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gulli:lexikon - Alle Begriffe der Untergrund-SzeneTipp: Benutze die Suche, um weitere Begriffe im gulli:lexikon nachzuschlagen. Vorlage:Netzwerk-TCP-IP-Vermittlungsprotokoll Das Internet Protocol Version 6 (IPv6) (frĂŒher auch IPnG, Internet Protocol Next Generation) ist der Nachfolger des gegenwĂ€rtig im Internet noch ĂŒberwiegend verwendeten Internet Protocols in der Version 4. Beide Protokolle sind Standards fĂŒr die Vermittlungsschicht (Schicht 3) des OSI-Modells und regeln die Adressierung und das Routing von Datenpaketen durch ein Netz. GrĂŒnde fĂŒr ein neues Internet-ProtokollDas alte IPv4 bietet einen Adressraum von etwas ĂŒber vier Milliarden IP-Adressen, mit denen Computer und andere GerĂ€te angesprochen werden können. In den Anfangstagen des Internet, als es nur wenige Rechner gab, die eine IP-Adresse brauchten, galt dies als weit mehr als ausreichend. Kaum jemand konnte sich vorstellen, dass ĂŒberhaupt jemals so viele Rechner zu einem einzigen Netz zusammengeschlossen wĂŒrden und es somit im vorgegebenen Adressraum eng werden könnte. Viele der theoretisch vier Milliarden IP-Adressen jedoch sind in der Praxis nicht nutzbar, da sie Sonderaufgaben dienen (z. B. Multicast) oder zu groĂen Teilnetzen (Subnetzen) gehören: Den ersten Teilnehmern am Internet (UniversitĂ€ten, US-Behörden und groĂe Firmen) wurden riesige Adressbereiche (sogenannte Class-A-Netze) mit je 16,8 Millionen Adressen zugeteilt, ohne dass sie von diesen Organisationen voll ausgenĂŒtzt werden. Bisher wurden nur wenige dieser Adressbereiche wieder zurĂŒck gegeben <ref>Globale IPv4 Adressbereichsverteilung</ref>. Als Resultat herrscht heute Adressenknappheit. Eine SchĂ€tzung<ref>SchĂ€tzung des voraussichtlichen Endes der IPv4 Adressvergabe</ref> welche auch ARIN zur Bewertung ihrer Vergabepolitk heranzieht<ref>ARIN Board Statement on the Future of Addressing Policy</ref>, geht davon aus, dass die IANA im Januar 2011 die letzten IPv4 Netze an die Regional Internet Registries vergeben wird und dass diese dann ca. ein Jahr spĂ€ter der Internetgemeinde keine Adressen mehr bereitstellen werden. Notlösungen wie NAT-Verfahren oder die dynamische Vergabe von Adressen mindern die QualitĂ€t der Anbindung. Auch ist abzusehen, dass in den nĂ€chsten Jahren durch neue technische Entwicklungen (beispielsweise Mobiltelefone, Autos und ElektrogerĂ€te in Privathaushalten mit Internet-Anschluss) der Bedarf an Adressen ansteigen wird. HauptsĂ€chlich wegen der Adressknappheit, aber auch, um einige der Probleme zu lösen, die sich im Zuge der groĂrĂ€umigen Verwendung von IPv4 gezeigt hatten, begannen 1995 die Arbeiten an IPv6. Die folgende Liste gibt einen Ăberblick ĂŒber die wesentlichen neuen Eigenschaften von IPv6:
Adressaufbau von IPv6Eine IPv6-Adresse ist 128 Bit lang (IPv4: 32 Bit). Damit gibt es etwa 3,4 Ă 1038 (340,28 Sextillionen = eine Zahl mit insgesamt 39 Stellen) IPv6-Adressen. IPv4 kann maximal 232 Adressen vergeben, das entspricht einer Zahl mit ânurâ 10 Stellen. Zum Vergleich: FĂŒr jeden Quadratmillimeter ErdoberflĂ€che könnten etwa 667 Billiarden IPv6-Adressen (6,67 Ă 1017) bereitgestellt werden (bei einem angenommenen Erdradius von 6373 km), wĂ€hrend auf einen Quadratkilometer ErdoberflĂ€che gerade mal 8,4 Adressen im IPv4-Format entfallen. IPv6-Adressen sind typischerweise aus zwei logischen Teilen zusammengesetzt; einem 64-bit langem (Sub-)NetzwerkprĂ€fix und einer 64-bit langen Host-Adresse, welche entweder aus der MAC des NIC's erstellt oder einfach sequentiell zugewiesen werden kann. Hat ein NetzwerkgerĂ€t die IPv6-Adresse 2001:0db8:85a3:08d3:1319:8a2e:0370:7344, so stammt es aus dem Subnetz 2001:0db8:85a3:08d3::/64. Analog gehört dieses Subnetz hierarchisch zum Subnetz mit dem kĂŒrzeren PrĂ€fix 2001:0db8:85a3::/48. Da die global eindeutige MAC-Adresse die Nachverfolgung von Benutzern ermöglicht, wurde RFC 3041 entwickelt um die permanente Kopplung zwischen einer BenutzeridentitĂ€t und einer IPv6-Adresse aufzuheben. Damit soll ein Teil der AnonymitĂ€t von IPv4 wiederhergestellt werden. RFC 3041 ermöglicht die Identifikation des NIC's ĂŒber zufĂ€llige Strings statt der MAC. Notation
URL-Notation von IPv6-AdressenIn einer URL wird die IPv6-Adresse in eckigen Klammern eingeschlossen. Beispiel einer korrekten URL: http://[2001:0db8:85a3:08d3:1319:8a2e:0370:7344]/ Diese Notation verhindert die fĂ€lschliche Interpretation von Portnummern als Teil der IPv6-Adresse: http://[2001:0db8:85a3:08d3:1319:8a2e:0370:7344]:8080/ NetzwerkeIPv6-Netzwerke werden in der CIDR-Notation aufgeschrieben. Dazu wird die erste Adresse (bzw. die Netzadresse) und die LĂ€nge (in Bits) des PrĂ€fixes getrennt durch den SchrĂ€gstrich notiert. Als Beispiel steht 2001:0db8:1234::/48 fĂŒr das Netzwerk mit den Adressen 2001:0db8:1234:0000:0000:0000:0000:0000 bis 2001:0db8:1234:ffff:ffff:ffff:ffff:ffff. Die GröĂe eines IPv6-Netzwerkes (oder Subnetzwerkes) im Sinne der Anzahl der vergebbaren Adressen in diesem Netz muss also eine Zweierpotenz sein. Da ein einzelner Host auch als Netzwerk mit einem 128-bit langen PrĂ€fix betrachtet werden kann, werden Host-Adressen manchmal mit einem angehĂ€ngten "/128" geschrieben. Aufteilung des IPv6-AdressraumesEs gibt verschiedene IPv6-Adressen mit Sonderaufgaben und unterschiedlichen Eigenschaften. Diese werden durch die ersten Bits der Adresse, das PrĂ€fix, signalisiert:
Alle anderen Adressen gelten als Global Unicast Adressen. Von diesen sind jedoch bisher nur die folgenden Bereiche zugewiesen:
AutokonfigurationEin IPv6-Stack kann aus der Layer-2-MAC-Adresse einer Schnittstelle eine so genannte link-lokale Adresse errechnen, mit der ein GerĂ€t sich auf die Suche nach den Routern in seinem Netzwerksegment machen kann. Dies geschieht durch eine Anfrage an die Multicast-Adresse ff02::2, ĂŒber die alle Router eines Links erreichbar sind. Ein Router versendet auf diese Anfrage hin unter anderem Informationen ĂŒber den Adressbereich, aus dem ein GerĂ€t sich selbst eine Unicast-Adresse zuweisen darf. Die doppelte Vergabe einer Adresse wird durch einen Vorgang verhindert, der âDuplicate Address Detectionâ (DAD â Erkennung doppelt vergebener Adressen) genannt wird. Die DAD muss von jedem GerĂ€t nach der Wahl einer Adresse durchgefĂŒhrt werden. Ein GerĂ€t darf bei der Autokonfiguration nur unvergebene Adressen auswĂ€hlen. Dieser