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Vorlage:Netzwerk-TCP-IP-Vermittlungsprotokoll Das Internet Protocol Version 6 (IPv6) (frĂŒher auch IPnG, Internet Protocol Next Generation) ist der Nachfolger des gegenwĂ€rtig im Internet noch ĂŒberwiegend verwendeten Internet Protocols in der Version 4. Beide Protokolle sind Standards fĂŒr die Vermittlungsschicht (Schicht 3) des OSI-Modells und regeln die Adressierung und das Routing von Datenpaketen durch ein Netz.

Inhaltsverzeichnis

GrĂŒnde fĂŒr ein neues Internet-Protokoll

Das alte IPv4 bietet einen Adressraum von etwas ĂŒber vier Milliarden IP-Adressen, mit denen Computer und andere GerĂ€te angesprochen werden können. In den Anfangstagen des Internet, als es nur wenige Rechner gab, die eine IP-Adresse brauchten, galt dies als weit mehr als ausreichend. Kaum jemand konnte sich vorstellen, dass ĂŒberhaupt jemals so viele Rechner zu einem einzigen Netz zusammengeschlossen wĂŒrden und es somit im vorgegebenen Adressraum eng werden könnte.

Viele der theoretisch vier Milliarden IP-Adressen jedoch sind in der Praxis nicht nutzbar, da sie Sonderaufgaben dienen (z. B. Multicast) oder zu großen Teilnetzen (Subnetzen) gehören: Den ersten Teilnehmern am Internet (UniversitĂ€ten, US-Behörden und große Firmen) wurden riesige Adressbereiche (sogenannte Class-A-Netze) mit je 16,8 Millionen Adressen zugeteilt, ohne dass sie von diesen Organisationen voll ausgenĂŒtzt werden. Bisher wurden nur wenige dieser Adressbereiche wieder zurĂŒck gegeben <ref>Globale IPv4 Adressbereichsverteilung</ref>.

Als Resultat herrscht heute Adressenknappheit. Eine SchÀtzung<ref>SchÀtzung des voraussichtlichen Endes der IPv4 Adressvergabe</ref> welche auch ARIN zur Bewertung ihrer Vergabepolitk heranzieht<ref>ARIN Board Statement on the Future of Addressing Policy</ref>, geht davon aus, dass die IANA im Januar 2011 die letzten IPv4 Netze an die Regional Internet Registries vergeben wird und dass diese dann ca. ein Jahr spÀter der Internetgemeinde keine Adressen mehr bereitstellen werden.

Notlösungen wie NAT-Verfahren oder die dynamische Vergabe von Adressen mindern die QualitÀt der Anbindung. Auch ist abzusehen, dass in den nÀchsten Jahren durch neue technische Entwicklungen (beispielsweise Mobiltelefone, Autos und ElektrogerÀte in Privathaushalten mit Internet-Anschluss) der Bedarf an Adressen ansteigen wird.

HauptsĂ€chlich wegen der Adressknappheit, aber auch, um einige der Probleme zu lösen, die sich im Zuge der großrĂ€umigen Verwendung von IPv4 gezeigt hatten, begannen 1995 die Arbeiten an IPv6. Die folgende Liste gibt einen Überblick ĂŒber die wesentlichen neuen Eigenschaften von IPv6:

  • VergrĂ¶ĂŸerung des Adressraums von 232 (=4.294.967.296 ≈4,3 Milliarden) Adressen bei IPv4 auf 2128 (=340.282.366.920.938.463.463.374.607.431.768.211.456 ≈340 Sextillionen) Adressen bei IPv6
  • automatische Konfiguration von IPv6-Adressen (stateless), DHCP (stateful) fĂŒr IPv6 damit in der Regel ĂŒberflĂŒssig – siehe unten
  • Mobile IP und vereinfachte Umnummerierung („Renumbering“) – siehe unten
  • Netztechniken wie IPSec, Quality of Service und Multicast „serienmĂ€ĂŸig“
  • Vereinfachung und Verbesserung des Protokollrahmens (Kopfdaten). Dies ist insbesondere wichtig fĂŒr Router.

Adressaufbau von IPv6

Eine IPv6-Adresse ist 128 Bit lang (IPv4: 32 Bit). Damit gibt es etwa 3,4 Ă— 1038 (340,28 Sextillionen = eine Zahl mit insgesamt 39 Stellen) IPv6-Adressen. IPv4 kann maximal 232 Adressen vergeben, das entspricht einer Zahl mit „nur“ 10 Stellen.

Zum Vergleich: FĂŒr jeden Quadratmillimeter ErdoberflĂ€che könnten etwa 667 Billiarden IPv6-Adressen (6,67 Ă— 1017) bereitgestellt werden (bei einem angenommenen Erdradius von 6373 km), wĂ€hrend auf einen Quadratkilometer ErdoberflĂ€che gerade mal 8,4 Adressen im IPv4-Format entfallen.

IPv6-Adressen sind typischerweise aus zwei logischen Teilen zusammengesetzt; einem 64-bit langem (Sub-)NetzwerkprĂ€fix und einer 64-bit langen Host-Adresse, welche entweder aus der MAC des NIC's erstellt oder einfach sequentiell zugewiesen werden kann. Hat ein NetzwerkgerĂ€t die IPv6-Adresse 2001:0db8:85a3:08d3:1319:8a2e:0370:7344, so stammt es aus dem Subnetz 2001:0db8:85a3:08d3::/64. Analog gehört dieses Subnetz hierarchisch zum Subnetz mit dem kĂŒrzeren PrĂ€fix 2001:0db8:85a3::/48.

Da die global eindeutige MAC-Adresse die Nachverfolgung von Benutzern ermöglicht, wurde RFC 3041 entwickelt um die permanente Kopplung zwischen einer BenutzeridentitĂ€t und einer IPv6-Adresse aufzuheben. Damit soll ein Teil der AnonymitĂ€t von IPv4 wiederhergestellt werden. RFC 3041 ermöglicht die Identifikation des NIC's ĂŒber zufĂ€llige Strings statt der MAC.

