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Die Niederlande (NiederlĂ€ndisch: Nederland, Friesisch: NederlĂąn) sind eine parlamentarische Monarchie und Teil des Königreichs der Niederlande. Das im nördlichen Westeuropa liegende Land wird durch die Nordsee im Norden und Westen, Belgien im SĂŒden und Deutschland im Osten begrenzt. Zusammen mit Belgien und Luxemburg bilden die Niederlande die Beneluxstaaten.
Land und EinwohnerLandesnameDer offizielle und auch in der Umgangssprache ĂŒbliche niederlĂ€ndische Name des Landes lautet Nederland (Singular, deutsch wörtlich âNiederlandâ), wĂ€hrend im Standarddeutschen der Landesname Niederlande (Plural) heiĂt und umgangssprachlich zumeist als Holland benannt wird. Der Name Holland bezieht sich eigentlich nur auf den nordwestlichen Teil des Landes, auf die frĂŒhere Provinz Holland als bedeutendste Provinz der Republik der Vereinigten Niederlande. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist diese Provinz aufgeteilt in die zwei Provinzen Nordholland (Hauptstadt Haarlem) und SĂŒdholland (Hauptstadt Den Haag). Im NiederlĂ€ndischen verwendet man den Ausdruck Holland in erster Linie fĂŒr diese zwei Provinzen. Ansonsten ist Holland eher eine ironische Selbstbezeichnung. Auch beim FuĂball lautet die Selbstbezeichnung Holland, zum Beispiel im Schlachtenruf Hup, Holland, hup!. AuĂerhalb der Niederlande werden die NiederlĂ€nder zumeist als âHollĂ€nderâ bezeichnet und auch die niederlĂ€ndische Tourismusindustrie und sonstige Wirtschaft vermarkten das Land durchweg als Holland (sowohl im Englischen als auch im Standarddeutschen). NiederlĂ€nder, die nicht aus der Region Holland stammen, hegen meist eine gewisse Abneigung gegenĂŒber der Bezeichnung Holland fĂŒr die Niederlande bzw. HollĂ€nder fĂŒr den NiederlĂ€nder, da die tonangebende Region Holland in den ĂŒbrigen niederlĂ€ndischen Landesteilen bei vielen Nicht-HollĂ€ndern unbeliebt ist. Der Landesname âNiederlandeâ (im Plural) ergibt sich aus der Geschichte. Die Niederlande waren lange Zeit ein Teil des Herrschaftsgebietes des FĂŒrstenhauses Habsburg, das sowohl am Ober- als auch am Niederrhein Herrschaftsgebiete besaĂ. Erstere nannten sie âdie oberen Rheinlandeâ (Sundgau, Breisgau, Vorderösterreich), letztere âdie niederen Rheinlandeâ (Holland, Flandern, Seeland usw.). Im Laufe der Zeit entfiel die Flussbezeichnung, insbesondere auch deshalb, weil die Habsburger ihre oberrheinischen Gebiete verloren und so blieb lediglich die Bezeichnung âNiederlandeâ, wĂ€hrend es seitdem sprachlich keine Oberlande (mehr) gibt. Im NiederlĂ€ndischen sagt man zu den historischen Regionen auch de Lage Landen, also die tief oder niedrig liegenden LĂ€nder, da es in den Niederlanden kein Gebirge und nur wenige Erhöhungen gibt. Die nordniederlĂ€ndischen Provinzen der Utrechter Union (Holland, Zeeland, Utrecht, Gelderland, Overijssel, Groningen und Friesland) erklĂ€rten sich am 26. Juli 1581 unabhĂ€ngig vom Landesherren Philipp II. von Spanien. In den VertrĂ€gen des WestfĂ€lischen Friedens 1648 wurde die UnabhĂ€ngigkeit vom âDeutschen Reichâ (HRRDN) anerkannt. Das war in etwa das Gebiet der spĂ€teren Niederlande. Der sĂŒdliche Teil des Gebietes, inklusive Flandern, verblieb hingegen beim Reich; spĂ€ter entstand daraus der Staat Belgien. Man sprach dann von den nördlichen und den sĂŒdlichen Niederlanden. Der Wiener Kongress vereinigte Norden und SĂŒden als unabhĂ€ngigen Staat Koninkrijk der Nederlanden noch einmal fĂŒr kurze Zeit. Jedoch schon 1830 erklĂ€rten sich die sĂŒdlichen Niederlande unter der Bezeichnung Belgien fĂŒr unabhĂ€ngig. (Belgica ist der Name einer alten römischen Provinz, und in der Renaissance wurde der Ausdruck als lateinischer Name der Niederlande verwendet, auch fĂŒr den Norden.) Die englische Bezeichnung âDutchâ ist aus mittelniederlĂ€ndischen Formen wie duutsc entstanden. Die mittelniederlĂ€ndischen Formen duutsc und dietsc bezeichneten die im Volk gesprochenen westgermanischen Mundarten und dienten der Abgrenzung dieser Mundarten gegenĂŒber dem Lateinischen - der Sprache von Verwaltung, Wissenschaft und Kirche. Die Formen Dutch und duutsc entsprechen dem standarddeutschen Wort deutsch, siehe auch Deutsch (Etymologie) und NiederlĂ€ndisch (Name). Batavia ist ein frĂŒherer lat. Name fĂŒr die heutigen Niederlande. Die NiederlĂ€nder nannten die heutige Hauptstadt Indonesiens, Djakarta, wĂ€hrend ihrer Kolonialzeit zuerst ebenfalls Batavia. GeographieUngefĂ€hr die HĂ€lfte des Landes liegt weniger als einen Meter ĂŒber, rund ein Viertel des Landes unterhalb des Meeresspiegels (gemessen bei Amsterdam). Die flachen Gebiete werden in der Regel durch Deiche vor Sturmfluten geschĂŒtzt, die insgesamt eine LĂ€nge von ca. 3.000 km haben. Der höchste Punkt des Festlandes, der Vaalserberg im Ă€uĂersten SĂŒden im DreilĂ€ndereck zu Deutschland und Belgien, befindet sich 322,50 m ĂŒber dem Amsterdamer Pegel. Der höchste Berg des Königreichs ist mit 877 m der Mount Scenery auf der karibischen Insel Saba, der kleinsten bewohnten Insel der NiederlĂ€ndischen Antillen. Teile der Niederlande, wie z. B. fast die gesamte Provinz Flevoland, wurden durch Landgewinnung dem Meer abgewonnen. Sie werden als Polder (seltener auch als Koog) bezeichnet. UngefĂ€hr ein FĂŒnftel der LandesflĂ€che ist mit Wasser bedeckt, wovon das IJsselmeer den gröĂten Teil ausmacht, eine ehemalige