Vorgang lĂ€uft ohne Benutzereingriff vollautomatisch ab. Die IPv6-Autokonfiguration unterscheidet sich konzeptionell von DHCP beziehungsweise DHCPv6. WĂ€hrend bei der Adressvergabe durch DHCPv6 (definiert in RFC 3315) von âStateful Address Configurationâ gesprochen wird (sinngemĂ€Ă: Adressvergabe, ĂŒber die Buch gefĂŒhrt wird, etwa durch einen DHCP-Server), ist die Autokonfiguration eine âStateless Address (Auto)Configurationâ, da GerĂ€te sich selbst eine Adresse zuweisen und ĂŒber diese Vergabe kein Buch gefĂŒhrt wird. Da die Autokonfiguration keine Informationen ĂŒber Host-, Domainnamen, DNS, NTP-Server etc. berĂŒcksichtigt, kann sie durch den Einsatz eines DHCPv6-Servers ergĂ€nzt werden. Dieser liefert die gewĂŒnschten Zusatzinformationen, kĂŒmmert sich dabei aber nicht um die Adressvergabe. Man spricht in diesem Fall von Stateless DHCPv6 (vgl. RFC 3736). Mechanismen wie Stateless DHCPv6 oder dynamisches DNS (GerĂ€te tragen ihren Namen selbst im DNS ein, nicht zu verwechseln mit DynDNS) können die IPv6-Autokonfiguration sinnvoll ergĂ€nzen. Der EUI-64-Name der MAC-Adresse bildet bei der IPv6-Autokonfiguration in der Regel die letzten 64 Bit der IPv6-Adresse, es sei denn, die âPrivacy Extensionâ (siehe unten) wird verwendet. Wegen einer Verwechslung in RFC 2460 wird der Algorithmus, um EUI-64-Namen aus EUI-48-Namen zu berechnen, fĂ€lschlicherweise auf MAC-48-Namen angewandt<ref>Diskussion ĂŒber EUI-64, EUI-48 und MAC-48</ref>. UmnummerierungUnter IPv4 ist die Umnummerierung (engl. Renumbering; Ănderung des IP-Adressbereichs etwa beim Provider-Wechsel) fĂŒr Netze ab einer gewissen GröĂe ein problematisches Unterfangen, wenn sie manuell durchgefĂŒhrt werden muss. Mechanismen wie DHCP können bei der Umnummerierung helfen, trotzdem ist der Vorgang nicht trivial. Speziell der sukzessive Ăbergang von einem Provider zum nĂ€chsten ohne ein âhartesâ Umschalten zu einem festen Zeitpunkt ist schwierig, da dies nur dann möglich ist, wenn das Netz fĂŒr einen gewissen Zeitraum multihomed ist. Multihoming bedeutet in diesem speziellen Fall (Provider-Wechsel), dass ein Netz gleichzeitig von mehr als einem Provider mit Internet-Anbindung und IP-Adressbereichen versorgt wird. Die Umnummerierung unter IPv4 fĂŒhrt teilweise zur Fragmentierung des Adressraums in der Default Free Zone (DFZ), es werden also vergleichsweise kleine Netze bis in die Routing-Tabellen der DFZ propagiert. FĂŒr die Router resultiert diese VergröĂerung der Routing-Tabellen in Leistungsverlust. Der Vorgang der Umnummerierung wurde beim Design von IPv6 hingegen berĂŒcksichtigt. Mechanismen wie die IPv6-Autokonfiguration helfen bei der Umnummerierung erheblich. Der parallele Betrieb mehrerer IP-Adressbereiche gestaltet sich unter IPv6 ebenfalls unproblematischer als unter IPv4. Der Vorgang der Umnummerierung wird unter anderem im RFC 4076 behandelt, wo die wesentlichen Problematiken dieses Vorgangs beschrieben werden. Das Ziel eines sauber implementierten Renumberings ist unter anderem dem Betreiber eines Enterprise-Netzwerkes die unkomplizierte, kurzfristige und freie Wahl von Providern zu ermöglichen und damit letztendlich den Wettbewerb der Provider untereinander