Marktfundamentalismus

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Marktfundamentalismus ist ein Neologismus, der abwertend wirtschaftsliberale Positionen bezeichnet. Insbesondere wird er als politisches Schlagwort von Globalisierungs- und Kapitalismuskritikern synonym zum Begriff „Neoliberalismus“ verwendet.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Verwendung

Der Begriff wurde durch George Soros popularisiert, wurde aber schon vorher auch in sozialwissenschaftlichen Zusammenhängen verwendet. [1] Soros charakterisiert Marktfundamentalisten wie folgt: „Marktfundamentalisten glauben, dass Märkte ein Gleichgewicht anstreben und dass dem Allgemeinwohl am besten gedient ist, wenn man den Teilnehmern erlaubt, ihre Eigeninteressen zu verfolgen.“ [2] Zur Bedeutung in der globalisierten Ökonomie schreibt Soros: „Der Marktfundamentalismus ist inzwischen so mächtig, dass alle politischen Kräfte, die sich ihm zu widersetzen wagen, kurzerhand als sentimental, unlogisch oder naiv gebrandmarkt werden.“[3]

Der ehemalige Weltbankvorsitzende Joseph Stiglitz vertrat in seiner Nobelpreisrede die Ansicht, dass der Washingtoner Konsens auf „marktfundamentalistischen Grundsätzen“ basiere und informationstheoretische Aspekte vernachlässige.[4]

Die Sozialwissenschaftler Margaret Somers und Fred Block sind der Ansicht, dass die Überzeugungen einer Überlegenheit marktwirtschaftlicher Prinzipien häufig auf einer „quasi-religiösen“ Gewissheit beruhten. [5] Typischerweise würden selbst-regulierte Märkte als naturgemäß, staatliche Eingriffe dagegen als kulturell bedingte Willkür dargestellt. Für die meisten der wissenschaftlichen Vertreter des ökonomischen Mainstreams soll die Bezeichnung nicht einschlägig sein, da diese differenziertere Argumente für die Geltung marktwirtschaftlicher Prinzipien hervorbringen.[6]

Dagegen verwenden Globalisierungskritiker wie zum Beispiel attac den Begriff Marktfundamentalismus im Zusammenhang mit dem Begriff Neoliberalismus und bezeichnen damit z. B. die Politik der G8, des IWF oder der Weltbank. [7]

Der Ökonom Andreas Renner bemerkt, dass Kritiker eine "bewusste Politik der Marktliberalisierung" als »marktfundamental« bezeichnen. [8]

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • George Soros, Die Krise des globalen Kapitalismus (The crisis of Global Capitalism), Alexander Fest Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-8286-0097-2
  • Joseph E. Stiglitz, Schatten der Globalisierung: Nobelpreis für Wirtschaft, Siedler, Berlin 2002
  • Joseph E. Stiglitz, Chancen der Globalisierung, Siedler, Berlin 2006
  • Pax Christi – Kommission Weltwirtschaft (Hrsg., Peter Schönhöffer u. A.), Der Gott Kapital. Anstöße zu einer Religions- und Kulturkritik. LIT-Verlag, Münster 2006 ISBN 3-8258-9316-2
  • Franz Josef Radermacher, Ökosoziale Grundlagen für Nachhaltigkeitspfade – Warum der Marktfundamentalismus die Welt arm macht GAIA 13, Nr. 3, 170-175, 2004.
  • Lee Boldeman, The cult of the market: economic fundamentalism and its discontents, AU E Press, Canberra 2007 [1]

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Jonathan Benthall: Inside Information on ‚the Market’, Anthropology Today, Bd. 7, Nr. 4 (Aug., 1991), S. 1-2.
  2. George Soros: Soros sieht schlimmste Krise seit 60 Jahren Welt Online 25.Januar.2008
  3. George Soros, Die Krise des globalen Kapitalismus (The crisis of Global Capitalism), Alexander Fest Verlag, Berlin 1998.
  4. Joseph E. Stiglitz: Information and Change in the Paradigm in Economics, American Economic Review, Bd. 92, Nr. 3 (Jun., 2002), S. 460, 461.
  5. Margaret R. Somers und Fred Block: From Poverty to Perversity: Ideas, Markets, and Institutions over 200 Years of Welfare Debate, American Sociological Review, 2005 Bd. 70, Nr. 2, (Apr., 2005), S. 260 f.
  6. Margaret R. Somers und Fred Block: From Poverty to Perversity: Ideas, Markets, and Institutions over 200 Years of Welfare Debate, American Sociological Review, 2005 Bd. 70, Nr. 2, (Apr., 2005), S. 261.
  7. Burak Copur, Mitglied des Attac-Rates:IWF und Weltbank - Dem Marktfundamentalismus der G7/8 verfallen im Mai 2003
  8. Andreas Renner: Die zwei Neoliberalismen S.7
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