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gulli:lexikon » Kupferstich
gulli:lexikon - Alle Begriffe der Untergrund-SzeneTipp: Benutze die Suche, um weitere Begriffe im gulli:lexikon nachzuschlagen. Bild:FeuerwehrNuernberg1661.jpg Kupferstich, 1661; Die Feuerwehr von Nürnberg mit einer Feuerspritze Der Kupferstich gehört zu den grafischen Tiefdruckverfahren. Beim Kupferstich wird das zu druckende Bild mit einem Grabstichel spanabhebend in eine Kupferplatte „gegraben“. Die dabei entstandenen Linien nehmen die Farbe auf.
Geschichte des KupferstichsBild:Albrecht von Haller icones anatomicae head.jpg Anatomische Illustration von C.J. Rollinus in Albrecht von Hallers Werk Icones anatomicae von 1756 Der Französische Begriff Gravure enthüllt die Herkunft des Kupferstichs. Ursprünglich wurden im Waffen- und Silberschmiedehandwerk Verzierungen damit übertragen und archiviert, da man erkannte, dass man ein spiegelverkehrtes Abbild der Gravur bekam, indem man Farbe in die Vertiefungen rieb und mit einem angefeuchteten Papier wieder aus den Vertiefungen zog. Auf diese Weise konnte man das Muster auch auf andere Objekte übertragen. Die ersten Kupferstecher waren daher auch nahezu ausnahmslos Goldschmiede. Die Kupferstichtechnik wurde wahrscheinlich um 1430 im oberdeutschen Raum erstmalig angewendet. Anders als der Holzschnitt entwickelte sich der Kupferstich unabhängig vom Buch, da sich sein Tiefdruckverfahren zu dieser Zeit nur schwer mit dem Hochdruck der Buchstaben verbinden ließ. Stattdessen wurden die ersten Kupferstiche für Wallfahrtsdevotionalien und als Muster für Entwurfsmodelle für Spielkarten, Zierbuchstaben u. ä. verwendet. Die meisten frühen Kupferstiche sind Kopien anderer Kunstwerke, wie etwa Gemälde und Skulpturen. Die kunsthistorische Bedeutsamkeit des Kupferstichs ist deshalb auch darin zu sehen, dass mit dieser relativ preisgünstigen Reproduktionstechnik Bildideen und Bildmotive rasch im europäischen Raum Verbreitung fanden. Im Laufe des 15. Jahrhunderts entdeckten Maler die Technik des Kupferstichs aber auch zunehmend als eigenständiges Ausdrucksmittel. Der erste bedeutende Kupferstecher war Martin Schongauer, der einen so herausragendenen Ruf hatte, dass der junge Albrecht Dürer bei ihm in die Lehre gehen wollte und der junge Michelangelo nach seinen Werken kopierend zeichnete. Wie beim Holzschnitt auch war es Dürer, der die Kunst des Kupferstichs revolutionierte und perfektionierte und Meisterwerke wie „Ritter, Tod und Teufel“ und „Melencolia I“ schuf. Auch in vielen naturwissenschaftlichen Darstellungen, beispielsweise in der Anatomie, wurden Illustrationen mit der Technik des Kupferstichs ausgeführt. Ein bekannter Illustrator ist dabei Gerard de Lairesse. Im 16. Jahrhundert rationalisierten geschäftstüchtige Verleger den Kunstbetrieb. Es entstand eine Produktionsweise im großen Maßstab, in der Zeichner, Stecher und Verleger eng zusammenwirkten und Blätter unterschiedlicher Genre für verschiedene Kaufinteressenten verbreiteten. Zu den bekanntesten Kupferstechern des 17. Jahrhunderts gehören Matthäus Merian und Wenzel Hollar. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts fertigte der Zeichner Friedrich Bernhard Werner für einen Augsburger Kunstverleger mit viel Erfolg Ansichten zahlreicher europäischer Städte, die als Kupferstiche in Produktion gingen. Erst die Weiterentwicklung des Holzschnitts zum Holzstich durch Thomas Bewick gegen Ende des 18. Jahrhunderts löste den Kupferstich als vorrangige Reproduktionstechnik ab, da der Holzstich die wirtschaftlichere Technik war. 1711/12 gelangte die Technik des Kupferstichs auch nach China, als der Franziskaner und Missionar Matteo Ripa vom