Steve Hackett

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Steve Hackett bei einem Konzert in Braunschweig (2005)

Stephen Richard „Steve“ Hackett (* 12. Februar 1950 in London) ist ein britischer Komponist und Musiker.

Besondere Bekanntheit erlangte er als Gitarrist der Progressive Rock-Gruppe Genesis, mit der er zwischen 1971 und 1977 insgesamt sechs Studioalben veröffentlichte. 1986 war er Mitbegründer der kurzlebigen Supergroup GTR. Des Weiteren hat er zahlreiche Solo-Alben aufgenommen, mit denen er regelmäßig auf Tour geht. Musikalisch bewegt er sich in einem sehr breiten Spektrum, das von Progressive Rock über Blues, Jazz bis zur klassischen Musik reicht. Seine Werke beeinflussten Gitarristen wie Alex Lifeson[1] und Brian May.[2]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

[Bearbeiten] Kindheit und Jugend

Hackett wuchs mit verschiedenen Musikinstrumenten wie der Blockflöte und der Mundharmonika auf (letztere bringt er heute noch gelegentlich zum Einsatz). Mit zwölf Jahren entwickelte sich sein Interesse an der Gitarre, auf der er zunächst einzelne Noten spielte. Mit vierzehn lernte er Akkorde zu spielen und experimentierte mit Akkordfolgen, obwohl er darin nie Unterricht erhielt. Hacketts früheste musikalische Einflüsse waren klassisch (Johann Sebastian Bach) und operal (Mario Lanza), die nach eigenen Angaben noch heute Einfluss auf seine Kompositionen haben.[3] Als weitere für seine musikalische Entwicklung und seinen persönlichen Stil einflussreiche Musiker nannte er Eric Clapton, Jeff Beck, George Harrison, Danny Kirwan, Peter Green und verschiedene Gitarristen der Bluesbreakers.

Erste Erfahrungen als Berufsmusiker sammelte Hackett bei den Bands Canterbury Glass und Sarabande. Seine erste Plattenaufnahme machte er 1970 mit der Band Quiet World, in der auch sein jüngerer Bruder John Hackett - damals noch an der Rhythmusgitarre - mitwirkte. Nach Erscheinen des Albums The Road verließ Steve Hackett die Gruppe wieder.

Auf der Suche nach einer neuen Band veröffentlichte er eine Annonce im Melody Maker, woraufhin sich der Genesis-Sänger Peter Gabriel bei ihm meldete. Genesis benötigten einen dauerhaften Ersatz für ihr Gründungsmitglied Anthony Phillips. Nachdem man sich von den gegenseitigen musikalischen Qualitäten überzeugt hatte, bekam Hackett den Job zum Jahreswechsel 1970/71.

[Bearbeiten] Karriere bei Genesis

Steve Hackett bei einem Genesis-Konzert (1977)

Hackett, der nur sehr wenig Live-Erfahrung mitbrachte, hatte bei den Genesis-Auftritten einige Anfangsschwierigkeiten. Doch schon bald gewöhnte er sich an seine Rolle, wobei sein introvertiertes Auftreten (mit dicker Hornbrille in gebückter Haltung über seiner Gitarre sitzend) einen starken Kontrast zum schrill kostümierten Frontmann Gabriel bildete.

Hacketts erstes Album mit Genesis war das im November 1971 veröffentlichte Nursery Cryme. Die Beiträge des Gitarristen bereicherten den Gesamtsound der Band maßgeblich, z.B. beim Stück The Return of the Giant Hogweed, bei dem er sich als Pionier der Tapping-Technik erwies. Sein erster Beitrag als Songschreiber war das kurze, in Zusammenarbeit mit Collins entstandene Stück For Absent Friends. Das spontan entstandene Schlussolo von The Fountain of Salmacis wertete Hackett später als seinen künstlerischen Durchbruch in der Band. Mit dem Folge-Album Foxtrot gelang Genesis 1972 der erste größere kommerzielle Erfolg. Neben seinen diversen Gitarren-Ausschmückungen des deutlich Keyboard-lastigeren Albums steuerte Hackett u.a. den Text zu Can-Utility and the Coastliners bei. Das von ihm solo dargebotene kurze Akustikgitarren-Stück Horizons wurde zu einem echten Hackett-Klassiker.