zu steigern. Mobile IPv6Mobile IP wurde als Erweiterung des IPv6-Standards unter dem Namen âMobile IPv6â (RFC 3775) in das IPv6-Protokoll integriert. Hierbei geht es darum, unter der gleichen IP-Adresse ĂŒberall erreichbar zu sein, beispielsweise im heimischen Netzwerk und auf einer Konferenz. Normalerweise mĂŒssten dazu aufwĂ€ndig Routing-Tabellen geĂ€ndert werden. Mobile IPv6 benutzt stattdessen einen Schatten-Rechner (âHome Agentâ, HA), der das MobilgerĂ€t in seinem Heimnetz vertritt. Eingehende Pakete werden durch diesen HA an die momentane Adresse (âCare-of-Addressâ, CoA) des MobilgerĂ€ts getunnelt. Der HA bekommt die aktuelle CoA des MobilgerĂ€tes durch âBinding Updatesâ mit, die das GerĂ€t an den HA sendet, sobald es eine neue Adresse im besuchten Fremdnetz erhalten hat. Unique Local AddressesFĂŒr private Adressen gibt es die Unique Local Addresses (ULA), beschrieben in RFC 4193. Dabei wird zwischen lokal generierten ULA mit dem PrĂ€fix fd und global zugewiesenen eindeutigen ULA mit dem PrĂ€fix fc unterschieden. Auf dieses PrĂ€fix folgen dann 40 Bits, die als eindeutige Site-ID fungieren. Diese Site-ID ist bei den ULA mit dem PrĂ€fix fd zufĂ€llig zu generieren<ref>Dazu siehe auch das Skript auf hznet.de</ref> und somit nur sehr wahrscheinlich eindeutig, bei den global vergebenen ULA jedoch auf jeden Fall eindeutig (RFC 4193 gibt jedoch keine konkrete Implementierung der Zuweisung von global eindeutigen Site-IDs an). Nach der Site-ID folgt eine 16-Bit-Subnet-ID, welche ein Netz innerhalb der Site angibt. Eine Beispiel-ULA wĂ€re fd9e:21a7:a92c:2323::1. Hierbei ist fd der PrĂ€fix fĂŒr lokal generierte ULAs, 9e:21a7:a92c ein einmalig zufĂ€llig erzeugter 40-Bit-Wert und 2323 eine willkĂŒrlich gewĂ€hlte Subnet-ID. Die Verwendung von wahrscheinlich eindeutigen Site-IDs hat den Vorteil, dass zum Beispiel beim Einrichten eines Tunnels zwischen getrennt voneinander konfigurierten Netzwerken Adresskollisionen sehr unwahrscheinlich sind. Weiterhin wird erreicht, dass Pakete, welche an eine nicht erreichbare Site gesendet werden, mit groĂer Wahrscheinlichkeit ins Leere laufen, anstatt an einen lokalen Host gesendet zu werden, der zufĂ€llig die gleiche Adresse hat. Header-Format und EffizienzsteigerungIm Gegensatz zu IPv4 hat der IP-Kopfdatenbereich (Header) bei IPv6 eine feste LĂ€nge von 40 Bytes (320 Bits). Optionale Informationen werden in so genannten Erweiterungs-Kopfdaten (engl.: Extension Headers) zwischen dem IPv6-Kopfdatenbereich und der eigentlichen Nutzlast (engl. Payload) eingebettet. Der Kopfdatenbereich eines IPv6-Paketes setzt sich aus den folgenden Feldern zusammen:Bild:IPv6 header rv1.svg Der Kopfdatenbereich eines IPv6-Paketes
Die Fragmentierung ĂŒberlanger IPv6-Pakete erfolgt nicht mehr durch den Router selbst, der Absender wird stattdessen mit Hilfe von ICMP-Nachrichten aufgefordert, kleinere Pakete zu schicken (siehe in diesem Zusammenhang Maximum Transfer Unit (MTU)). Idealerweise sollte ein IPv6-Host vor dem Versenden einer groĂen Anzahl von IPv6-Paketen eine Path MTU Discovery gemÀà RFC 1981 durchfĂŒhren, um Pakete mit maximal möglicher GröĂe verschicken zu können, was eine Leistungssteigerung