Nordsee-Bucht namens Zuiderzee, die 1932 durch einen 29 km langen Abschlussdeich eingepoldert wurde. Die wichtigsten FlĂŒsse der Niederlanden (de grote rivieren - die groĂen FlĂŒsse) sind Rhein, Maas und Schelde und finden sich wieder im mehr oder weniger zusammenhĂ€ngenden Rhein-Maas-Delta, der gröĂten und zentralen Landschaft des Staates. Der Rheinstrom verzweigt sich erstmals in unmittelbarer NĂ€he der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Der Name âRheinâ geht im Delta bemerkenswerterweise auf weniger wichtige Deltaarme ĂŒber. Der Hauptstrom des Rheinsystems heiĂt im Delta anfangs Waal, spĂ€ter Merwede, dann Noord, schlieĂlich Neue Maas (!). Weitere groĂe Deltaströme sind Nederrijn, Lek und Issel. Die Maas mĂŒndete frĂŒher bei Gorinchem in die Waal, seit 1904 ist sie jedoch aufgrund kĂŒnstlicher Verlegung der MaasmĂŒndung mit dem Rheinsystem eigentlich nicht mehr verbunden und flieĂt ĂŒber Bergse Maas und Amer in die ehemalige Meeresbucht Hollands Diep (âHollĂ€ndische Tiefeâ). Von der Schelde liegt lediglich ihr MĂŒndungsbereich nördlich des belgischen Antwerpens in den Niederlanden. Die Hauptwindrichtung ist SĂŒdwest, daraus resultiert ein gemĂ€Ăigtes maritimes Klima mit kĂŒhlen Sommern und milden Wintern. Besonders im Westen des Landes, an der NordseekĂŒste, ist das Klima stĂ€rker atlantisch geprĂ€gt (milde Winter, kĂŒhle Sommer). Nach Osten hin nimmt der atlantische Einfluss leicht ab, sodass man in der NĂ€he der deutschen Grenze schon eher von subatlantischem Klima sprechen kann mit etwas kĂ€lteren Wintern (mild bis mĂ€Ăig-kalt) und leicht wĂ€rmeren Sommern.
BevölkerungDie Niederlande gehören mit etwa 484 Einwohnern pro Quadratkilometer LandflĂ€che zu den am dichtesten besiedelten Staaten der Welt (zum Vergleich: Monaco 16.923, Nordrhein-Westfalen 530, Bundesrepublik Deutschland 231, Namibia 2,4) <ref>Der Fischer Weltalmanach 2006. Zahlen, Daten, Fakten. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-72006-0; S. 334,117,126,321,325</ref>. Im Juni 2006 hatten die Niederlande 16.336.000 Einwohner, davon wohnte ungefĂ€hr die HĂ€lfte in der Randstad, dem dicht besiedelten Westen des Landes. Die Amtssprache im gesamten Staat ist die NiederlĂ€ndische Sprache (StandardniederlĂ€ndisch), die aus niederdeutschen Mundarten in den Niederlanden (niederlĂ€ndische Dialekte) entstanden ist. In der Provinz Friesland ist zusĂ€tzlich das eng verwandte Friesisch Verwaltungssprache. <ref>Das Grundgesetz des Königreichs der Niederlanden bestimmt keine Amtssprachen. Bis 1992 war auch in anderen Gesetzen keine Amtssprache festgelegt. Seitdem bestimmt die âAlgemene wet bestuursrechtâ (Allgemeines Verwaltungsrechtgesetz) in Artikel 2:6: âBestuursorganen en onder hun verantwoordelijkheid werkzame personen gebruiken de Nederlandse taal, tenzij bij wettelijk voorschrift anders is bepaaldâ (Verwaltungsorgane und unter ihrer Verantwortung tĂ€tige Personen benutzen die niederlĂ€ndische Sprache, es sei denn, eine gesetzliche Vorschrift bestimmt dies anders). Dieses Gesetz ordnet auch den amtlichen Gebrauch der friesischen Sprache innerhalb der Provinz Friesland an.</ref> In der sĂŒdwestlichen HĂ€lfte des Landes werden niederfrĂ€nkische Mundarten gesprochen. Die Ortsdialekte des SĂŒdostens gehören zum Ripuarischen und im Nordosten zum NiedersĂ€chsischen. NiederfrĂ€nkische, ripuarische und niedersĂ€chsische Mundarten werden im Dialektkontinuum staatsĂŒbergreifend auch in Deutschland gesprochen, niederfrĂ€nkische und ripuarische Dialekte auch in Belgien. In den ĂŒberseeischen Reichsteilen (in der Karibik) ist NiederlĂ€ndisch Amtssprache, neben entweder Papiamento oder Englisch. Eine Tochtersprache des NiederlĂ€ndischen ist Afrikaans in SĂŒdafrika. Die NiederlĂ€nder sind statistisch das lĂ€ngste Volk der Welt, mit im Durchschnitt 1,83 m (MĂ€nner) und 1,72 m (Frauen). In den Niederlanden leben zwischen 5.000 und 10.000 Sinti und Roma.<ref>Landelijke Sinti/Roma Organisatie, darin insbesondere:Sinti and Roma in the Netherlands</ref> sowie ca. 30.000 sogenannte woonwagenbewoners. Sie werden abschĂ€tzig auch kampers genannt, bevorzugen selbst die Bezeichnung reizigers. Sie leben ortsfest auf StandplĂ€tzen in stationĂ€ren Caravans. Viele ĂŒben ambulante ErwerbstĂ€tigkeiten aus. Ganz ĂŒberwiegend gehen sie auf verarmte niederlĂ€ndische Bauern, Landarbeiter und Torfstecher des 18. und 19. Jahrhunderts zurĂŒck. Ihre Zahl ist seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Zusammenhang von Arbeitsmigration und Wohnkosten durch Zuzug aus der Mehrheitsbevölkerung erheblich angewachsen. Die gruppeninterne Sprache Bargoens ist eine niederlĂ€ndisch basierte Sondersprache, deutschem Rotwelsch bzw. Jenisch vergleichbar.<ref>Annemarie Cottaar, The Making of a Minority: the Case of Dutch Travellers, S. 114-132, in: Leo Lucassen/Wim Willems/Annemarie Cottaar, Gypsies and Other Intinerant Groups. A Socio-Historical Approach, New York 1998; dies., Dutch Travellers: Dwellings, Origins and Occupations, in: ebenda, S. 174-189</ref>. In die Niederlande sind Menschen aus der ganzen Welt eingewandert. Die weitaus meisten stammen aus den NachbarlĂ€ndern Deutschland, Belgien und England, viele aber auch aus den ehemaligen Kronkolonien Indonesien, Surinam und in der Karibik sowie aus Marokko und der TĂŒrkei. Die niederlĂ€ndische Bevölkerung nach nichtniederlĂ€ndischer Herkunft (2007) <ref>Als zu einer auslĂ€ndischen Herkunftsgruppe wird jeder gezĂ€hlt, der selbst oder von dem mindestens ein Elternteil nicht in den Niederlanden geboren ist. Quelle: Zentralamt fĂŒr Statistik, 2007.</ref>:
ReligionBild:Religie in Nederland 2006.png (laut Geloven in het publieke domeinWRR )</br> ââ Römisch-Katholisch - 27,0% ââ Protestanten - 16,6% ââ Muslime - 5,7% ââ Hindus- 1,3% ââ Buddhisten - 1,0% ââ Konfessionslose- 48,4% Den Mitgliederzahlen (siehe Geloven in het publieke domein WRR <ref>Laut Ăbersichten, Zahlen und Fakten aus Geloven in het publieke domein, Wetenschappelijke Raad voor het Regeringsbeleid (WRR), Den Haag/Amsterdam, 2006 ISBN 9053569367</ref>) der Kirchen zufolge ist die wichtigste Religion das Christentum: mit Katholizismus (27,0 %) und Protestantismus (16,6 %). Insgesamt sind etwa 44 % der NiederlĂ€nder Mitglied einer christlichen Kirche. Etwa 5,7 % der Bevölkerung gehört dem Islam an, ca. 1,3 % sind Hindus und ebenfalls ca. 1 % sind Buddhisten. 48,4 % oder etwa die HĂ€lfte der NiederlĂ€nder fĂŒhlen sich keiner Religionsgemeinschaft zugehörig (Stand: 31. Dezember 2005). Im Jahr 2006 haben die zwei gröĂten Kirchen (wie auch in Deutschland) wieder Mitglieder verloren und haben laut letzten eigenen Angaben (KASKI Daten) die folgenden Mitgliederzahlen:
Andere christliche Kirchen sind deutlich kleiner. Sie haben jeweils weniger Mitglieder als ein Prozent der Gesamtbevölkerung. Zu diesen gehören verschiedene reformierte Freikirchen als auch Baptisten und Mennoniten (Taufgesinnte). In der Reformationszeit waren die Niederlande eines der Zentren der TĂ€uferbewegung (siehe Menno Simons). Andere religiöse Minderheiten sind Moslems, Juden, Hindus (vor allem aus Suriname) und Buddhisten. Bild:Nederlandgodsdienst1849-de.PNG ReligionsverhĂ€ltnisse in den Niederlanden, 1849 Laut NiederlĂ€ndischem Zentralamt fĂŒr Statistik ist die Anzahl der Katholiken und Protestanten, die auf einer Umfrage (etwas weniger als 10.000 Personen) basiert, jeweils höher:
Der Norden und der Westen des Landes sind traditionell protestantisch, wĂ€hrend im SĂŒden und Osten die Katholiken die Bevölkerungsmehrheit stellen. In der Mitte des Landes gibt es einen sogenannten Bijbelbelt (âBibelgĂŒrtelâ) mit erhöhtem Anteil strenger Calvinisten. Noch immer stellen Katholiken die Mehrheit der Bevölkerung in den Gebieten sĂŒdlich dieses BibelgĂŒrtels dar (> 75 % in Limburg). Nördlich und westlich dieses BibelgĂŒrtels sind die Konfessionslosen deutlich in der Mehrheit. Eine Kirchensteuer wird in den Niederlanden nicht erhoben. VerkehrswesenBild:1283-Amsterdam(centraal station).jpg Centraal Station, Amsterdam Die Niederlande besitzen ein dichtes Schienen- und StraĂennetz. Alle StraĂenbahnen in den Niederlanden, etwa in Den Haag oder Rotterdam verwenden die Normalspur. StĂ€dtische Busse dĂŒrfen offiziell den Gleiskörper mit straĂenĂ€hnlichem Belag mitbenutzen, um nicht im Verkehr steckenzubleiben. Die NiederlĂ€nder benutzen meistens die BrĂŒcken vom Typ HollĂ€nderbrĂŒcke mit ihrem hoch aufgehĂ€ngtem Gegengewicht. Aber auch einige SchubbrĂŒcken, DrehbrĂŒcken und HebebrĂŒcken sind noch aktiv und bei Kanal- und Gracht-Querungen im Einsatz. In den Niederlanden ist das Fahrrad (fiets) weit verbreitet. Den Radlern stehen oft eigene Verkehrsstreifen oder ein gesondertes Radwegenetz zur VerfĂŒgung. Geschichte
MittelalterNach der Aufteilung des Frankenreiches gehörten die niederen Lande zum ostfrĂ€nkischen Königreich (Regnum Teutonicae) und danach zum Heiligen Römischen Reich. Unter Kaiser Karl V., der zugleich spanischer König war, war das Land in siebzehn Provinzen aufgeteilt und umfasste auch Belgien (mit Ausnahme des FĂŒrstbistums LĂŒttich) und Teile Nordfrankreichs und Westdeutschlands. Am 15./16. Juli 1572 kamen ReprĂ€sentanten der meisten StĂ€dte der Grafschaft Holland in Dordrecht (im GebĂ€ude âHet Hofâ) zusammen und beschlossen ihre UnabhĂ€ngigkeit von Spanien. Sie machten Wilhelm von Oranien zu ihrem FĂŒhrer. Neueren historischen Forschungen zufolge gilt diese Dordrechter StĂ€ndeversammlung als eine wesentliche Keimzelle von verfassungstextlich und politisch wirksamen Grundrechten in der Neuzeit. Nach der Utrechter Union vom 23. Januar 1579, der endgĂŒltigen UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung vom 26. Juli 1581 und dem AchtzigjĂ€hrigen Krieg gegen die spanischen Habsburger wurde die formelle UnabhĂ€ngigkeit von Spanien im Frieden von MĂŒnster als Teil des WestfĂ€lischen Friedens am 15. Mai 1648 besiegelt, der, gleichzeitig mit der Schweiz, zur Trennung vom mittelalterlichen Deutschen Reich fĂŒhrte. Dieses Datum gilt als Geburtstag der heutigen Niederlande. Republik der Sieben Vereinigten NiederlandeIn der Folge wuchsen die Niederlande bzw. die so genannten niederen deutschen Lande (âde nederen duitse landenâ) als Republik der Vereinigten Niederlande, zu einer der gröĂten See- und WirtschaftsmĂ€chte des 17. Jahrhunderts. WĂ€hrend dieser Zeit wurden Kolonien und Handelsposten auf der ganzen Welt errichtet. Bekannt ist die GrĂŒndung von Neu Amsterdam (Nieuw Amsterdam), welches spĂ€ter in New York umbenannt wurde. In Asien schufen die NiederlĂ€nder ihr Kolonialreich NiederlĂ€ndisch-Indien ('Nederlands-IndiĂ«'), das heutige Indonesien, welches im Dezember 1949 unabhĂ€ngig wurde. Auch im nordöstlichen SĂŒdamerika (Suriname) und der