Notation

  1. IPv6-Adressen werden hexadezimal (IPv4: dezimal) beschrieben, wobei die Zahl in acht Blöcke zu jeweils 16 Bit unterteilt wird. Diese Blöcke werden durch Doppelpunkte (IPv4: Punkte) getrennt notiert: 2001:0db8:85a3:08d3:1319:8a2e:0370:7344
  2. Ein oder mehrere aufeinander folgende Blöcke, deren Wert 0 (bzw. 0000) betrĂ€gt, dĂŒrfen ausgelassen und durch den fĂŒhrenden und abschließenden Doppelpunkt ersetzt werden<ref>(RFC 4291, Kap 2.2.2)</ref>: 2001:0db8::1428:57ab ist gleichbedeutend zu 2001:0db8:0000:0000:0000:0000:1428:57ab
  3. Die Reduktion durch Regel 2 darf nur einmal durchgefĂŒhrt werden, d.h. es darf nur eine zusammenhĂ€ngende Gruppe aus Null-Blöcken in der Adresse ersetzt werden (ansonsten ist keine Eindeutigkeit gegeben).
  4. FĂŒhrende Nullen innerhalb eines Blockes dĂŒrfen ausgelassen werden.

URL-Notation von IPv6-Adressen

In einer URL wird die IPv6-Adresse in eckigen Klammern eingeschlossen. Beispiel einer korrekten URL:

http://[2001:0db8:85a3:08d3:1319:8a2e:0370:7344]/

Diese Notation verhindert die fÀlschliche Interpretation von Portnummern als Teil der IPv6-Adresse:

http://[2001:0db8:85a3:08d3:1319:8a2e:0370:7344]:8080/

Netzwerke

IPv6-Netzwerke werden in der CIDR-Notation aufgeschrieben. Dazu wird die erste Adresse (bzw. die Netzadresse) und die LĂ€nge (in Bits) des PrĂ€fixes getrennt durch den SchrĂ€gstrich notiert. Als Beispiel steht 2001:0db8:1234::/48 fĂŒr das Netzwerk mit den Adressen 2001:0db8:1234:0000:0000:0000:0000:0000 bis 2001:0db8:1234:ffff:ffff:ffff:ffff:ffff. Die GrĂ¶ĂŸe eines IPv6-Netzwerkes (oder Subnetzwerkes) im Sinne der Anzahl der vergebbaren Adressen in diesem Netz muss also eine Zweierpotenz sein.

Da ein einzelner Host auch als Netzwerk mit einem 128-bit langen PrÀfix betrachtet werden kann, werden Host-Adressen manchmal mit einem angehÀngten "/128" geschrieben.

Aufteilung des IPv6-Adressraumes

Es gibt verschiedene IPv6-Adressen mit Sonderaufgaben und unterschiedlichen Eigenschaften. Diese werden durch die ersten Bits der Adresse, das PrÀfix, signalisiert:

  • ::/128 (128 0-Bits) ist die undefinierte Adresse, Ă€hnlich der 0.0.0.0 in IPv4
  • ::1/128 (127 0-Bits, ein 1-Bit) ist die Adresse des eigenen Standortes (localhost, loopback).
  • fe80::/10 (fe80
 bis febf
) sind so genannte linklokale Adressen (link local unicast addresses)
Diese sollen von Routern nicht weitergeleitet werden und sind daher nur im gleichen Teilnetz erreichbar. Interessant werden sie bei der Autokonfiguration.
  • fec0::/10 (fec0
 bis feff
) waren die Nachfolger der privaten IP-Adressen (beispielsweise 192.168.x.x).
Sie durften nur innerhalb der gleichen Organisation geroutet werden. Man nannte sie auch site-local (standortlokal). Diese Adressen sind nach RFC 3879 inzwischen veraltet (engl. deprecated) und werden aus zukĂŒnftigen Standards möglicherweise verschwinden. Neue Implementationen mĂŒssen diesen Adressbereich als Global-Unicast-Adressen behandeln.
Die Nachfolger sind die Unique Local Addresses RFC 4193 mit dem PrÀfix fc00::/7, mehr dazu siehe unten.
  • ff00::/8 (ff
) stehen fĂŒr Multicast-Adressen.
Nach dem Multicast-PrĂ€fix folgen 4 Bits fĂŒr Flags und 4 Bits fĂŒr den GĂŒltigkeitsbereich (Scope). FĂŒr die Flags sind zurzeit folgende Kombinationen gĂŒltig:
  • 0: Permanent definierte wohlbekannte Multicast-Adressen
  • 1: (T-Bit gesetzt) Transient (vorĂŒbergehend) oder dynamisch zugewiesene Multicast-Adressen
  • 3: (P-Bit gesetzt, erzwingt das T-Bit) Unicast-Prefix-based Multicast-Adressen (RFC 3306)
  • 7: (R-Bit gesetzt, erzwingt P- und T-Bit) Multicast-Adressen, welche die Adresse des Rendezvous Point enthalten (RFC 3956)
Die folgenden GĂŒltigkeitsbereiche sind definiert:
  • 1: interfacelokal, diese Pakete verlassen die Schnittstelle nie. (Loopback)
  • 2: linklokal, werden von Routern grundsĂ€tzlich nie weitergeleitet und können deshalb das Teilnetz nicht verlassen.
  • 4: adminlokal, der kleinste Bereich, dessen Abgrenzung in den Routern speziell administriert werden muss
  • 5: sitelokal, dĂŒrfen zwar geroutet werden, jedoch nicht von Border-Routern.
  • 8: organisationslokal, die Pakete dĂŒrfen auch von Border-Routern weitergeleitet werden, bleiben jedoch „in der Firma“ (hierzu mĂŒssen seitens des Routing-Protokolls entsprechende Vorkehrungen getroffen werden).
  • e: globaler Multicast, der ĂŒberall hin geroutet werden darf.
  • 0, 3, f: reservierte Bereiche
  • die restlichen Bereiche sind nicht zugewiesen und dĂŒrfen von Administratoren benutzt werden, um weitere Multicast-Regionen zu definieren <ref>(RFC 4291, Kap. 2.7)</ref>.
Beispiele fĂŒr wohlbekannte Multicast-Adressen <ref>Zugewiesene Multicast-Adressen</ref>:
  • ff01::1, ff02::1: All Nodes Adressen. Entspricht dem Broadcast.
  • ff01::2, ff02::2, ff05::2: All Routers Adressen, adressiert alle Router in einem Bereich.

