alfred Andersch in Deutsche Literatur in der Entscheidung (1948) die These auf, dass Jüngers Bedeutung nicht zuletzt auch durch seine Umstrittenheit bedingt sei. Auch Autoren wie Heiner Müller oder Rolf Hochhuth suchten die Verbindung mit dem alten Jünger. International sind Jüngers Schriften weit verbreitet, und ihre Rezeption ist im Gegensatz zur Situation in Deutschland wenig auf die politische Publizistik Jüngers fixiert. Bereits seine frühen Schriften wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Kritisiert wurde an Jüngers Schriften schon früh die Verherrlichung von Gewalt und seine Idealisierung von Männlichkeit in Form des „Kriegers“. Später wurde das Werk Jüngers meist aus einer ästhetischen Perspektive rezipiert, wobei hierbei die brisanten politischen Implikationen ausgeblendet wurden.

Während im Dritten Reich Auf den Marmorklippen auch als leicht entschlüsselbare Kritik am NS-Regime gelesen wurde, hat man Jüngers Texte aus der Nachkriegszeit als politisch weniger relevant angesehen. Umso mehr jedoch gelten diese Texte als ästhetisch interessant. Einen Markstein der wissenschaftlichen Rezeption bildete diesbezüglich Karl Heinz Bohrers Studie von 1978 Ästhetik des Schreckens, die die Verflechtung von Jüngers Texten mit der europäischen und US-amerikanischen Avantgarde zeigt. Im Gefolge dieser Forschungsöffnung fand Jünger als Klassiker moderner Medientheorie – neben Walter Benjamin, Siegfried Kracauer und anderen – Beachtung. Hieran schlossen im Zuge der poststrukturalistischen Theoriebildung in Frankreich beispielsweise Virilio und Baudrillard an. Im deutschsprachigen Raum tritt hingegen seine ästhetische Beurteilung als Stilist meist hinter die politische zurück.

Erst in jüngster Zeit finden sich wieder häufiger Interpretationen, die versuchen, den Nachweis subtiler, impliziter Subtexte im Werk Jüngers zu erbringen und die These vertreten, dass es ihm gelinge, politische Auffassungen auf diese Weise gleichsam unbemerkt zu transportieren.

Wenig diskutiert wird seine oft unkonventionelle Themenwahl (in Heliopolis kommen Weltraumfahrt und eine Art von Mobiltelefon vor (der Phonophor), Gläserne Bienen beschreibt nanotechnisch betriebene Roboter); ebenso seine lebenslange Behandlung des Themas Drogen. Seine wissenschaftlichen Beiträge zur Insektenkunde tragen zu seiner Bedeutung als Schriftsteller nicht bei.

Nachlass

Ein Teil des Nachlasses von Ernst Jünger befindet sich im Deutschen Literaturarchiv in Marbach. Zahlreiche Blätter weisen mittlerweile Schädigungen auf, die durch Selbstklebebänder entstanden sind. Ein Projekt zur Beseitigung dieser Schäden wird durch die Tesa AG unterstützt.