Karibik entstanden die niederlĂ€ndischen Kolonien Aruba, Bonaire, Curaçao, Saba, Sint Eustatius und Sint Maarten; diese Inseln, Aruba und die NiederlĂ€ndischen Antillen (die fĂŒnf ĂŒbrigen Inseln), sind heute autonomer Teil der niederlĂ€ndischen Monarchie (Königreich). Deswegen besteht das Königreich der Niederlande (âKoninkrijk der Nederlandenâ) offiziell aus drei Teilen: der Niederlande, Aruba und den NiederlĂ€ndischen Antillen. Napoleonische Zeit und 19. Jahrhundert1795 wurde mit französischer UnterstĂŒtzung die Batavische Republik gegrĂŒndet (benannt nach dem germanischen Stamm der Bataver, der das Gebiet zwischen Rhein und Maas zuerst besiedelt hatte; 1806 machte der französische Kaiser Napoleon I. daraus das Königreich Holland. König wurde Louis-NapolĂ©on Bonaparte, ein Bruder des Kaisers. Kaiser NapolĂ©on war nicht zufrieden darĂŒber, wie sein Bruder das neue Königreich verwaltete. Im Juli 1810 löste er deshalb das Königreich Holland auf. Die Niederlande wurden Frankreich einverleibt. Die Niederlande erlangten ihre UnabhĂ€ngigkeit zurĂŒck im Jahre 1813. Wilhelm I. aus dem Haus Oranien-Nassau wurde souverĂ€ner FĂŒrst der Niederlande; 1815 wurde er König. Der Wiener Kongress fĂŒgte 1815 die sĂŒdlichen Niederlande, das heutige Belgien, an das Königreich hinzu. Man beabsichtigte damit, dass Frankreich in Zukunft im Norden von einem starken Staat begrenzt werde. Die damals verabschiedete Verfassung der Niederlande gilt heute noch, wenn auch mit zahlreichen Ănderungen. Die wichtigste, von 1848, fĂŒhrte die Ministerverantwortlichkeit ein und ebnete damit den Weg zum parlamentarischen System. Der Wiener Kongress erhob auĂerdem das Herzogtum Luxemburg zum GroĂherzogtum Luxemburg und sprach Luxemburg Wilhelm I. persönlich zu, als EntschĂ€digung fĂŒr den Verlust seiner Gebiete in Deutschland (Nassau-Dillenburg, Siegen, Hadamar und Diez). Die sĂŒdlichen Niederlande erlangten nach der belgischen Revolution von 1830 ihre UnabhĂ€ngigkeit, die allerdings erst 1839 von Wilhelm I. anerkannt wurde. Der niederlĂ€ndische König war seit 1815 auch GroĂherzog von Luxemburg, wo die Lex Salica kein weibliches Staatsoberhaupt zulieĂ. Als Wilhelm III. bei seinem Tod 1890 nur eine Tochter (Königin Wilhelmina) hinterlieĂ - seine Söhne waren verstorben - ging der Luxemburger Thron auf eine andere Erbfolgelinie im Haus Nassau ĂŒber und Wilhelms Vetter Adolf von Nassau ĂŒbernahm dort die Regierung. 20. JahrhundertDie Niederlande blieben im Ersten Weltkrieg offiziell neutral und konnten sich auch aus dem Krieg heraushalten. Sie hielten ihre Truppen aber dennoch bis zum Kriegsende mobilisiert und hatten ĂŒberdies mit einer groĂen FlĂŒchtlingswelle aus dem von Deutschland besetzten Belgien zu tun. Nach dem Ersten Weltkrieg gewĂ€hrten die Niederlande dem bisherigen Deutschen Kaiser Wilhelm II. Exil. Auch im Zweiten Weltkrieg versuchte die niederlĂ€ndische Regierung zunĂ€chst, sich neutral zu verhalten. Hitler jedoch befahl die Okkupation der Niederlande, um so Frankreich unter Umgehung der âMaginot-Linieâ von Norden her einnehmen zu können. Nach dreitĂ€gigem Kampf zwangen die deutschen Truppen am Abend des 14. Mai 1940 die Niederlande zur Aufgabe. Ausschlaggebend war hierfĂŒr das Bombardement von Rotterdam, welches zunĂ€chst noch verhindert werden sollte, da aber die Flugzeuge nicht mehr rechtzeitig zurĂŒckgerufen werden konnten, fand das Bombardement doch statt, wurde aber dann abgebrochen. Die königliche Familie war zu diesem Zeitpunkt schon nach England geflohen. Das Land wurde von da an von der Wehrmacht besetzt gehalten. Die Nationaal-Socialistische Beweging (NSB) unter Anton Adriaan Mussert arbeitete mit den deutschen Besatzungstruppen zusammen, erlangte aber keinen relevanten Einfluss in der Bevölkerung oder im Besatzungsapparat. Jedoch stellten die Niederlande mit 60.000 Freiwilligen ein bedeutendes Kontingent an auslĂ€ndischen Freiwilligen in der Waffen-SS. Nach der Invasion kam es zur Judenverfolgung durch die deutschen Besatzer. Der Februarstreik 1941 gegen die Deportationen wurde blutig niedergeschlagen. Von den zu Beginn des Krieges 160.000 jĂŒdischen NiederlĂ€ndern und 20.000 jĂŒdischen FlĂŒchtlingen lebten am Ende des Krieges nur noch etwa 30.000. Symbol fĂŒr die Judenverfolgung ist der Fall der Anne Frank. Der Deportation in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau fielen auch Roma und Sinti (âManoesjeâ) aus den Niederlanden zum Opfer. Am 11. Januar 1942 begann die japanische Invasion von NiederlĂ€ndisch-Indien. Die NiederlĂ€nder kapitulierten am 1. MĂ€rz 1942. Der sĂŒdliche Teil der Niederlande wurde in der zweiten HĂ€lfte des Jahres 1944 von den vorrĂŒckenden Alliierten befreit; der Norden des Landes erst durch das Kriegsende. Sofort nach der japanischen Kapitulation riefen die indonesischen Nationalisten am 17. August 1945 die UnabhĂ€ngigkeit aus. Erst nach militĂ€rischen Auseinandersetzungen, âPolizeiaktionenâ genannt, wurde Indonesien am 27. Dezember 1949 formal in die UnabhĂ€ngigkeit entlassen. Bei den Niederlanden verblieb bis 1962 der Westteil der Insel Neu-Guinea. Von 1949 bis 1963 waren westdeutsche Gemeinden aus dem Landkreis Geilenkirchen-Heinsberg (Selfkant) und die Gemeinde Elten (bei Emmerich) unter niederlĂ€ndische Verwaltung gestellt. Bestrebungen der NiederlĂ€ndischen Regierung, Teile Niedersachsens sowie des westlichen MĂŒnster- und Rheinlandes an die Niederlande anzugliedern (Bakker-Schut-Plan), hatten sich nicht durchsetzen können. 