Alle anderen Adressen gelten als Global Unicast Adressen. Von diesen sind jedoch bisher nur die folgenden Bereiche zugewiesen:

  • ::/96 (96 0-Bits) stand fĂŒr IPv4-KompatibilitĂ€tsadressen, welche in den letzten 32 Bits die IPv4-Adresse enthielten (dies galt nur fĂŒr globale IPv4 Unicast-Adressen). Diese waren fĂŒr den Übergang definiert, jedoch im RFC 4291 vom Februar 2006 fĂŒr veraltet (engl. deprecated) erklĂ€rt.
  • 0:0:0:0:0:ffff::/96 (80 0-Bits, gefolgt von 16 1-Bits) steht fĂŒr IPv4 mapped (abgebildete) IPv6 Adressen. Die letzten 32 Bits enthalten die IPv4-Adresse. Ein geeigneter Router kann diese Pakete zwischen IPv4 und IPv6 konvertieren und so die neue mit der alten Welt verbinden.
  • 2000::/3 (Bitfolge 001
, auch 2
 und 3
) stehen fĂŒr die von der IANA vergebenen globalen Unicast-Adressen, also routbare und weltweit einzigartige Adressen.
  • 2001-Adressen werden an Provider vergeben, die diese an ihre Kunden weiterverteilen.
  • Adressen aus 2001:db8::/32 dienen Dokumentationszwecken, wie beispielsweise in diesem Artikel, und bezeichnen keine tatsĂ€chlichen Netzteilnehmer.
  • 2002-PrĂ€fixe deuten auf Adressen des Tunnelmechanismus 6to4 hin.
  • Auch mit 2003, 240, 260, 261, 262, 280, 2a0 und 2c0 beginnende Adressen werden von Regional Internet Registries (RIRs) vergeben; diese Adressbereiche sind ihnen z.T. aber noch nicht zu dem Anteil zugeteilt, wie dies bei 2001::/16 der Fall ist.<ref>IANA: IPv6 Unicast Address Assignments, Version vom 22.12.2006</ref>
  • 3ffe::/16-Adressen wurden fĂŒr das Testnetzwerk 6Bone benutzt; dieser Adressbereich wurde gemĂ€ĂŸ RFC 3701 wieder an die IANA zurĂŒckgegeben.
  • fc00::/7 (fc
 und fd
) sind Unique-Local-Adressen (RFC 4193), die die Site-Local-Adressen der ursprĂŒnglichen Adressarchitektur ersetzen. Sie sollen zwar nur innerhalb eines privaten Netzwerks geroutet werden, durch eine 40-bit-Zufallsfolge im gewĂ€hlten AdressprĂ€fix sind sie aber mit hoher Wahrscheinlichkeit global eindeutig, was das Verbinden mehrerer Netze mit bereits zugewiesenen Unique-Local-Adressen ermöglicht.

Autokonfiguration

Ein IPv6-Stack kann aus der Layer-2-MAC-Adresse einer Schnittstelle eine so genannte link-lokale Adresse errechnen, mit der ein GerĂ€t sich auf die Suche nach den Routern in seinem Netzwerksegment machen kann. Dies geschieht durch eine Anfrage an die Multicast-Adresse ff02::2, ĂŒber die alle Router eines Links erreichbar sind. Ein Router versendet auf diese Anfrage hin unter anderem Informationen ĂŒber den Adressbereich, aus dem ein GerĂ€t sich selbst eine Unicast-Adresse zuweisen darf. Die doppelte Vergabe einer Adresse wird durch einen Vorgang verhindert, der „Duplicate Address Detection“ (DAD – Erkennung doppelt vergebener Adressen) genannt wird. Die DAD muss von jedem GerĂ€t nach der Wahl einer Adresse durchgefĂŒhrt werden. Ein GerĂ€t darf bei der Autokonfiguration nur unvergebene Adressen auswĂ€hlen. Dieser Vorgang lĂ€uft ohne Benutzereingriff vollautomatisch ab.

Die IPv6-Autokonfiguration unterscheidet sich konzeptionell von DHCP beziehungsweise DHCPv6. WĂ€hrend bei der Adressvergabe durch DHCPv6 (definiert in RFC 3315) von „Stateful Address Configuration“ gesprochen wird (sinngemĂ€ĂŸ: Adressvergabe, ĂŒber die Buch gefĂŒhrt wird, etwa durch einen DHCP-Server), ist die Autokonfiguration eine „Stateless Address (Auto)Configuration“, da GerĂ€te sich selbst eine Adresse zuweisen und ĂŒber diese Vergabe kein Buch gefĂŒhrt wird. Da die Autokonfiguration keine Informationen ĂŒber Host-, Domainnamen, DNS, NTP-Server etc. berĂŒcksichtigt, kann sie durch den Einsatz eines DHCPv6-Servers ergĂ€nzt werden. Dieser liefert die gewĂŒnschten Zusatzinformationen, kĂŒmmert sich dabei aber nicht um die Adressvergabe. Man spricht in diesem Fall von Stateless DHCPv6 (vgl. RFC 3736). Mechanismen wie Stateless DHCPv6 oder dynamisches DNS (GerĂ€te tragen ihren Namen selbst im DNS ein, nicht zu verwechseln mit DynDNS) können die IPv6-Autokonfiguration sinnvoll ergĂ€nzen.

