Ernst Röhm
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Ernst Julius Röhm (* 28. November 1887 in München; † 1. Juli 1934 in München-Stadelheim) war ein führender Nationalsozialist und langjähriger Führer der Sturmabteilung (SA).
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[Bearbeiten] Leben und Wirken
[Bearbeiten] Frühe Jahre (1887-1919)
Ernst Röhm kam 1887 als drittes Kind des bayerischen Eisenbahn-Oberinspekteurs Julius Röhm und seiner Ehefrau Emilie Röhm, geborene Baltheiser, zur Welt. Er hatte einen älteren Bruder (* 1879) und eine ältere Schwester (* 14. Mai 1880). Ein Neffe Röhms, ein Sohn seiner Schwester, war der Diplomat Bernhard Lippert.
Nach dem Abitur, das er 1906 am Maximiliansgymnasium in München ablegte, trat Röhm – seinem Jugendwunsch, Soldat zu werden, folgend – als Fahnenjunker in die Bayerische Armee ein.
Nach dem Besuch der Offizierschule ab 1907 wurde Röhm 1908 zum Offizier ernannt. Während des Ersten Weltkrieges war Röhm zuerst als Adjutant, dann als Kompanieführer des Bayerischen 10. Infanterieregiments an der Westfront. Er wurde dreimal verwundet und erhielt unter anderem das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Durch seine erste Verwundung verlor er 1914 beim Sturm auf die Höhe 290 in St. Mihiel ein Stück des Nasenbeines. Der Versuch diesen Schaden durch Plastik zu beheben gelang nur unvollkommen. Nach seiner dritten Verwundung vor Verdun holte man ihn als Generalstabsoffizier in die Bayerische 12. Infanteriedivision, wo er sich besonders während des deutschen Rückzugs aus Flandern 1918 als hervorragender Organisator erwies.
1919 schloss er sich dem „Freikorps Epp“ unter Franz von Epp an. Dieses Freikorps war beteiligt an der gewaltsamen Niederschlagung der Münchner Räterepublik. Im Juli 1919 wurde das Freikorps in die Bayerische 7. Division eingegliedert. Zusammen mit anderen paramilitärischen deutschnationalen Gruppen bildete es später unter Hauptmann Mayr die „Eiserne Faust“, eine von Ernst Röhm mitbegründete Geheimorganisation. Wegen seiner Kontakte zu den verschiedenen Splittergruppen der rechtsnationalen Szene, die Röhm durch seine fortwährende Tätigkeit für die Reichswehr als Beschaffer von nach dem Friedensvertrag von Versailles verbotenen Waffenbeständen und über seine Tätigkeit im militärischen Nachrichtendienst aufbauen konnte, war er für eine solche Funktion prädestiniert. Im Zuge der Tätigkeit für die „Eiserne Faust“ kam er auch in Kontakt mit einem damaligen V-Mann der Reichswehr, Adolf Hitler. Bald darauf trat Hitler in die Deutsche Arbeiterpartei (DAP) ein, und noch im selben Jahr wurde auch Ernst Röhm dort Mitglied. Noch während Röhm für die bayerische Regierung arbeitete, sammelte er eine große Anzahl Waffen an, was ihm den Beinamen „Maschinengewehr-König von München“ eintrug.
[Bearbeiten] Röhm und die NSDAP
Ein Jahr nach dem Eintritt in die DAP wurde Ernst Röhm eines der ersten Mitglieder der NSDAP (Mitglieds-Nr. 623),[1] welche unter Hitlers Führung aus der DAP hervorgegangen war. Mit Hilfe Röhms knüpfte Hitler erste Kontakte zu bayerischen Militärs und Politikern; auch konnte Röhm einige jener Personen überzeugen, der NSDAP beizutreten. Röhm spielte eine wichtige Rolle beim weiteren organisatorischen Aufbau der Partei. Am 9. November 1923 war er maßgeblich am Hitler-Ludendorff-Putsch beteiligt, wofür er eine fünfmonatige Haftstrafe zu verbüßen hatte und aus der Reichswehr ausgeschlossen wurde. SA und NSDAP wurden in der Folge des Putschversuches verboten. In Anerkennung seiner prominenten Rolle bei diesem Putschversuch wurde ihm 1934 der Blutorden, Verleihungsnummer 2 verliehen.