1952 grĂŒndeten die Niederlande mit Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien und Luxemburg die EuropĂ€ische Gemeinschaft fĂŒr Kohle und Stahl (und damit die spĂ€tere EuropĂ€ische Union). Sie waren ebenfalls MitbegrĂŒnder der NATO. Im Februar 1953 verheerte eine Sturmflut den SĂŒdwesten der Niederlande und forderte 1853 Tote. Die Niederlande waren GrĂŒndungsmitglied der Benelux-Wirtschaftsunion (seit 1944 geplant, am 3. Februar 1958 festgelegt und am 1. November 1960 in Kraft getreten). 1980 folgte Königin Beatrix Königin Juliana nach, die im Alter von 71 Jahren abdankte. Die Morde am Politiker Pim Fortuyn am 6. Mai 2002 und an dem Filmregisseur Theo van Gogh am 2. November 2004 erschĂŒtterten die niederlĂ€ndische Ăffentlichkeit und fĂŒhrten zu heftigen Debatten ĂŒber das SelbstverstĂ€ndnis der niederlĂ€ndischen Gesellschaft. Nach dem Mord an Theo van Gogh kam es in den Niederlanden auch zu BrandanschlĂ€gen auf islamische und christliche Einrichtungen. Die NiederlĂ€nder wiesen am 1. Juni 2005 mit einer groĂen Mehrheit von 61,6 % den Vertrag ĂŒber eine Verfassung fĂŒr Europa zurĂŒck. StaatPolitik
Die Niederlande sind eine parlamentarische Monarchie. Das Staatsoberhaupt ist der Verfassung zufolge die Königin, zur Zeit Königin Beatrix. Sie ernennt offiziell den MinisterprĂ€sidenten und die Minister, zusammen formen sie die Regierung. Das Parlament, die Generalstaaten (Staten-Generaal), besteht aus zwei Kammern. Die erste wird von Abgesandten der Provinzparlamente gebildet, die zweite wird nach Listen von den niederlĂ€ndischen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern gewĂ€hlt. Damit ist die Zweite Kammer (Tweede Kamer) die wichtigere; sie entspricht dem deutschen Bundestag bzw. dem Nationalrat in Ăsterreich und der Schweiz. Formell hat das Parlament nicht ĂŒber die Zusammensetzung der Regierung zu bestimmen, tatsĂ€chlich aber ernennt die Königin die Minister nach Konsultierung der Fraktionen. In der Zweiten Kammer mit 150 Sitzen sind seit 2006 zehn Parteien vertreten. Bislang waren aber nur relativ wenige Parteien in der Regierung vertreten. Von den groĂen drei Parteien, christdemokratische CDA, sozialdemokratische PvdA und rechtsliberale VVD, sind meist zwei in der Regierung, manchmal zusammen mit einer kleinen dritten Partei. Im linkspolitischen Spektrum wird in jĂŒngerer Zeit die SP stĂ€rker, im rechtspolitischen hat die Partij voor de Vrijheid (PVV) das WĂ€hlerpotential des 2002 ermordeten Pim Fortuyn aufgefangen. Polizei
Das Land ist seit 1994 in 25 Polizeiregionen (politieregio's) eingeteilt, die je ĂŒber ein Regionalkorps (regiokorps) verfĂŒgen. Daneben gibt es ein Landespolizeikorps (Korps Landelijke Politie Diensten - KLPD), bei der diverse Stellen angesiedelt sind wie Wasserschutz-, Bahn- und Autobahn<b/>polizei, Interpol-VerbindungsbĂŒro, berittene Polizei und ein Sicherheitsdienst fĂŒr Regierungs<b/>einrichtungen und Botschaften. In den Niederlanden sind etwa 55.000 zivile Polizeibeamte im Dienst. Die niederlĂ€ndische Gendarmerie namens Koninklijke Marechaussee mit ungefĂ€hr 6.800 Mitarbeitern gehört organisatorisch als eigene Teilstreitkraft zu den NiederlĂ€ndischen StreitkrĂ€ften. Sie hat Aufgaben wie den Grenzschutz, die Bewachung der FlughĂ€fen und den Personenschutz fĂŒr die Königsfamilie. MilitĂ€r
Die allgemeine Wehrpflicht wurde 1996 auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Die Niederlande verfĂŒgen damit ĂŒber eine Berufsarmee. Die StreitkrĂ€fte umfassen insgesamt 53.130 Personen, davon entfallen auf das Heer 23.150, auf die Luftwaffe 11.050 und auf die Marine 12.130 Soldaten. Daneben existiert noch die Koninklijke Marechaussee, seit 1998 als eigenstĂ€ndiger Teil der StreitkrĂ€fte. Die MilitĂ€rausgaben betragen 1,6 % des BIP (zum Vergleich: Deutschland: 1,5 %, USA: 3,4 %). Das niederlĂ€ndische Heer (Koninklijke Landmacht) ist durch das 1. Deutsch-NiederlĂ€ndische Korps eng mit der Deutschen Bundeswehr verzahnt. Provinzen und GemeindenBild:Nederlandse Provincies Duits.png Provinzen der Niederlande nach 1986
Die Niederlande sind ein dezentralisierter Einheitsstaat. Unterhalb der nationalen Ebene gibt es seit dem 1. Januar 1986 zwölf Provinzen (niederlĂ€ndisch provincies). 1579 gab es zunĂ€chst sieben Provinzen. SpĂ€ter kamen die so genannten GeneralitĂ€tslande (niederlĂ€ndisch Generaliteitslanden) als Provinzen Nord-Brabant und Limburg hinzu. Drenthe wurde ebenfalls eine eigene Provinz, und die dominierende Provinz Holland wurde 1840 in Nord-Holland und SĂŒd-Holland aufgespalten. Erst 1986 wurde Flevoland als jĂŒngste Provinz gegrĂŒndet. Man teilt die Provinzen oft in vier Gruppen zusammen: Utrecht, Nord- und SĂŒdholland im Westen, Zeeland, Brabant und Limburg im SĂŒden, Flevoland, Gelderland und Overijssel im Osten sowie Drenthe, Groningen und Friesland im Norden. Es wird darĂŒber diskutiert, beispielsweise Rotterdam als stadsprovincie auszugliedern oder die drei Nordprovinzen zusammenzulegen. Das Recht dazu hĂ€tte der niederlĂ€ndische Innenminister. Allgemein aber sind die Provinzen sehr alt und traditionsreich, so dass mit einer voreiligen Ănderung nicht zu rechnen ist. Die Provinzen wiederum gliedern sich in 443 Gemeinden (gemeenten) (Stand: 1. Januar 2007). Die Stadt Amsterdam beispielsweise ist eine Gemeinde mit vierzehn Stadtteilen, ebenso ist Oude Ijsselstreek eine Gemeinde, die eine Stadt sowie mehrere Dörfer und Ortschaften beinhaltet. Eine Einteilung in Kreise und kreisfreie StĂ€dte gibt es nicht. Die 443 Gemeinden gehören jeweils einer der zwölf Provinzen an sowie einer der 25 Polizeiregionen. Ferner gibt es noch die waterschappen, die sich mit Deichschutz und Wasserwirtschaft beschĂ€ftigen. So genannte plusregio's sind eine Zusammenarbeitsform, die manchmal eine Gruppe von Gemeinden fĂŒr sich gewĂ€hlt hat. Beispiele sind das Stadsgewest Haaglanden, die Stadsregio Arnhem-Nijmegen und die Parkstad Limburg. 