Der EUI-64-Name der MAC-Adresse bildet bei der IPv6-Autokonfiguration in der Regel die letzten 64 Bit der IPv6-Adresse, es sei denn, die „Privacy Extension“ (siehe unten) wird verwendet. Wegen einer Verwechslung in RFC 2460 wird der Algorithmus, um EUI-64-Namen aus EUI-48-Namen zu berechnen, fĂ€lschlicherweise auf MAC-48-Namen angewandt<ref>Diskussion ĂŒber EUI-64, EUI-48 und MAC-48</ref>.

Umnummerierung

Unter IPv4 ist die Umnummerierung (engl. Renumbering; Änderung des IP-Adressbereichs etwa beim Provider-Wechsel) fĂŒr Netze ab einer gewissen GrĂ¶ĂŸe ein problematisches Unterfangen, wenn sie manuell durchgefĂŒhrt werden muss. Mechanismen wie DHCP können bei der Umnummerierung helfen, trotzdem ist der Vorgang nicht trivial. Speziell der sukzessive Übergang von einem Provider zum nĂ€chsten ohne ein „hartes“ Umschalten zu einem festen Zeitpunkt ist schwierig, da dies nur dann möglich ist, wenn das Netz fĂŒr einen gewissen Zeitraum multihomed ist. Multihoming bedeutet in diesem speziellen Fall (Provider-Wechsel), dass ein Netz gleichzeitig von mehr als einem Provider mit Internet-Anbindung und IP-Adressbereichen versorgt wird. Die Umnummerierung unter IPv4 fĂŒhrt teilweise zur Fragmentierung des Adressraums in der Default Free Zone (DFZ), es werden also vergleichsweise kleine Netze bis in die Routing-Tabellen der DFZ propagiert. FĂŒr die Router resultiert diese VergrĂ¶ĂŸerung der Routing-Tabellen in Leistungsverlust.

Der Vorgang der Umnummerierung wurde beim Design von IPv6 hingegen berĂŒcksichtigt. Mechanismen wie die IPv6-Autokonfiguration helfen bei der Umnummerierung erheblich. Der parallele Betrieb mehrerer IP-Adressbereiche gestaltet sich unter IPv6 ebenfalls unproblematischer als unter IPv4. Der Vorgang der Umnummerierung wird unter anderem im RFC 4076 behandelt, wo die wesentlichen Problematiken dieses Vorgangs beschrieben werden. Das Ziel eines sauber implementierten Renumberings ist unter anderem dem Betreiber eines Enterprise-Netzwerkes die unkomplizierte, kurzfristige und freie Wahl von Providern zu ermöglichen und damit letztendlich den Wettbewerb der Provider untereinander zu steigern.

Mobile IPv6

Mobile IP wurde als Erweiterung des IPv6-Standards unter dem Namen „Mobile IPv6“ (RFC 3775) in das IPv6-Protokoll integriert. Hierbei geht es darum, unter der gleichen IP-Adresse ĂŒberall erreichbar zu sein, beispielsweise im heimischen Netzwerk und auf einer Konferenz. Normalerweise mĂŒssten dazu aufwĂ€ndig Routing-Tabellen geĂ€ndert werden. Mobile IPv6 benutzt stattdessen einen Schatten-Rechner („Home Agent“, HA), der das MobilgerĂ€t in seinem Heimnetz vertritt. Eingehende Pakete werden durch diesen HA an die momentane Adresse („Care-of-Address“, CoA) des MobilgerĂ€ts getunnelt. Der HA bekommt die aktuelle CoA des MobilgerĂ€tes durch „Binding Updates“ mit, die das GerĂ€t an den HA sendet, sobald es eine neue Adresse im besuchten Fremdnetz erhalten hat.

Unique Local Addresses

FĂŒr private Adressen gibt es die Unique Local Addresses (ULA), beschrieben in RFC 4193. Dabei wird zwischen lokal generierten ULA mit dem PrĂ€fix fd und global zugewiesenen eindeutigen ULA mit dem PrĂ€fix fc unterschieden. Auf dieses PrĂ€fix folgen dann 40 Bits, die als eindeutige Site-ID fungieren. Diese Site-ID ist bei den ULA mit dem PrĂ€fix fd zufĂ€llig zu generieren<ref>Dazu siehe auch das Skript auf hznet.de</ref> und somit nur sehr wahrscheinlich eindeutig, bei den global vergebenen ULA jedoch auf jeden Fall eindeutig (RFC 4193 gibt jedoch keine konkrete Implementierung der Zuweisung von global eindeutigen Site-IDs an). Nach der Site-ID folgt eine 16-Bit-Subnet-ID, welche ein Netz innerhalb der Site angibt.

Eine Beispiel-ULA wĂ€re fd9e:21a7:a92c:2323::1. Hierbei ist fd der PrĂ€fix fĂŒr lokal generierte ULAs, 9e:21a7:a92c ein einmalig zufĂ€llig erzeugter 40-Bit-Wert und 2323 eine willkĂŒrlich gewĂ€hlte Subnet-ID.

Die Verwendung von wahrscheinlich eindeutigen Site-IDs hat den Vorteil, dass zum Beispiel beim Einrichten eines Tunnels zwischen getrennt voneinander konfigurierten Netzwerken Adresskollisionen sehr unwahrscheinlich sind. Weiterhin wird erreicht, dass Pakete, welche an eine nicht erreichbare Site gesendet werden, mit großer Wahrscheinlichkeit ins Leere laufen, anstatt an einen lokalen Host gesendet zu werden, der zufĂ€llig die gleiche Adresse hat.