Nach der Freilassung aus der Festungshaft begann er mit dem eigentlichen Aufbau der SA zu einer Vorstufe jener paramilitärischen Kampforganisation, welche sie nach 1930 und wiederum unter seiner Anleitung endgültig werden sollte. Röhm konnte mit der von Hitler nach dem gescheiterten Putsch von 1923 proklamierten Legalitätstaktik, dem Arrangement innerhalb der parlamentarischen Struktur, nicht viel anfangen. Dennoch zog er 1924 auf Reichswahlvorschlag für die Nationalsozialistische Freiheitspartei in den Reichstag ein; im selben Jahr trat er der DVFP bei. Seine politische Einstellung blieb radikal antikapitalistisch und revolutionär. Für ihn gab es kein Arrangement mit für seine Begriffe korrupten Mächten wie der Großindustrie oder der Reichswehr. Die SA sollte eine autonome Macht darstellen, welche nicht der Parteipolitik untergeordnet war. Röhm stand damit teilweise offen in Gegnerschaft zur Parteiführung der NSDAP. Nachdem er mit Hitler über die Rolle der SA in der wieder neu gegründeten NSDAP in Streit geraten war, trat er 1925 von seinen Ämtern zurück.
Sein Leben ab dem Rückzug aus der NSDAP 1925 bis zum Wendepunkt im Jahre 1928 wurde bislang nicht detailliert beschrieben. 1928 war Röhm, der sich selbst immer nur als „Soldat“ und nie als „Politiker“ („Ich bin noch heute Soldat und nur Soldat“)[2] sah, dann im Vorfeld des Chacokriegs von dem deutschen General Hans Kundt nach Bolivien geholt worden, um im Range eines bolivianischen Oberstleutnants als Militärinstrukteur tätig zu sein. Auch diese Periode ist kaum beschrieben. 1930 kehrte er nach Deutschland zurück und übernahm am 1. April 1931 den ihm von Hitler, der sich mittlerweile zum „Obersten SA-Führer“ gemacht hatte, angebotenen Posten als Stabschef der SA. Er baute sie zu einer breit angelegten Bewegung aus. Röhm forderte die Auflösung der Reichswehr in einer von der SA gestellten „revolutionären Volksmiliz“. Er wollte damit seine Vision einer zweiten nationalsozialistischen „Volksrevolution“ vorantreiben. Dadurch geriet er erneut mit Hitler und dessen Gefolgsleuten aus SS und Reichswehr in Streit. Zwar gibt es aus dieser Zeit schriftliche Zeugnisse über Versuche Röhms, die Notwendigkeit eines parallelen Existierens von SA und SS neben der Reichswehr zu begründen, doch dürften solche Bekenntnisse kaum seinen Überzeugungen entsprochen haben. Röhm entfernte sich immer mehr von der offiziellen Parteilinie und betrachtete die SA als „eine nationalsozialistische Kampforganisation neben der NSDAP“, die von der Partei „völlig unabhängig“ sei. So schrieb er unter anderem Ludendorff: „Die politische und die Wehrbewegung sind gänzlich unabhängig voneinander.“[3]
Auch geriet er mit Hitler in offenen Streit, als dieser es ablehnte, die SA erneut als „Wehrbewegung der Partei“ aufzubauen. Röhm dazu bei verschiedenen Gelegenheiten: „Hitler habe Trommler der Wehrverbände zu bleiben. (…) Parteipolitik wird im Frontbann, auch in der SA nicht geduldet. (…) Ich verbiete mir auf das strengste jede Einmischung der SA in Parteiangelegenheiten; ebenso streng verbiete ich, dass die SA-Führer von parteipolitischen Führern Weisungen entgegennehmen.“[4]
Im April 1932 wurde die SA von Reichskanzler Heinrich Brüning erneut verboten, nachdem es zu gewalttätigen Übergriffen von SA-Anhängern gekommen war. Im Juni wurde das Verbot von dessen Nachfolger Franz von Papen wieder aufgehoben. Daraufhin kam es im Vorfeld der Reichstagswahl Juli 1932 zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen mit gesamt etwa 300 Toten und über 1100 Verletzten. Vor der Reichstagswahl im März 1933 schreckte die SA auch nicht vor Folter zur Einschüchterung politischer Gegner zurück.
Die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler im Januar 1933 feierte die inzwischen auf über 400.000 Mitglieder angewachsene SA mit großen Aufmärschen und Fackelzügen. Im November 1933 zog Röhm noch einmal in den nun nationalsozialistischen Reichstag ein.