Beim 1973er Album Selling England by the Pound, das von Hackett später als sein Lieblingsalbum mit der Band bezeichnet wurde, rückte die elektrische Gitarre wieder stärker in den Mittelpunkt. Das Instrumentalstück After the Ordeal war zum Großteil eine Komposition Steve Hacketts. Der kleinere Hit I Know What I Like basierte auf einem Hackett-Riff, während das Stück Firth of Fifth dem Gitarristen ein Vorzeige-Solo bot. Er gehörte damals zu den ersten, die die Spieltechniken des Tapping und des Sweep Picking benutzten, deren Einführung oft fälschlicherweise Eddie Van Halen respektive Yngwie Malmsteen zugeschrieben wird. Beide Techniken sind im Song Dancing with the Moonlit Knight zu hören.

Beim nachfolgenden Doppelalbum The Lamb Lies Down on Broadway ging Hackett 1974 eher unter, so dass ihm auch in späteren Jahren immer eine gewisse Distanz zu dem Konzeptwerk anzumerken war. Lediglich die Stücke Fly on a Windshield, Hairless Heart, The Chamber of 32 Doors, Here Comes the Supernatural Anaesthetist und The Lamia gaben ihm wirklich Gelegenheit, sich einzubringen. Wohl nicht zuletzt aufgrund dieser geringen Auslastung war Hackett 1975 das erste Genesis-Bandmitglied, das mit Voyage of the Acolyte ein Solo-Album veröffentlichte. Seine Bandkollegen Phil Collins und Mike Rutherford beteiligten sich an den Studioaufnahmen, die aufgrund der ungewohnten künstlerischen Freiheiten für Hackett eine überaus positive Erfahrung darstellten.

Hingegen ließ ihn der Bandalltag bei Genesis zunehmend desillusionierter werden. Bei A Trick of the Tail (1976) übte er sich aufgrund seines gerade erschienenen Albums noch in Zurückhaltung und steuerte als Hauptbeiträge den Text und die Hälfte der Musik von Entangled sowie Teile von Los Endos und Dance on a Volcano (Instrumentalteil) bei. Bei den Aufnahmen zu Wind & Wuthering (1977) vergrößerte sich jedoch seine Frustration. Um sein Songmaterial unterbringen zu können, wollte Hackett ein Viertel des Albums zugestanden haben, was von Collins, Rutherford und Tony Banks abgelehnt wurde.[4] Seine Komposition Please Don't Touch fand ebenfalls keinen Anklang bei den restlichen Bandmitgliedern, das von ihm mitgeschriebene Inside and Out wurde auf die EP Spot the Pigeon verbannt und Blood on the Rooftops, das Hackett getextet und zusammen mit Collins komponiert hatte, fand nie Eingang in die Setlist der Band. Nach Beendigung der Wind & Wuthering-Tour verkündete Hackett am 8. Oktober 1977 seinen Abschied von Genesis, eine Woche vor der Veröffentlichung des zweiten Live-Albums der Band, Seconds Out.

[Bearbeiten] Reunions

Seit Hacketts Ausstieg gab es nur einige wenige Quasi-Wiedervereinigungen von Genesis. Im Jahre 1982 fand in Milton Keynes unter dem Namen Six of the best ein einmaliges Reunion-Konzert statt, an dem sowohl Peter Gabriel als auch - bei den Zugaben I Know What I Like und The Knife - Steve Hackett teilnahmen. Die Organisation fand unter großem Zeitdruck statt; die Konzerteinnahmen sollten dem finanziell angeschlagenen WOMAD-Projekt Gabriels zugute kommen.[5] Wenig später, Anfang 1983, tauchten dann auch bei einem Hackett-Konzert in Guildford die Überraschungsgäste Peter Gabriel und Mike Rutherford auf.