Header-Format und Effizienzsteigerung

Im Gegensatz zu IPv4 hat der IP-Kopfdatenbereich (Header) bei IPv6 eine feste LĂ€nge von 40 Bytes (320 Bits). Optionale Informationen werden in so genannten Erweiterungs-Kopfdaten (engl.: Extension Headers) zwischen dem IPv6-Kopfdatenbereich und der eigentlichen Nutzlast (engl. Payload) eingebettet. Der Kopfdatenbereich eines IPv6-Paketes setzt sich aus den folgenden Feldern zusammen:
Bild:IPv6 header rv1.svg
Der Kopfdatenbereich eines IPv6-Paketes
Feld LĂ€nge Inhalt
Version 4 Bit IP-Versionsnummer (6)
Traffic Class 8 Bit FĂŒr Quality of Service (QoS) verwendeter Wert. Eine Art PrioritĂ€tsvergabe.
Flow Label 20 Bit Ebenfalls fĂŒr QoS oder Echtzeitanwendungen verwendeter Wert. Pakete, die ein Flow Label tragen, werden alle gleich behandelt.
Payload Length 16 Bit LĂ€nge des IPv6-Paketinhaltes (ohne Kopfdatenbereich, aber inklusive der Erweiterungs-Kopfdaten)
Next Header 8 Bit Identifiziert den Typ des nĂ€chsten Extension Headers.
Hop Limit / TTL 8 Bit Maximale Anzahl an Zwischenschritten ĂŒber Router, die ein Paket zurĂŒcklegen darf; wird beim Durchlaufen eines Routers („Hops“) um Eins verringert. Pakete mit Null als Hop Limit werden verworfen.
Source Address 128 Bit Adresse des Senders
Destination Address 128 Bit Adresse des EmpfĂ€ngers

Die Fragmentierung ĂŒberlanger IPv6-Pakete erfolgt nicht mehr durch den Router selbst, der Absender wird stattdessen mit Hilfe von ICMP-Nachrichten aufgefordert, kleinere Pakete zu schicken (siehe in diesem Zusammenhang Maximum Transfer Unit (MTU)). Idealerweise sollte ein IPv6-Host vor dem Versenden einer großen Anzahl von IPv6-Paketen eine Path MTU Discovery gemĂ€ĂŸ RFC 1981 durchfĂŒhren, um Pakete mit maximal möglicher GrĂ¶ĂŸe verschicken zu können, was eine Leistungssteigerung bewirkt. Weiterhin werden (im Gegensatz zu IPv4) keine PrĂŒfsummen mehr ĂŒber die IP-Kopfdaten berechnet, es wird nur noch die Fehlerkorrektur in den Schichten 2 und 4 genutzt. Dadurch entfĂ€llt die Fehlerbehandlung in Schicht 3 durch den Router. Die meisten Felder der Kopfdatenbereiche sind auf 64-Bit-Grenzen ausgerichtet, um Speicherzugriffe im Router zu beschleunigen.

Das ARP-Protokoll wurde durch das Neighbor Discovery Protocol (NDP) ersetzt, welches auf ICMPv6 basiert. Dieses macht intensiv Gebrauch von Multicast, das von jedem Host beherrscht werden muss.

Probleme

Gerade zu Anfang litt IPv6 unter einigen Kinderkrankheiten, die dem neuen Protokoll den Ruf einer „Totgeburt“ einbrachten. Die Standards wurden hĂ€ufig geĂ€ndert, was einigen Unmut erzeugte, da die gerade fertig gewordenen Implementierungen erneut angepasst werden mussten.

Der grĂ¶ĂŸte Einschnitt bestand in der EinfĂŒhrung der IEEE-Norm EUI-64 fĂŒr die linklokalen Adressen. Um die Einzigartigkeit der Adresse im Netzwerk auf einfache Weise zu garantieren, wurde vorher die MAC-Adresse des Adapters unverĂ€ndert in die IPv6-Adresse ĂŒbernommen, nun wurde die MAC-Adresse gemĂ€ĂŸ EUI-64 in verĂ€nderter Form in die IPv6-Adresse ĂŒbernommen.

Das Ă€nderte jedoch nichts an dem Problem, dass aus der gleichen MAC-Adresse immer die gleiche IPv6-Adresse resultiert. DatenschĂŒtzer waren besorgt, dass auf diese Weise der Datenverkehr ĂŒber eine bestimmte IP-Adresse auf Routern mitgeschnitten werden könnte und beispielsweise fĂŒr Marketingmaßnahmen oder staatliche Interventionen aller Art verwendet werden könnte.

Die IETF definierte deshalb nachtrĂ€glich die Datenschutzerweiterungen („Privacy Extensions“) gemĂ€ĂŸ RFC 4941: Die MAC-Adresse wird dabei zunĂ€chst mit einer pseudozufĂ€lligen Zahl verwĂŒrfelt, und aus dem Ergebnis wird eine temporĂ€re, global-erreichbare Adresse des GerĂ€tes ermittelt.

In der Praxis ergab sich mit den linklokalen Adressen das Problem, dass es nicht mehr reicht, die IP-Adresse im Ziel-Feld einzutragen, sondern auch eine Scope-ID angegeben werden muss, da die linklokalen Adressen relativ zum Link sind und fĂŒr sich genommen noch keinen Endpunkt definieren.

Deshalb sind die linklokalen Adressen nur beschrĂ€nkt zur Kommunikation tauglich (abhĂ€ngig davon, ob die IPv6-UnterstĂŒtzung der verwendeten Anwendung das Konzept der Scope-ID kennt).

IPv6 und DNS

Wegen der LĂ€nge der IP-Nummern, die man sich nur in den seltensten FĂ€llen merken können wird, ist IPv6 in besonderem Maße von einer funktionierenden Nameserver-Infrastruktur abhĂ€ngig. Gerade dieser wichtige Bereich ist jedoch bis heute eine Baustelle. Es ergaben sich im wesentlichen folgende Probleme:

  1. Die IPv6-Autokonfiguration suchte in ihrer frĂŒheren Form nicht nach Nameservern. Diese FunktionalitĂ€t wurde erst in RFC 5006 spezifiziert.
  2. Privacy Extensions (Datenschutzerweiterungen) und DNS sind wegen der sich hÀufig Àndernden Adressen schlecht unter einen Hut zu bekommen.
  3. Chaos bei den DNS-Record-Typen fĂŒr IPv6.