2006 gab es acht solcher plusregio's. Die Provinzen haben jeweils ein Parlament (Provinciale Staten) und eine Regierung (College van Gedeputeerde Staten). Das College besteht aus dem Beauftragten der Königin (Commissaris van de Koningin)und gewĂ€hlten Vertretern des Parlamentes der Provinz. Ăhnlich gibt es in den Gemeinden einen Gemeinderat und einen Gemeindevorstand (College van Burgemeester en Wethouders). Der Gemeindevorstand besteht aus dem BĂŒrgermeister und gewĂ€hlten Vertretern des Gemeinderates. Die Beauftragten der Königin und die BĂŒrgermeister werden mit Königlichem Beschluss von der Regierung ernannt, im Allgemeinen auf Vorschlag der Staten bzw. des Gemeinderates. Bei den Provinzen und groĂen StĂ€dten wird die politische Machtverteilung im nationalen Parlament berĂŒcksichtigt. Viele BĂŒrgermeister machen eine Karriere im BĂŒrgermeisterberuf, in der sie nacheinander in unterschiedlichen Gemeinden Dienst tun (fĂŒr eine jeweils sechsjĂ€hrige Periode, die aber verlĂ€ngert werden kann). Ein BĂŒrgermeister ist also nicht der gewĂ€hlte Vertreter des Gemeinderates oder der lokalen Bevölkerung. Seit Jahren gibt es Initiativen, etwa durch Referenden die Einwohner der Gemeinde an der Auswahl des BĂŒrgermeisters zu beteiligen. Bei den bisher veranstalteten Referenden hatten die Einwohner jedoch nur die Wahl zwischen zwei Kandidaten, die derselben Partei angehörten. Wirtschaft
AllgemeinesDie Niederlande haben ein gut funktionierendes, eher liberales Wirtschaftssystem. Seit den 1980er Jahren, so wird allgemein behauptet, habe die Regierung ihre ökonomischen Eingriffe weitgehend zurĂŒckgenommen. TatsĂ€chlich aber erfolgte im Land eine staatlich verordnete LohnmĂ€Ăigung. Die Arbeitslosenquote ist relativ niedrig, allerdings gibt es ĂŒber die ArbeitsunfĂ€higenversicherung eine bedeutende versteckte Arbeitslosigkeit. Bild:ECT waalhaven bij nacht.jpg Rotterdamer Hafen Beim produzierenden Gewerbe dominieren Lebensmittel- und chemische Industrie, Erdölraffinerien und die Herstellung von ElektrogerĂ€ten. Lange vor seinen europĂ€ischen Nachbarn sorgte das Land fĂŒr einen ausgewogenen Staatshaushalt und bekĂ€mpfte erfolgreich die Stagnation im Arbeitsmarkt. Die hoch technologisierte Landwirtschaft ist auĂerordentlich produktiv: neben Getreide-, GemĂŒse-, FrĂŒchte- und Schnittblumenanbau - die TulpenzĂŒchtung beeinflusste sogar die Geschichte des Landes - gibt es noch Milchviehhaltung in groĂem MaĂstab. Letztere liefert die Grundlage fĂŒr KĂ€se als wichtiges Exportprodukt. Die niederlĂ€ndische Landwirtschaft beschĂ€ftigt knapp unter 4 % der Arbeitnehmer, trĂ€gt jedoch erheblich zum Export bei. Die Niederlande sind nach den USA und Frankreich der weltweit drittgröĂte Exporteur landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Als MitbegrĂŒnder der Euro-Zone wurde in den Niederlanden fĂŒr BankgeschĂ€fte am 1. Januar 1999 die vorherige WĂ€hrung, der Gulden, durch den Euro ergĂ€nzt. Drei Jahre spĂ€ter, am 1. Januar 2002, ersetzten die EuromĂŒnzen und -banknoten fĂŒr die Konsumenten den Gulden als Zahlungsmittel. Auf der nationalen RĂŒckseite der MĂŒnzen ist ausnahmslos die Königin abgebildet. Im Vergleich mit dem Bruttoinlandsprodukt der EuropĂ€ischen Union ausgedrĂŒckt in Kaufkraftstandards erreichen die Niederlande einen Index von 126 (EU-25:100) (2005).<ref>http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=STAT/06/166&format=HTML&aged=0&language=EN&guiLanguage=en Eurostat News Release</ref> Die Niederlande haben mit Deutschland ein Doppelbesteuerungsabkommen. NaturressourcenDie Niederlande verfĂŒgen ĂŒber Erdgaslager, aus denen nahe Groningen sowie in der sĂŒdlichen Nordsee in groĂem MaĂstab gefördert wird. 1996 wurden 75,8 Mrd. mÂł (nach BP) gefördert. Damit stehen die Niederlande im LĂ€ndervergleich bei der Erdgasförderung auf Platz fĂŒnf, nach Russland (561,1 Mrd. mÂł), USA (546,9 Mrd. mÂł), Kanada (153,0 Mrd. mÂł) und GroĂbritannien (84,6 Mrd. mÂł). Weiterhin gibt es an der emslĂ€ndischen Grenze kleinere Erdölreserven und gröĂere SalzlagerstĂ€tten bei Delfzijl und Hengelo. Abgesehen von Torf (u. a. im Bourtanger Moor) verfĂŒgen die Niederlande ĂŒber keine weiteren nennenswerten BodenschĂ€tze. StaatsausgabenZwischen 1992 und 2005 lag der Anteil der Staatsausgaben fĂŒr
KulturBild:Queen's day 2004 Queen greeting.jpg Königin Beatrix am Koninginnedag FeiertageIn den Niederlanden gibt es keinen eigentlichen Nationalfeiertag, dafĂŒr den Königinnentag. Im Vergleich zu allen anderen europĂ€ischen LĂ€ndern ist der 1. Mai kein Feiertag, und das Ende des Zweiten Weltkriegs wird am 5. Mai (nicht am 8. Mai) begangen, da die deutschen StreitkrĂ€fte in den Niederlanden gesondert kapituliert haben.