Einzelnachweise

  1. Othmar Plöckinger, Geschichte eines Buches, Oldenbourg 2006, ISBN 3-486-57956-8, S. 160.

Werke

Tagebücher
Romane
Erzählungen
Essays
Editionen
  • Ernst Jünger: Politische Publizistik 1919 bis 1933. Hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort von Sven Olaf Berggötz. Klett-Cotta, Stuttgart 2001, ISBN 3-608-93550-9
  • Ernst Jünger, Rudolf Schlichter: Briefe 1935–1955. Hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort von Dirk Heißerer. Klett-Cotta, Stuttgart 1997, ISBN 3-608-93682-3
  • Ernst Jünger, Carl Schmitt: Briefe 1930–1983. Hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort von Helmuth Kiesel. Klett-Cotta, Stuttgart 1999, ISBN 3-608-93452-9
  • Ernst Jünger, Gerhard Nebel: Briefe 1938–1974. Hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort von Ulrich Fröschle und Michael Neumann. Klett-Cotta, Stuttgart 2003, ISBN 3-608-93626-2
  • Ernst Jünger, Friedrich Hielscher: Briefe 1927–1985. Hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort von Ina Schmidt und Stefan Breuer. Klett-Cotta, Stuttgart 2005, ISBN 3-608-93617-3
  • Gottfried Benn, Ernst Jünger: Briefwechsel 1949–1956. Hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort von Holger Hof. Klett-Cotta, Stuttgart 2006, ISBN 3-608-93619-X
  • Ernst Jünger, Stefan Andres: Briefe 1937 – 1970. Hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort von Günther Nicolin. Klett-Cotta, Stuttgart, 2007, ISBN 978-3-608-93664-3
  • Ernst Jünger, Martin Heidegger: Briefwechsel 1949 - 1975. Unter Mitarbeit von Simone Maier herausgegeben, kommentiert und mit einem Nachwort versehen von Günter Figal. Klett-Cotta, Stuttgart, 2008, ISBN 978-3-608-93641-4.
  • Alfred Baeumler und Ernst Jünger: Mit einem Anhang der überlieferten Korrespondenz und weiterem Material. [Hrsg.] Ulrich Fröschle und Thomas Kuzias. Dresden: Thelem Universitätsverlag, 2008, ISBN 978-3-939888-01-7.

Literatur

Bibliographische Hilfsmittel und Register
  • Horst Mühleisen: Bibliographie der Werke Ernst Jüngers. Begründet von Hans Peter des Coudres. J. G. Cotta’sche Nachfolger GmbH, Stuttgart 1995, ISBN 3-7681-9803-0
  • Nicolai Riedel: Ernst-Jünger-Bibliographie. Wissenschaftliche und essayistische Beiträge zu seinem Werk (1928–2002). J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar 2003, ISBN 3-476-01961-6
  • Tobias Wimbauer: Personenregister der Tagebücher Ernst Jüngers. Überarb., erg. und erw. Neuausgabe. Edition Antaios, Schnellroda 2003. ISBN 3-935063-51-2
Neuere Literatur
  • Svend Buhl, "Licht heißt hier Klang" - Synästhesie und Stereoskopie in den Tagebüchern Ernst Jüngers, Bonn R. Nenzel Verlag 2003, ISBN 3-929035-06-5.
  • Oliver Demant Zwischen Aktion und Kontemplation: Das Frühwerk Ernst Jüngers unter dem Aspekt der Entwicklung individualistischer und kollektivistischer Perspektiven als Bewältigungsversuch der Moderne. Dissertation.de, Berlin 2008, ISBN 978-3-86624-355-2
  • Lutz Hagestedt (Hg.), Ernst Jünger. Politik – Mythos – Kunst. Walter de Gruyter, Berlin, New York 2004, ISBN 3-11-018093-6
  • Helmuth Kiesel, Ernst Jünger. Die Biographie, Siedler, 2007, ISBN 3-88680-852-1
  • Peter Koslowski: Der Mythos der Moderne. Die dichterische Philosophie Ernst Jüngers, München, Wilhelm Fink, 1991.
  • Bernd A. Laska, Katechon und Anarch. Nürnberg, LSR, 1997, ISBN 3-922058-63-9 (ü. Carl Schmitt und Ernst Jünger)
  • Helmut Lethen, Verhaltenslehren der Kälte. Lebensversuche zwischen den Kriegen., Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-518-11884-6
  • Steffen Martus, Ernst Jünger. J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar 2001, ISBN 3-476-10333-1
  • Martin Meyer, Ernst Jünger, München: Hanser 1990, ISBN 3-446-15904-5
  • Paul Noack, Ernst Jünger. Eine Biographie. Berlin 1998, ISBN 3-8286-0024-7
  • Ulrich Prill, "Mir ward Alles Spiel" - Ernst Jünger als homo ludens, Würzburg: Königshausen & Neumann, 2002, ISBN 3-8260-2355-2.
  • Alexander Pschera, Bunter Staub. Ernst Jünger im Gegenlicht, Matthes & Seitz Berlin 2008, ISBN 978-3-88221-725-4
  • Heimo Schwilk, Ernst Jünger - Ein Jahrhundertleben, Piper Verlag GmbH, 2007

Weblinks

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