bewirkt. Weiterhin werden (im Gegensatz zu IPv4) keine PrĂŒfsummen mehr ĂŒber die IP-Kopfdaten berechnet, es wird nur noch die Fehlerkorrektur in den Schichten 2 und 4 genutzt. Dadurch entfĂ€llt die Fehlerbehandlung in Schicht 3 durch den Router. Die meisten Felder der Kopfdatenbereiche sind auf 64-Bit-Grenzen ausgerichtet, um Speicherzugriffe im Router zu beschleunigen. Das ARP-Protokoll wurde durch das Neighbor Discovery Protocol (NDP) ersetzt, welches auf ICMPv6 basiert. Dieses macht intensiv Gebrauch von Multicast, das von jedem Host beherrscht werden muss. ProblemeGerade zu Anfang litt IPv6 unter einigen Kinderkrankheiten, die dem neuen Protokoll den Ruf einer âTotgeburtâ einbrachten. Die Standards wurden hĂ€ufig geĂ€ndert, was einigen Unmut erzeugte, da die gerade fertig gewordenen Implementierungen erneut angepasst werden mussten. Der gröĂte Einschnitt bestand in der EinfĂŒhrung der IEEE-Norm EUI-64 fĂŒr die linklokalen Adressen. Um die Einzigartigkeit der Adresse im Netzwerk auf einfache Weise zu garantieren, wurde vorher die MAC-Adresse des Adapters unverĂ€ndert in die IPv6-Adresse ĂŒbernommen, nun wurde die MAC-Adresse gemÀà EUI-64 in verĂ€nderter Form in die IPv6-Adresse ĂŒbernommen. Das Ă€nderte jedoch nichts an dem Problem, dass aus der gleichen MAC-Adresse immer die gleiche IPv6-Adresse resultiert. DatenschĂŒtzer waren besorgt, dass auf diese Weise der Datenverkehr ĂŒber eine bestimmte IP-Adresse auf Routern mitgeschnitten werden könnte und beispielsweise fĂŒr MarketingmaĂnahmen oder staatliche Interventionen aller Art verwendet werden könnte. Die IETF definierte deshalb nachtrĂ€glich die Datenschutzerweiterungen (âPrivacy Extensionsâ) gemÀà RFC 4941: Die MAC-Adresse wird dabei zunĂ€chst mit einer pseudozufĂ€lligen Zahl verwĂŒrfelt, und aus dem Ergebnis wird eine temporĂ€re, global-erreichbare Adresse des GerĂ€tes ermittelt. In der Praxis ergab sich mit den linklokalen Adressen das Problem, dass es nicht mehr reicht, die IP-Adresse im Ziel-Feld einzutragen, sondern auch eine Scope-ID angegeben werden muss, da die linklokalen Adressen relativ zum Link sind und fĂŒr sich genommen noch keinen Endpunkt definieren. Deshalb sind die linklokalen Adressen nur beschrĂ€nkt zur Kommunikation tauglich (abhĂ€ngig davon, ob die IPv6-UnterstĂŒtzung der verwendeten Anwendung das Konzept der Scope-ID kennt). IPv6 und DNSWegen der LĂ€nge der IP-Nummern, die man sich nur in den seltensten FĂ€llen merken können wird, ist IPv6 in besonderem MaĂe von einer funktionierenden Nameserver-Infrastruktur abhĂ€ngig. Gerade dieser wichtige Bereich ist jedoch bis heute eine Baustelle. Es ergaben sich im wesentlichen folgende Probleme:
Bei der Autokonfiguration erhĂ€lt ein IPv6-GerĂ€t vollautomatisch eine Adresse und ein Gateway, ĂŒber das es ins Internet kommunizieren kann. Leider fehlte ursprĂŒnglich die Möglichkeit, auch automatisch einen DNS-Server zu suchen, was die Autokonfiguration fast wieder wertlos machte. Dies ist einer der GrĂŒnde, warum DHCP v6 entwickelt wurde, das eigentlich durch IPv6 ĂŒberflĂŒssig gemacht werden sollte. Wer ohne DHCP einen Nameserver finden wollte, musste auf Bastellösungen zurĂŒckgreifen, die meist ganz Ă€hnlich