chinesischen Kaiser Kangxi (1662-1722) beauftragt wurde, u.a. die kaiserliche Sommerresidenz Jehol, 250 km nördlich von Peking gelegen, in Kupferstichen abzubilden. Die Kupferstiche dieser Gartenanlage, die Matteo Ripa bei seiner Rückkehr am 11. September 1724 nach London mitbrachte, beeinflussten die Umgestaltung des englischen Landschaftsgartens. Die Technik des KupferstichsBild:Herstellung-eines-Kupferstichs.png Darstellung der Kupferstichtechnik in der „Encyclopédie“, um 1760 Die Oberfläche einer 1 bis 3 Millimeter starken Kupferplatte wird vor der Gravur sorgfältig geschliffen und glatt poliert. Auf diese vorbereitete Fläche wird die seitenverkehrte Zeichnung übertragen und mit einem Grabstichel Linie für Linie in das Metall eingeschnitten. Im Gegensatz zur Radierung wird das Werkzeug (der Stichel = altdeutsch für Stahl) vom Körper weg geschoben und das Material aus der Platte geschnitten. So entstehen beiderseits der Linie keine Grate wie bei der Kaltnadeltechnik. Die Abdrucke wirken daher „kälter“, technischer und nicht so malerisch wie eine Kaltnadelradierung. Da größere Flächen nicht aus der Metallplatte herausgestochen werden können – wie etwa beim Holzschnitt –, müssen zahlreiche, dicht beisammenstehende Linien eine flächenähnliche Wirkung erzielen. Während der harte Kontrast zwischen Hell und Dunkel ein typisches Merkmal des Holzschnitts ist, erlaubt der Kupferstich durch die Feinheit und schraffierende Überlagerung der Striche, durch die fließende Übergänge möglich sind, eine differenzierte und "körperhafte" Wiedergabe des Dargestellten. Damit ist ein Detailreichtum möglich, der – verglichen mit dem Holzschnitt – eine größere Formenvielfalt erlaubt. Die Technik ist sehr arbeitsaufwendig. Für das berühmte Blatt „Ritter, Tod und Teufel“ benötigte Albrecht Dürer mehr als ein Vierteljahr. Die erwärmte Platte wird eingefärbt, wobei durch die Erwärmung die Druckerschwärze bis in die feinsten Linien dringt, und anschließend wieder gesäubert, so dass nur noch in den Linien Farbe zurückbleibt. Schließlich erfolgt der Druck mit einer Walzenpresse, in der das angefeuchtete Papier die Farbe aus den Vertiefungen aufnimmt. Zur Unterscheidung der unterschiedlichen Techniken von Radierung und Kupferstich siehe Radierung. Erkennungsmerkmale eines KupferstichsNeben den allgemeinen Erkennungsmerkmalen des Tiefdrucks weist der Kupferstich folgende Merkmale auf:
Kupferstich in der KunstBild:Melencolia I.jpg Dürer: Melencolia I Die Blütezeit erlebte der Kupferstich im Barock. Peter Paul Rubens beschäftigte eine große Anzahl Kupferstecher, die Kopien seiner Gemälde anfertigten. Diese wurden zu Katalogen gebunden und in ganz Europa vertrieben, um für seine Werkstatt zu werben. Der Kupferstich wurde jedoch bald als Mittel der Gemäldereproduktion abgelöst, weil durch die Erfindung der Aquatinta und Schabkunst Techniken zur Verfügung standen, mit denen Grauabstufungen und sogar Farbdrucke möglich wurden. Bekannte Kupferstecher waren auch Heinrich Aldegrever, Jost Amman, Gian Giacomo Caraglio, Johann Heinrich Löffler, Israhel van Meckenem, Marcantonio Raimondi, Jacob von Sandrart, Christoph Weigel der Ältere. Weitere bedeutende Kupferstecher finden sich in der Kategorie:Kupferstecher Kupferstich in der SpracheAus diesem Metier stammt auch die Redewendung „Mein lieber Freund und Kupferstecher“. Diese wurde geprägt von dem Dichter Friedrich Rückert (1788-1866), der dies als Anrede in den Briefen an seinen Freund Carl Barth benutzte, der von Beruf Kupferstecher war. Des Weiteren bezeichnet der Begriff abkupfern die Herstellung einer billigen Kopie oder eines Plagiates. Siehe auchLiteratur
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