[Bearbeiten] „Röhm-Putsch“
Hauptartikel: Röhm-Putsch
Nach einer Rede vor Mitgliedern der SA, in deren Verlauf Hitler mit einem starken SS-Aufgebot aufmarschiert war, kam es zu einem Gespräch zwischen Hitler und Röhm. Röhm vereinbarte mit Hitler, dass er die gesamte SA für vier Wochen in den Urlaub schicken würde. Am Morgen des 29. Juni 1934 gab Röhm den Stabsbefehl heraus, schickte seine SA ab dem 1. Juli in den Urlaub und kündigte an, in Bad Wiessee eine Kur anzutreten. Am Nachmittag des 30. Juni 1934 wurden Röhm, weitere führende Mitglieder der SA und sonstige Gegner Hitlers auf Befehl Hitlers und Betreiben der SS unter Heinrich Himmler, Hermann Göring und Reinhard Heydrich in das Gefängnis München-Stadelheim gebracht. Von Seiten der SS waren zuvor Gerüchte über einen Putsch durch Röhm und auch über seine homosexuellen Neigungen verbreitet worden. Diese waren jedoch längst bekannt, z. B. durch die Zeitung Der gerade Weg von Fritz Gerlich.
Ohne Gerichtsverhandlung wurde Ernst Röhm am 1. Juli auf Befehl Hitlers vom Kommandanten des KZ Dachau, Theodor Eicke, im Gefängnis Stadelheim erschossen.[5] Röhm war zuvor der Aufforderung, Suizid zu begehen, nicht gefolgt.[6] Die Aktionen wurden rückwirkend durch das von Carl Schmitt später initiierte „Staatsnotwehr“-Gesetz legitimiert. Der angebliche Röhm-Putsch wurde von Hitler ebenso zur Beseitigung anderer politischer Gegner benutzt. Diese Aktion wurde auch als die „Nacht der langen Messer“ bezeichnet.
Röhm ist auf dem Münchner Westfriedhof begraben, bis heute ist sein Grab eine Kultstätte für Rechtsextremisten.
[Bearbeiten] Homosexualität
Ernst Röhm wurde in der deutschen Bevölkerung und außerhalb von Deutschland vor allem wegen seiner relativ offen gelebten Homosexualität bekannt. Auch in der historischen Rückschau auf seine Homosexualität ist dieser Zug Röhms einer der am meisten betrachteten und diskutierten.
Röhm selbst gab in einem Brief aus dem Jahr 1928 an, seine homosexuelle Veranlagung eigentlich erst 1924 entdeckt zu haben. Zuvor habe er nur flüchtige Erfahrungen gesammelt und habe häufig, wenn auch “ohne Genuss” sexuelle Kontakte zu Frauen gehabt.
Er verkehrte seit Mitte der 1920er Jahre in der homosexuellen Subkultur von Berlin und München (das Berliner Dampfbad bezeichnete er beispielsweise als “Gipfel alles menschlichen Glücks”), war stets, ob in Uniform oder Zivil, mit ausgesuchter Sorgfalt und Eleganz gekleidet. Röhm liebte Pferde und war ein leidenschaftlicher Reiter. Um auf den Geruch seines Sattelleders auch nachts nicht verzichten zu müssen, hing sein Sattelzeug auch nachts an seiner Schlafzimmerwand. Außerdem verstand er sich darauf, „nach raffiniertesten Rezepten zu kochen.“ Röhms Gesicht war von kosmetischen Mitteln immer leicht gerötet, seine Hand manikürt.[7]
Im März 1932 veröffentlichte der Publizist Helmuth Klotz drei Briefe, die Röhm 1928 aus Bolivien (Lapaz, Uyuni) und München an den Mediziner Karl-Günther Heimsoth schrieb. In diesen Briefen bekannte Röhm sich selbstbewusst zu seiner Homosexualität.[8]
Für Empörung und satirischen Spott durch linke Karikaturisten sorgten Äußerungen Röhms wie: „Die blutjungen frischen Leutnants [hier in Bolivien] würden Ihnen sicher auch gefallen […] aber leider… Natürlich unmöglich. Oder hätten sie für junge Neger in Uniform was übrig?”[9] Oder er berichtete von seinen „bis jetzt leider erfolglosen Streifzüge[n] durch alle Viertel von La Paz.”
Klotz brachte die Stoßrichtung der gegen Röhm gerichteten Vorwürfe exemplarisch auf den Punkt: Dass ein „so moralisch haltloser Mensch” von Hitler „mit einer einflussreichen Führerstellung betraut” werde, sei ein “Schlag gegen das preußische Führerprinzip.” Weiter prophezeite er die „Zersetzung der sittlichen und moralischen Kräfte”, falls nicht alle verantwortungsbewussten Deutschen dagegen einschreiten.”