Bild:Vincent Willem van Gogh 128.jpg Van Gogh âSonnenblumenâ Malerei und KunstViele weltberĂŒhmte Maler waren NiederlĂ€nder. Einer der bekanntesten frĂŒhen KĂŒnstler war Hieronymus Bosch. Die BlĂŒtezeit der Republik im 17. Jahrhundert, das so genannte Goldene Zeitalter brachte groĂe KĂŒnstler wie Rembrandt van Rijn, Jan Vermeer, Frans Hals, Carel Fabritius, Gerard Dou, Paulus Potter, Jacob Izaaksoon van Ruisdael oder Jan Steen hervor. BerĂŒhmte Maler spĂ€terer Epochen waren Vincent van Gogh und Piet Mondrian. M. C. Escher und Otto Heinrich Treumann waren bekannte Grafiker. Bild:Amsterdam Rijksmuseum.jpg Rijksmuseum, Amsterdam. Eines der renommiertesten Kunstmuseen der Welt ArchitekturNiederlĂ€ndische Architekten gaben wichtige Impulse fĂŒr die Architektur des 20. Jahrhunderts. Hervorzuheben sind vor allem Hendrik Petrus Berlage und die Architekten der De-Stijl-Gruppe (Robert van't Hoff, Jacobus Johannes Pieter Oud, Gerrit Rietveld). Johannes Duiker war ein Vertreter des Neuen Bauens. Die so genannte Amsterdamer Schule (Michel de Klerk) leistete einen bemerkenswerten Beitrag zur expressionistischen Architektur. Bild:Kinderdijk holland.jpg die weltberĂŒhmten MĂŒhlen von Kinderdijk Auch nach dem Zweiten Weltkrieg traten innovative niederlĂ€ndische Architekten hervor. Aldo van Eyck und Herman Hertzberger prĂ€gten die Architekturströmung Strukturalismus. Piet Blom wurde durch seine eigenwilligen BaumhĂ€user bekannt. Unter den Gegenwartsarchitekten zĂ€hlt Rem Koolhaas mit seinem BĂŒro Office for Metropolitain Architecture zu den einflussreichsten Vertretern einer zeitgenössischen, auf urbanistischen Erfahrungen beruhenden Architekturrichtung (zeitweise zum Dekonstruktivismus zugeordnet), die weitere weltweit bekannte BĂŒros wie MVRDV, Mecanoo, Erick van Egeraat, Neutelings-Riedijk beeinflussten (groĂenteils SchĂŒler bzw. ehem. Mitarbeiter bei OMA). NiederlĂ€ndische Architektur hat seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts und immer noch fortdauernd einen erheblichen Einfluss auf die weltweite Architekturentwicklung genommen. Wissenschaft und TechnologieAus den Niederlanden stammten Erasmus von Rotterdam, Baruch Spinoza, Christiaan Huygens und Antoni van Leeuwenhoek. RenĂ© Descartes verbrachte den GroĂteil seiner Schaffenszeit in den Niederlanden. Ăberhaupt fanden seit der frĂŒhen Neuzeit zahlreiche verfolgte Wissenschaftler in den Niederlanden Asyl und Wirkungsmöglichkeiten. Bild:Delft stadhuis.jpg die UniversitĂ€tsstadt Delft Die moderne Soziologie verdankt ihrem niederlĂ€ndischen BegrĂŒnder S. Rudolf Steinmetz bedeutende Anregungen. FĂŒr die Medizin der frĂŒhen Neuzeit war die Stadt Leiden ein relevantes Zentrum, von dem wichtige Impulse ausgingen. In Noordwijk ist die EuropĂ€ische Weltraumorganisation angesiedelt. Literatur
Im âGoldenen Zeitalterâ (De Gouden Eeuw) der Niederlande blĂŒhte neben der Malerei auch die Literatur, als bekannteste Vertreter wĂ€ren Joost van den Vondel und Pieter Corneliszoon Hooft zu nennen. WĂ€hrend der deutschen Besatzung (1940â1945) verfasste Anne Frank in Amsterdam ihr weltbekanntes Tagebuch. Als die drei wichtigsten Autoren der 2. HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts gelten Harry Mulisch (âDie Entdeckung des Himmelsâ, auch verfilmt), W. F. Hermans und Gerard Reve. Zu den auch in Deutschland etwas bekannteren gehören ferner Cees Nooteboom, Jan Wolkers und Hella Haasse. MusikEine hervorragende Strömung der Renaissance war die NiederlĂ€nder Schule, die jedoch wesentlich von Flamen, Hennegauern und Franzosen getragen wurde. Das niederlĂ€ndische Musikleben war im Bereich der klassischen Musik lange Zeit nicht auf dem Niveau anderer europĂ€ischer Staaten organisiert. Erst Ende des 19. Jahrhunderts fand eine Professionalisierung statt und es bildeten sich zahlreiche Orchester und Kammerensembles. Wichtige niederlĂ€ndische Komponisten um 1800 waren beispielsweise der gebĂŒrtige Deutsche Johann Wilhelm Wilms sowie Carolus Antonius Fodor, die sich beide an der Wiener Klassik orientierten. Im 19. Jahrhundert dominierten lange Zeit von der deutschen Romantik beeinflusste Strömungen das Musikleben, u.a. reprĂ€sentiert durch Richard Hol. Bernard Zweers versuchte als erster eine spezifisch niederlĂ€ndische Nationalmusik zu entwickeln. Ihm folgten Julius Röntgen und Alphons Diepenbrock, mit denen die niederlĂ€ndische Musik den Anschluss an die internationale Musikentwicklung fand. Wichtige Komponisten im 20. Jahrhundert sind Willem Pijper, Mathijs Vermeulen, Louis