wie die Router-Suche funktionierten. Statt einer Anfrage an die Multicast-Gruppe alle Router wurde dabei eine Anfrage an alle Nameserver abgesetzt. Falls es mehrere DNS-Server im lokalen Netz gibt, sucht sich der Client dann den Server seiner Wahl aus den eintreffenden Antworten heraus. Die Verwendung von Datenschutzerweiterungen ist insofern eine Herausforderung an das DNS, als sich IP-Adressen dabei hĂ€ufig und unvermittelt Ă€ndern. Wenn ein Client auf Erreichbarkeit unter einem DNS-Namen angewiesen ist, benötigt er ein zuverlĂ€ssiges und sicheres Verfahren, um dem DNS-Server eine AdressĂ€nderung mitteilen zu können. Auf diesem Gebiet ist bis heute (2005) noch viel Bewegung zu verzeichnen und es hat sich noch kein verwendbarer Standard herauskristallisiert. Lange Zeit bestand auch auf der grundlegendsten Ebene des DNS, den Records auf den Nameservern, Verwirrung. 1995 wurden in RFC 1886 zunĂ€chst der Record-Typ AAAA fĂŒr die Forward-Auflösung von DNS-Namen in IPv6-Adressen definiert, der funktional Ă€quivalent zum A-Record fĂŒr IPv4 ist. Im Jahr 2000 wurde AAAA in RFC 2874 durch den Record-Typ A6 abgelöst, der vor allem das Umnummerieren vereinfachen sollte, indem die IP-Adresse stĂŒckweise auf das DNS abgebildet wurde, jedoch nie frei von technischen Problemen war. 2003 wurde das Verfahren A6 daher in RFC 3596 wieder nach âexperimentellâ zurĂŒckgestuft, und AAAA wurde der neue, alte Standard. Noch mehr Schwierigkeiten bereitete die RĂŒckwĂ€rtsauflösung (âReverseâ-Auflösung) von IPv6-Adressen, da es durch das Hin und Her bei den Standards PTR-Records in zwei verschiedenen Zonen gibt, unterhalb von ip6.arpa und ip6.int. Aufgrund der traditionellen Nutzung der TLD .arpa fĂŒr die RĂŒckwĂ€rtsauflösung bei IPv4 hat sich die erstere Variante gegen ip6.int durchgesetzt, woraufhin die Delegierung von ip6.int im Juni 2006 gelöscht wurde. Die Umsetzung von IPv6 in der PraxisIPv6 setzt sich im praktischen Einsatz nur langsam durch. Das IPv6 Forum<ref>Website des IPv6 Forum</ref> wurde im Juli 1999 gegrĂŒndet. Das IPv6 Forum Projekt IPv6-Ready<ref>Website IPv6ready</ref> vergibt das IPv6 Logo in drei verschiedenen Stufen, die die Implementierung des Protokolls messen. Die Webseite listet dazu auch alle IPv6-fĂ€higen Betriebssysteme auf. Das Deutsche IPv6 Council<ref>Website des Deutschen IPv6 Council</ref> wurde im Dezember 2007 gegrĂŒndet. Mit der BetriebssystemunterstĂŒtzung sieht es im Moment folgendermaĂen aus:
Die USA kontrollieren derzeit 74% aller IP-Adressen, wĂ€hrend beispielsweise ganz China â mit 80 Millionen Internet-Benutzern â nur ĂŒber etwa so viele IP-Adressen verfĂŒgt wie ein Campus der University of California.<ref name="Liu">Liu Baijia: China launches new generation Internet (China Daily, 27. Dezember 2004)</ref> In Asien geht der Trend daher inzwischen dahin, bei Neubauten (zum Beispiel dem NTT-Backbone) IPv6 auch zu benutzen. Von Seiten der Endbenutzer wird IPv6 auch deshalb nicht gefordert, weil auĂer dem gröĂeren Adressbereich die wesentlichen neuen Eigenschaften von IPv6 inzwischen mehr oder weniger erfolgreich nach IPv4 zurĂŒckportiert wurden (beispielsweise IPSec, QoS, Multicast. Das Umnummerieren und die Autokonfiguration kann man durch DHCP in etwa erreichen) â es gibt keine weitverbreitete Anwendung, die nur mit IPv6 funktionieren wĂŒrde. Das Bildungsnetzwerk CERNET2 in China ist derzeit das gröĂte Netzwerk, das ausschlieĂlich mit IPv6 betrieben wird. Es verbindet 25 UniversitĂ€ten in 20 StĂ€dten.