1998 traf sich die Gruppe für ein Foto-Shooting mit anschließendem gemeinsamen Abendessen anlässlich der Veröffentlichung des Boxsets Archive I – 1967–1975, für das Hackett einige Teile (z.B. bei Firth of Fifth und The Lamia) neu aufgenommen hatte. Hackett nahm auch an der (getrennt eingespielten) Neuauflage des Klassikers Carpet Crawlers für die Kompilation Turn It On Again – The Hits teil.

Im November 2005 wurde bei einem Band-Meeting eine 5-Mann-Reunion für die Dauer einer Tournee erörtert, um das Konzeptalbum The Lamb Lies Down on Broadway in seiner ganzen Länge neu aufzuführen. Aufgrund anderweitiger Projekte Gabriels wurde daraus jedoch eine Reunion von Collins, Banks und Rutherford ohne Gabriel und Hackett.[6]

[Bearbeiten] Solokarriere

Steve Hackett in Warschau (2006)

1978 erschien Hacketts erstes Album der Nach-Genesis-Zeit Please Don't Touch. Das Album ist wie auch Voyage of the Acolyte dem Progressive Rock zuzuordnen und wurde wiederum mit diversen Session-Musikern eingespielt. Für den Gesang hatte er diesmal eine Reihe prominenter Musiker wie Richie Havens, Randy Crawford und Steve Walsh eingeladen. Er selber übernahm die Hauptstimme beim Song Carry on Up the Vicarage, nutzte dabei allerdings einen verfremdenden Laughing Gnome-Effekt.[7] Das Album erreichte in den Alben-Charts Platz 38 in Großbritannien und Platz 103 in den USA.

Mit Spectral Mornings (1979) und Defector (1980) folgten weitere Progrock-Alben, die in den UK-Charts in die Top 40 und in den US-Charts auf Platz 138 bzw. 144 kamen. 1979 ging Hackett zum ersten Mal als Solokünstler auf Tournee und trat im August auch auf dem bekannten Reading Festival auf. Bei der Defector-Tour spielte er erstmals seit seinem Genesis-Ausstieg wieder in den USA. Für die beiden Alben und die dazugehörigen Konzerte leistete sich Hackett erstmals eine eigene feste Band, bestehend aus Nick Magnus (Keyboards), Dik Cadbury (Bass), John Shearer (Schlagzeug), Pete Hicks (Leadgesang) und John Hackett (Flöte), die er im Anschluss aus finanziellen Gründen aber wieder auflösen musste.

Die erste große Veränderung seines Musikstils erfolgte 1981 mit dem Album Cured. Obwohl das Album einige der Hackett-typischen progressiven und klassischen Stücke enthielt, zeigte es eine wesentliche Annäherung an die kommerzielle Popmusik. Hackett nahm das Album mit seinem Keyboarder Nick Magnus zusammen auf, spielte Gitarre und Bass und übernahm auch sämtliche Lead Vocals; der Schlagzeugsound kam vom Drumcomputer. Während Cured in den USA keine besonderen Charterfolge vorwies, kam es in Großbritannien bis auf Platz 15, bis heute die höchste Hitparadenplatzierung eines Hackett-Albums.

Highly Strung (1982) und Till We Have Faces (1984) waren ebenfalls eher Rock-orientiert. Auf Highly Strung sind erstmals elektronische Soundexperimente bei Hackett zu hören, auf Till We Have Faces wird der typische Hackett-Sound mit brasilianischen Percussion-Elementen vermischt.

1985 gründete er zusammen mit dem Ex-Yes- und Asia-Gitarristen Steve Howe die Supergroup GTR. Im darauffolgenden Jahr brachte die Gruppe ein gleichnamiges Album heraus, das in den US-Alben-Charts auf Platz 11 kam und auch vergoldet wurde. Die Singleauskopplung When the Heart Rules the Mind erreichte die Top 20. Als Hackett sich Ende 1986 nach Unstimmigkeiten hinsichtlich Finanzen und Management und kreativen Differenzen mit Steve Howe von GTR verabschiedete, löste sich die Band bald darauf auf.