Hitler betonte, er habe erst 1934 von der Homosexualität seines engen Vertrauten (Röhm war einer der wenigen Duzfreunde Hitlers) erfahren. Der zeitgenössische politische Witz kommentierte dies mit den Worten: „Der Führer zeigte sich schockiert, als er von Röhms Homosexualität erfuhr – wie schockiert wird er erst sein, wenn er erfährt, dass Göring dick ist und Goebbels humpelt…“. Nach der Ermordung Röhms nahm die bis dahin noch nicht so gezielt betriebene Verfolgung Homosexueller durch die Nationalsozialisten drastisch zu. Der § 175 wurde 1935 verschärft, und es kam danach in fast allen großen Städten zur Schließung von Homosexuellentreffpunkten, zu Razzien und Bespitzelungen.
[Bearbeiten] Schriften
- Die Geschichte eines Hochverräters, München 1928. (auch online unter: [1])
[Bearbeiten] Literatur
- Kurt Gossweiler: Die Röhm-Affäre. Hintergründe – Zusammenhänge – Auswirkungen. Pahl-Rugenstein, Köln 1983, ISBN 3-7609-5151-1
- Lothar Machtan: Hitlers Geheimnis. Das Doppelleben eines Diktators. Fest, Berlin 2001, ISBN 3-8286-0145-6; überarbeitete und ergänzte Ausgabe: Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 2003, ISBN 3-596-15927-X
- Viel Lärm um nichts, Rezension von Hans Mommsen, Die Zeit, Nr. 42/2001
- Klaus Mann: Die Linke und das Laster. In: Europäische Hefte. 24. Dezember 1934, Nr. 36/37, S. 675-678 (über Ernst Röhm, Nationalsozialismus und Homosexualität)
- Ronald Smelser (Hrsg.): Die braune Elite. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1989, ISBN 3-534-14460-0
- Alexander Zinn: Die soziale Konstruktion des homosexuellen Nationalsozialisten. Zu Genese und Etablierung eines Stereotyps. Lang, Frankfurt [u.a.] 1997, ISBN 3-631-30776-4
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Ernst Röhm im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Ernst Röhm in den Akten der Reichskanzlei
- Franz Manges: Röhm, Ernst. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Bd. 15, Duncker & Humblot, Berlin 1987, S. 713–715.
- Biografie von Ernst Röhm auf der Website des LeMO (Deutsches Historisches Museum und Haus der Geschichte)
- Der „Röhm-Putsch“ am 30. Juni 1934 von Kerstin Arnold auf Shoa.de, 26 Oktober 2004
- Ernst Röhm im Handbuch des Reichstags
[Bearbeiten] Fußnoten
- ↑ Joachim C. Fest: Hitler. Eine Biographie. Ullstein Tb, 7. Auflage 2005, ISBN 978-3-548-26514-8, S. 204
- ↑ Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf - Die Geschichte der SS, Weltbild-Verlag; S. 26.
- ↑ Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf - Die Geschichte der SS. Weltbild-Verlag, S. 26.
- ↑ Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf - Die Geschichte der SS. Weltbild-Verlag, S. 26.
- ↑ Jan Kershaw: Hitler Bd. 1, Stuttgart 1998, ISBN 3-421-05131-3, S. 659.
- ↑ Dr. Zdenek Zofka, http://www.km.bayern.de/blz/report/01_04/1.html, Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit in Bayern
- ↑ Der Furcht so fern, dem Tod so nah'. Der Röhm-Putsch oder der Mord von Staats wegen. In: Der Spiegel Nr. 20/1957 (15. Mai 1957), S. 20−29, hier S. 21.
- ↑ Auszug aus dem Vorwort von Helmuth Klotz zu "Der Fall Röhm" vom 12. September 1932 bei www.historisches-lexikon-bayerns.de. Siehe auch Röhm, Glosse von Ignaz Wrobel alias Kurt Tucholsky in der Weltbühne, 26. April 1932
- ↑ Susanne Zur Nieden: Homosexualität und Staatsräson, 2005, S. 155.
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Röhm, Ernst |
| ALTERNATIVNAMEN | Röhm, Ernst Julius |
| KURZBESCHREIBUNG | führender Nationalsozialist und langjähriger Führer der Sturmabteilung |
| GEBURTSDATUM | 28. November 1887 |
| GEBURTSORT | München |
| STERBEDATUM | 1. Juli 1934 |
| STERBEORT | München |