Andriessen, Otto Ketting, Ton de Leeuw, Theo Loevendie, Misha Mengelberg, Tristan Keuris und Klaas de Vries (Liste niederlĂ€ndischer Komponisten klassischer Musik). Die wohl bekannteste niederlĂ€ndische Rockband Golden Earring hatte in den 1970er Jahren ihren gröĂten Hit mit âRadar Loveâ. Ebenfalls weltbekannt war in den 1970er Jahren die Classic Rock Band Ekseption um Rick van der Linden sowie Shocking Blue mit ihrem Hit âVenusâ. International bekannte niederlĂ€ndische Musiker sind zum Beispiel Herman van Veen, Nits, Candy Dulfer, Anouk Teeuwe, Tiesto oder die Gruppen Within Temptation und The Gathering (Band). Der bekannte Pianist Bob Versteegh, der heute in Detmold, Deutschland arbeitet, stammt ursprĂŒnglich aus Arnheim. Das jĂ€hrlich veranstaltete North Sea Jazz Festival in Den Haag gehört zu den wichtigsten Jazz-Ereignissen weltweit. Seit einigen Jahren ist nederlandstalige muziek, Musik in der Landessprache, sehr erfolgreich. Die berĂŒhmtesten Pop/Rockbands sind BlĂžf, die meistgespielte Band im niederlĂ€ndischen Radio der vergangenen Jahre, und Acda en de Munnik, ein Duo, das mit Kleinkunstprogrammen bekannt geworden ist. Noch höhere Plattenverkaufszahlen erzielen SchlagerkĂŒnstler, wie Marco Borsato, Jan Smit und Frans Bauer. Bekannte niederlĂ€ndische Rapper sind Ali B und Lange Frans & Baas B. Seit den Neunzigern ist eine neue Musikrichtung in den Niederlanden entstanden, die sich in ganz Europa und Amerika immer gröĂerer Beliebtheit erfreut. Hardcore Techno oder Gabber entstand in Rotterdam, Trance wanderte von Deutschland in die Niederlande und hat dort seine weltweit gröĂte PopularitĂ€t. Bekannte Vertreter sind Angerfist, Neophyte oder DJ Buzz Fuzz. Seit ein paar Jahren sind auch die erweiterten Musikrichtungen Jumpstyle, Hardstyle und Speedcore sehr beliebt. Zeitungen und politische Magazine
Die ĂŒberregionalen Tageszeitungen genieĂen einen erheblich höheren Stellenwert als in den meisten anderen europĂ€ischen Staaten, die bedeutendsten Traditionszeitungen sind De Telegraaf, AD, de Volkskrant, NRC Handelsblad und Trouw. Eine historisch wichtige ĂŒberregionale Tageszeitung war Het Parool, die spĂ€ter zu einer Amsterdamer Stadtzeitung umkonzipiert wurde. 1999 erschienen mit metro und Sp!ts die ersten Gratiszeitungen in den Niederlanden, mittlerweile sind DAG und De Pers hinzugekommen. Diese und das Internet haben den TraditionsblĂ€ttern zum Teil erhebliche Marktanteile abgenommen. Mit De Groene Amsterdammer, Elsevier, HP / De Tijd, Opinio, Vrij Nederland erscheinen fĂŒnf politische Wochenzeitschriften.
FernsehenWie in vielen europĂ€ischen LĂ€ndern, unterscheidet man auch in den Niederlanden die Fernsehlandschaft in öffentlich-rechtliche und private Fernsehsender. Zu den öffentlich-rechtlichen Sendern gehören Nederland 1, Nederland 2 und Nederland 3 und fĂŒr NiederlĂ€nder im Ausland BVN-TV. Sie werden groĂteils ĂŒber Steuern finanziert, teilweise jedoch noch durch das Mitgliedssystem: UrsprĂŒnglich waren die Rundfunksender von weltanschaulich orientierten Vereinen errichtet worden, wie das katholische oder das Arbeiterradio. Die Niederlande zĂ€hlen sieben Privatsender, dies sind RTL 4, RTL 5, RTL 7, NET 5, SBS 6, Veronica und RTL 8. MarktfĂŒhrer ist in den Niederlanden die RTL Group mit RTL 4. In den Niederlanden ist der Anteil von importierten, vor allem amerikanischen Sendungen sehr groĂ, die in aller Regel nicht synchronisiert, sondern untertitelt werden. NatursehenswĂŒrdigkeiten
Bild:Patat met.jpg Frikandel mit Frieten/Patat NiederlĂ€ndische KĂŒche
Bild:Kaasmarkt2 close.jpg Kaasmarkt in Gouda UrsprĂŒnglich unterscheidet sich die niederlĂ€ndische KĂŒche nicht sehr von der deutschen, in der auch Kartoffeln, Kraut und WĂŒrste eine groĂe Rolle spielen (zum Beispiel im stamppot). Am bekanntesten sind 'frieten' oder 'patat', niederl. fĂŒr Pommes Frites mit verschiedenen Saucen, wobei die wohl bekannteste Kombination aus Mayonnaise und ErdnussoĂe (mit Zwiebeln) besteht, das 'patatje oorlog', Gouda-Kaas und Hollands Nieuwe; Hierbei handelt es sich um Matjes. Durch die Vergangenheit als Seemacht kam allerdings auch ein kulinarischer Einfluss aus den ehemaligen Kolonien ins Land, wie zum Beispiel der Nasibal oder Bamibal. Dabei handelt es sich um Nasi- oder Bami-Goreng in Frikadellenform. Bild:Matjes.ganz.wmt.jpg Hollands Nieuwe, Matjesfilets Einzelnachweise<references/> Siehe auchBild:Kurhaus achterkant.jpg Das Kurhaus am Strand von Scheveningen
Literatur
Weblinks
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