Bei der Autokonfiguration erhĂ€lt ein IPv6-GerĂ€t vollautomatisch eine Adresse und ein Gateway, ĂŒber das es ins Internet kommunizieren kann. Leider fehlte ursprĂŒnglich die Möglichkeit, auch automatisch einen DNS-Server zu suchen, was die Autokonfiguration fast wieder wertlos machte. Dies ist einer der GrĂŒnde, warum DHCP v6 entwickelt wurde, das eigentlich durch IPv6 ĂŒberflĂŒssig gemacht werden sollte. Wer ohne DHCP einen Nameserver finden wollte, musste auf Bastellösungen zurĂŒckgreifen, die meist ganz Ă€hnlich wie die Router-Suche funktionierten. Statt einer Anfrage an die Multicast-Gruppe alle Router wurde dabei eine Anfrage an alle Nameserver abgesetzt. Falls es mehrere DNS-Server im lokalen Netz gibt, sucht sich der Client dann den Server seiner Wahl aus den eintreffenden Antworten heraus.

Die Verwendung von Datenschutzerweiterungen ist insofern eine Herausforderung an das DNS, als sich IP-Adressen dabei hÀufig und unvermittelt Àndern. Wenn ein Client auf Erreichbarkeit unter einem DNS-Namen angewiesen ist, benötigt er ein zuverlÀssiges und sicheres Verfahren, um dem DNS-Server eine AdressÀnderung mitteilen zu können. Auf diesem Gebiet ist bis heute (2005) noch viel Bewegung zu verzeichnen und es hat sich noch kein verwendbarer Standard herauskristallisiert.

Lange Zeit bestand auch auf der grundlegendsten Ebene des DNS, den Records auf den Nameservern, Verwirrung. 1995 wurden in RFC 1886 zunĂ€chst der Record-Typ AAAA fĂŒr die Forward-Auflösung von DNS-Namen in IPv6-Adressen definiert, der funktional Ă€quivalent zum A-Record fĂŒr IPv4 ist. Im Jahr 2000 wurde AAAA in RFC 2874 durch den Record-Typ A6 abgelöst, der vor allem das Umnummerieren vereinfachen sollte, indem die IP-Adresse stĂŒckweise auf das DNS abgebildet wurde, jedoch nie frei von technischen Problemen war. 2003 wurde das Verfahren A6 daher in RFC 3596 wieder nach „experimentell“ zurĂŒckgestuft, und AAAA wurde der neue, alte Standard. Noch mehr Schwierigkeiten bereitete die RĂŒckwĂ€rtsauflösung („Reverse“-Auflösung) von IPv6-Adressen, da es durch das Hin und Her bei den Standards PTR-Records in zwei verschiedenen Zonen gibt, unterhalb von ip6.arpa und ip6.int. Aufgrund der traditionellen Nutzung der TLD .arpa fĂŒr die RĂŒckwĂ€rtsauflösung bei IPv4 hat sich die erstere Variante gegen ip6.int durchgesetzt, woraufhin die Delegierung von ip6.int im Juni 2006 gelöscht wurde.

Die Umsetzung von IPv6 in der Praxis

IPv6 setzt sich im praktischen Einsatz nur langsam durch.

Das IPv6 Forum<ref>Website des IPv6 Forum</ref> wurde im Juli 1999 gegrĂŒndet.

Das IPv6 Forum Projekt IPv6-Ready<ref>Website IPv6ready</ref> vergibt das IPv6 Logo in drei verschiedenen Stufen, die die Implementierung des Protokolls messen. Die Webseite listet dazu auch alle IPv6-fÀhigen Betriebssysteme auf.

Das Deutsche IPv6 Council<ref>Website des Deutschen IPv6 Council</ref> wurde im Dezember 2007 gegrĂŒndet.

Mit der BetriebssystemunterstĂŒtzung sieht es im Moment folgendermaßen aus:

AIX
Seit AIX 4 Version 4.3 ist IPv6 implementiert, seit AIX 5L Version 5.2 ist auch Mobile IPv6 implementiert.
BSD-Varianten
IPv6 wird von den BSDs bereits sehr lange und sehr umfassend unterstĂŒtzt (zum Beispiel bei FreeBSD seit MĂ€rz 2000 und bei NetBSD seit Dezember 2000). Allerdings haben die OpenBSD-Entwickler aus SicherheitsgrĂŒnden kein IPv4-to-IPv6-Mapping implementiert und verletzen somit strenggenommen den Standard.
Cisco
IPv6 wird ab IOS Version 12.2T experimentell, in den aktuellen Versionen 12.3 und 12.4 produktiv unterstĂŒtzt. Auf Ă€lteren GerĂ€ten und Karten ist das IPv6-Forwarding aufgrund der Hardwareausstattung jedoch nur in Software, also mit Hilfe des Hauptprozessors möglich, was die Sicherheit und Leistung gegenĂŒber IPv4 deutlich vermindert.
HP-UX
Seit der Version 11iv2 ist IPv6 Bestandteil des Basissystems, frĂŒhere 11.x-Versionen können mit TOUR (Transport Optional Upgrade Release) IPv6-fĂ€hig gemacht werden.
Juniper
Der Routerhersteller unterstĂŒtzt IPv6 in seinem Betriebssystem JunOS ab Version 5.1. Das IPv6-Forwarding geschah schon frĂŒh in Hardware, also ohne die Routing Engine (den Hauptprozessor) zu belasten.
Linux
Der Kernel 2.6. bietet eine IPv6-UnterstĂŒtzung auf Ă€hnlichem Niveau wie die BSD-Derivate, die produktiv einsetzbar ist. Der Kernel 2.4 bietet eine als experimentell ausgewiesene UnterstĂŒtzung fĂŒr IPv6, der jedoch noch wichtige Eigenschaften wie IPSec und Datenschutzerweiterungen (Privacy Extensions, RFC 3041) fehlen. Eine experimentelle IPv6-Implementation ist ebenfalls in der Kernel-Version 2.2 enthalten.
Mac OS X
EnthĂ€lt seit Version 10.2 UnterstĂŒtzung fĂŒr IPv6 auf der Basis von KAME. Erst seit Version 10.3 lĂ€sst sich IPv6 auch ĂŒber die GUI konfigurieren.
OpenVMS
Mit HP TCP/IP Services for OpenVMS Version 5.5 unterstĂŒtzt HP OpenVMS (ab Version 8.2) IPv6.
Solaris
Seit der Version 8 ist die UnterstĂŒtzung des IPv6-Protokolls auch in dem Betriebssystem der Firma SUN in begrenzter Form enthalten (die Implementierung und große Teile der Betriebssystemapplikationen erfordern immer noch, dass IPv4 konfiguriert ist), das fĂŒr SPARC- und i386-Rechnerarchitekturen zur VerfĂŒgung steht. Die Konfiguration erfolgt analog zu den Linux- und xBSD-Systemen.
Symbian OS
Seit der Version 7.0 ist IPv6 fester Bestandteil des Systems. Es sind nur wenige Parameter ĂŒber die GUI zu konfigurieren.
Windows 9x/ME
Lediglich eine von einem kommerziellen Drittanbieter verfĂŒgbare UnterstĂŒtzung der Firma Trumpet (Winsock).
Windows NT 4.0
Microsoft bietet einen experimentellen Protokollstapel als Hotfix an. Dieser ist sehr alt, aber im Quellcode verfĂŒgbar.
Windows 2000
Microsoft bietet einen experimentellen Protokollstapel als Patch an, der sich aber ohne weitere Maßnahmen nur zum gegenseitigen Anpingen von Rechnern eignet. Das experimentelle Patch lĂ€sst sich nur auf PCs installieren, auf denen Windows 2000 mit Servicepack 1 lĂ€uft. Mittels einer kleinen Anpassung lĂ€sst es sich auch auf PCs installieren, auf denen Windows 2000 mit Servicepack 2 bis 4 lĂ€uft. <ref>Schritte zur Anpassung des Windows-2000-Protokollstapels an SP2 bis 4: FAQ im Microsoft Developer Network</ref>
Windows XP
Auf expliziten Wunsch (ipv6 install) kann man bei Windows XP einen experimentellen IPv6-Protokollstapel installieren. Ab ServicePack 1 hat dieser Protokollstapel „Production Quality“ und wird als Protokoll in den Netzwerkeigenschaften hinzugefĂŒgt. Ab ServicePack 2 kann IPv6 ebenfalls unter den Netzwerkeigenschaften hinzugefĂŒgt werden, mit dem Namen Internet Protokoll Version 6. In Bezug auf den Mobility-Support gilt fĂŒr Windows XP ab Service Pack 1 das Gleiche wie fĂŒr Windows Server 2003: correspondent nodes sind verfĂŒgbar, mobile nodes und home agent nodes dagegen nicht. Im Rahmen des Mobile IPv6 Technology Preview-Programms sind entsprechende Erweiterungen verfĂŒgbar; man kann mit einer „serienmĂ€ĂŸigen“ UnterstĂŒtzung mit einem der nĂ€chsten Service Packs rechnen.
Windows Server 2003
EnthĂ€lt einen „Production Quality“-Protokollstapel, unterstĂŒtzt DNS-AAAA-Records und IPv6-Routing. Die IPsec-Komponente ist jedoch noch als „fĂŒr den Produktiveinsatz ungeeignet“ markiert, weil sie static keying verwendet und Internet Key Exchange (IKE) nicht unterstĂŒtzt. Außerdem versteht die wininet.dll, auf die sich beispielsweise der Internet Explorer stĂŒtzt, keine literalen IP-Adressen nach RFC 2732. Weiterhin ist der Mobility-Support unvollstĂ€ndig: Die Funktion eines correspondent node ist aktivierbar, mobile node und home agent node werden hingegen nicht angeboten. Jedoch sind auch hier aufgrund des Mobile IPv6 Technology Preview diesbezĂŒgliche Erweiterungen bereitgestellt, und ihre Aufnahme in Windows Server 2003 darf mit einem der nĂ€chsten Service Packs erwartet werden.
Windows Vista
IPv6 wird hier von Anfang an unterstĂŒtzt, da es mit einer „Dual-IP-Layer-Architektur“ arbeitet und somit sowohl IPv4 als auch IPv6 unterstĂŒtzt. Stehen in einem Netzwerk keine IPv6-EintrĂ€ge zur VerfĂŒgung, so greift der PC automatisch auf IPv4 zurĂŒck. Ist Internet Connection Sharing aktiviert, so fungiert Windows Vista auch als IPv6-Router und versendet entsprechende Router Advertisements zur Autokonfiguration von Clients.
Microsoft Windows Server 2008
IPv6 ist standardmĂ€ĂŸig installiert und aktiviert, parallel zu IPv4. Viele Komponenten setzen eine Konfiguration beider Protokolle voraus.


Viele Anwendungen (vor allem aus dem Bereich der Freien Software) sind inzwischen ebenfalls IPv6-fĂ€hig. Im heimatlichen LAN kann so schon relativ problemfrei IPv6 benutzt werden. IPv6-Anbindung wird im Endkundenbereich allerdings fast nur von kleineren Providern angeboten, so dass man im Moment auf Tunneling zurĂŒckgreifen muss. Es existiert eine Reihe von Tunnelprotokollen fĂŒr jeweils unterschiedliche Anwendungsbereiche, darunter die Protokolle 6in4, 6over4, 6to4, Teredo, ISATAP und das NAT-taugliche AYIYA.

Die USA kontrollieren derzeit 74% aller IP-Adressen, wĂ€hrend beispielsweise ganz China – mit 80 Millionen Internet-Benutzern â€“ nur ĂŒber etwa so viele IP-Adressen verfĂŒgt wie ein Campus der University of California.<ref name="Liu">Liu Baijia: China launches new generation Internet (China Daily, 27. Dezember 2004)</ref> In Asien geht der Trend daher inzwischen dahin, bei Neubauten (zum Beispiel dem NTT-Backbone) IPv6 auch zu benutzen.