<ref>Ingrid Marson: China launches largest IPv6 network (CNET News.com, 29. Dezember 2004)</ref> In Deutschland federfĂŒhrend bei den Versuchen zu IPv6 ist das JOIN-Projekt der Uni MĂŒnster. JOIN und der Verein zur Förderung eines Deutschen Forschungsnetzes (DFN) haben mit dem â6WiNâ einen ersten IPv6-Backbone in Deutschland aufgebaut. Das 6WiN ist ein ringförmiger Backbone durch Deutschland mit Querverbindung zwischen Essen und Berlin. Parallel dazu baute die Deutsche Telekom einen eigenen IPv6-Backbone zwischen den Standorten Darmstadt, MĂŒnster und Berlin auf und bot ihren GeschĂ€ftskunden im Rahmen eines Showcase-Projektes Anschluss daran an. Dieses Netz war in MĂŒnster und Berlin mit dem 6Win verbunden. Ebenfalls in MĂŒnster lag der deutsche zentrale Zugang zum experimentellen IPv6-Netzwerk 6Bone, der am 7. Juni 2005 im Rahmen der planmĂ€Ăigen sukzessiven Beendigung des weltweiten 6Bone-Betriebs abgeschaltet wurde. Zum 1. Januar 2006 wurde der IPv6-Betrieb im Deutschen Forschungsnetz vom JOIN-Projekt an das DFN-NOC ĂŒbergeben. In Ăsterreich spielt die UniversitĂ€t Wien, auch als Betreiber des Vienna Internet Exchange (VIX) und mehrerer DNS-Server fĂŒr die Zone "at.", eine entscheidende Rolle bei der IPv6-Migration. Beide Einrichtungen sind ĂŒber IPv6 erreichbar bzw. bieten IPv6-Anbindung an. Die Adressvergabe fĂŒr IPv6 ist inzwischen vom experimentellen in den Regelbetrieb ĂŒbergegangen<ref>AnkĂŒndigung zur Vergabe von IPv6-Adressen im Regelbetrieb durch die IANA</ref> und immer mehr ISPs betreiben neben IPv4 auch IPv6-Netze, diese aber zumeist noch testweise und entweder ohne entsprechende Produkte, oder ohne VerfĂŒgbarkeitsgarantien fĂŒr ihre Kunden. Die meisten der groĂen Austauschpunkte fĂŒr Internettraffic erlauben und fördern neben IPv4 auch den Austausch von IPv6 ĂŒber ihre Infrastruktur. Beim DE-CIX nutzten im April 2008 etwa 70 bis 80 von insgesamt 240 Providern IPv6.<ref>APA, AP: Internet-Protokoll IPv6 kommt endlich in Bewegung, derstandard.at, 6. Mai 2008</ref> IPv5Ein Protokoll mit dem Namen IPv5 gibt es nicht. Allerdings hat die IANA die IP-Versionsnummer 5 fĂŒr das Internet Stream Protocol Version 2 (ST2, definiert in RFC 1819) reserviert, das gegenĂŒber IPv4 verbesserte EchtzeitfĂ€higkeiten haben sollte, dessen Entwicklung dann aber aus Kosten-Nutzen-ErwĂ€gungen zugunsten von IPv6 und RSVP eingestellt wurde. Literatur
Siehe auchWeblinks
FuĂnoten<references />ar:IPv6 bg:IPv6 bs:IPv6 ca:IPv6 cs:IPv6 da:IPv6 en:IPv6 es:IPv6 eu:IPv6 fi:IPv6 fr:IPv6 gl:Protocolo IPv6 he:IPv6 hu:IPv6 id:Alamat IP versi 6 is:IPv6 it:IPv6 ja:IPv6 ko:IPv6 mk:IPv6 nl:Internet Protocol Version 6 nn:IPv6 no:IPv6 pl:IPv6 pt:IPv6 ru:IPv6 sk:IPv6 sl:IPv6 sv:IPv6 tr:IPv6 uk:IPv6 zh:IPv6 Dieser Artikel basiert auf dem Artikel IPv6 aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. |
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