Von Seiten der Endbenutzer wird IPv6 auch deshalb nicht gefordert, weil außer dem grĂ¶ĂŸeren Adressbereich die wesentlichen neuen Eigenschaften von IPv6 inzwischen mehr oder weniger erfolgreich nach IPv4 zurĂŒckportiert wurden (beispielsweise IPSec, QoS, Multicast. Das Umnummerieren und die Autokonfiguration kann man durch DHCP in etwa erreichen) – es gibt keine weitverbreitete Anwendung, die nur mit IPv6 funktionieren wĂŒrde.

Das Bildungsnetzwerk CERNET2 in China ist derzeit das grĂ¶ĂŸte Netzwerk, das ausschließlich mit IPv6 betrieben wird. Es verbindet 25 UniversitĂ€ten in 20 StĂ€dten.<ref>Ingrid Marson: China launches largest IPv6 network (CNET News.com, 29. Dezember 2004)</ref>

In Deutschland federfĂŒhrend bei den Versuchen zu IPv6 ist das JOIN-Projekt der Uni MĂŒnster. JOIN und der Verein zur Förderung eines Deutschen Forschungsnetzes (DFN) haben mit dem „6WiN“ einen ersten IPv6-Backbone in Deutschland aufgebaut. Das 6WiN ist ein ringförmiger Backbone durch Deutschland mit Querverbindung zwischen Essen und Berlin. Parallel dazu baute die Deutsche Telekom einen eigenen IPv6-Backbone zwischen den Standorten Darmstadt, MĂŒnster und Berlin auf und bot ihren GeschĂ€ftskunden im Rahmen eines Showcase-Projektes Anschluss daran an. Dieses Netz war in MĂŒnster und Berlin mit dem 6Win verbunden. Ebenfalls in MĂŒnster lag der deutsche zentrale Zugang zum experimentellen IPv6-Netzwerk 6Bone, der am 7. Juni 2005 im Rahmen der planmĂ€ĂŸigen sukzessiven Beendigung des weltweiten 6Bone-Betriebs abgeschaltet wurde. Zum 1. Januar 2006 wurde der IPv6-Betrieb im Deutschen Forschungsnetz vom JOIN-Projekt an das DFN-NOC ĂŒbergeben.

In Österreich spielt die UniversitĂ€t Wien, auch als Betreiber des Vienna Internet Exchange (VIX) und mehrerer DNS-Server fĂŒr die Zone "at.", eine entscheidende Rolle bei der IPv6-Migration. Beide Einrichtungen sind ĂŒber IPv6 erreichbar bzw. bieten IPv6-Anbindung an.

Die Adressvergabe fĂŒr IPv6 ist inzwischen vom experimentellen in den Regelbetrieb ĂŒbergegangen<ref>AnkĂŒndigung zur Vergabe von IPv6-Adressen im Regelbetrieb durch die IANA</ref> und immer mehr ISPs betreiben neben IPv4 auch IPv6-Netze, diese aber zumeist noch testweise und entweder ohne entsprechende Produkte, oder ohne VerfĂŒgbarkeitsgarantien fĂŒr ihre Kunden. Die meisten der großen Austauschpunkte fĂŒr Internettraffic erlauben und fördern neben IPv4 auch den Austausch von IPv6 ĂŒber ihre Infrastruktur. Beim DE-CIX nutzten im April 2008 etwa 70 bis 80 von insgesamt 240 Providern IPv6.<ref>APA, AP: Internet-Protokoll IPv6 kommt endlich in Bewegung, derstandard.at, 6. Mai 2008</ref>

IPv5

Ein Protokoll mit dem Namen IPv5 gibt es nicht. Allerdings hat die IANA die IP-Versionsnummer 5 fĂŒr das Internet Stream Protocol Version 2 (ST2, definiert in RFC 1819) reserviert, das gegenĂŒber IPv4 verbesserte EchtzeitfĂ€higkeiten haben sollte, dessen Entwicklung dann aber aus Kosten-Nutzen-ErwĂ€gungen zugunsten von IPv6 und RSVP eingestellt wurde.

Literatur

  • Reiko Kaps: WAN-Auffahrt - Mit dem IPv6-Netz online gehen. C't 6/2008, Heise Verlag
  • Sivia Hagen: IPv6. Grundlagen - FunktionalitĂ€t - Integration. Auflage: 1 (3. Juni 2004), Sunny Connection
  • Herbert Wiese: Das neue Internetprotokoll IPv6. Januar 2002, Hanser Fachbuch
  • Anatol Badach: Technik der IP-Netze. TCP/IP incl. IPv6. Funktionsweise, Protokolle und Dienste. Auflage: 2 (5. September 2007), Hanser Fachbuch
  • Hans P. Dittler: IPv6. Das neue Internet-Protokoll. Technik, Anwendung, Migration.. Auflage: 2 (Januar 2002), Dpunkt Verlag
  • Mathias Hein: IPv6, Das Migrationshandbuch. 2003, Franzis
  • Christian Huitema: IPv6 - die neue Generation. 2000, Addison-Wesley

Siehe auch

Weblinks

  • RFC 2460, „Internet Protocol, Version 6 (IPv6) Specification“, Dezember 1998 (englisch)

Fußnoten

<references />ar:IPv6 bg:IPv6 bs:IPv6 ca:IPv6 cs:IPv6 da:IPv6 en:IPv6 es:IPv6 eu:IPv6 fi:IPv6 fr:IPv6 gl:Protocolo IPv6 he:IPv6 hu:IPv6 id:Alamat IP versi 6 is:IPv6 it:IPv6 ja:IPv6 ko:IPv6 mk:IPv6 nl:Internet Protocol Version 6 nn:IPv6 no:IPv6 pl:IPv6 pt:IPv6 ru:IPv6 sk:IPv6 sl:IPv6 sv:IPv6 tr:IPv6 uk:IPv6 zh:IPv6

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel IPv6 aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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