In den 1980er Jahren veröffentlichte Hackett auch seine ersten Alben mit klassischer Gitarrenmusik: Bay of Kings (1983) und Momentum (1988) erhielten sehr positive Kritiken, und die Tournee für Momentum fand in Europa massenhaften Zulauf, was für klassische Gitarrenkonzerte mehr als ungewöhnlich ist. Zu seinen herausragenden Alben zählt das neoklassizistisch inspirierte A Midsummer Night's Dream, eine Umsetzung von Shakespeares Sommernachtstraum, die er gemeinsam mit dem Royal Philharmonic Orchestra einspielte.

Von Hacketts späteren Rock-Alben erreichen vor allem Guitar Noir (1993), Darktown (1999) und To Watch The Storms (2003) die Qualitäten seiner von den Fans besonders geschätzten vier Solo-Erstlinge. Aktuell arbeitet der Musiker an einem Projekt mit dem Yes-Bassisten Chris Squire, das unter dem Arbeitstitel Squackett entsteht.

Von Mitte der 1970er Jahre bis 2008 war Hackett mit der brasilianischen Künstlerin Kim Poor verheiratet, die die meisten seiner Albencover gestaltete. Steve Hacketts jüngerer Bruder John ist häufig als Flötist und zweiter Gitarrist an den Studioalben beteiligt, beispielhaft dafür steht das für Gitarre und Flöte arrangierte Sketches of Satie (2000). John Hackett veröffentlichte auch eigene Alben.

[Bearbeiten] Diskografie

[Bearbeiten] Mit Quiet World

  • 1970: The Road

[Bearbeiten] Mit Genesis

[Bearbeiten] Solo-Studioalben

  • 1975: Voyage Of The Acolyte
  • 1978: Please Don't Touch
  • 1979: Spectral Mornings
  • 1980: Defector
  • 1981: Cured
  • 1983: Highly Strung
    • LP: enthält nur die Studioversion von Cell 151
    • CD: enthält nur die 12-inch Version von Cell 151
  • 1983: Bay Of Kings
  • 1984: Till We Have Faces
  • 1988: Momentum
  • 1993: Guitar Noir
  • 1994: Timeless (CD-Single)
  • 1995: Blues With A Feeling
  • 1996: Genesis Revisited
    • Nur Japan
  • 1997: A Midsummer Night's Dream
  • 1997: Guitar Noir
    • Neuedition: enthält die Songs in einer völlig anderen Reihenfolge als 1993 sowie neue Abmischungen der Lieder und Bonustracks
  • 1997: Genesis Revisited
    • Weltweit ohne Japan: Enthält die Songs in einer anderen Reihenfolge als die Japan-Ausgabe inkl. Los Endos, ohne Riding The Colossus
  • 1999: Darktown
  • 2000: Sketches Of Satie
  • 2000: Feedback '86
  • 2003: To Watch The Storms
    • Standard-Edition
    • Special-Edition: Plus vier Bonustracks
  • 2005: Metamorpheus
  • 2006: Wild Orchids
    • Standard-Edition
    • Special-Edition: Plus vier Bonustracks
  • 2008: Tribute

[Bearbeiten] Solo-Konzertalben

  • 1992: Time Lapse
  • 1994: There Are Many Sides To The Night
  • 1998: The Tokyo Tapes (2 CDs)
  • 2001: Live Archive 70's 80's 90's (4 CDs)
  • 2001: Live Archive 70's Newcastle
  • 2002: Somewhere In South America (2 CDs)
  • 2003: Live Archive NEARfest (2 CDs)
  • 2003: Hungarian Horizons (2 CDs)
  • 2004: Live Archive 03 (2 CDs)
  • 2004: Live Archive 04 (2 CDs)
  • 2005: Live Archive 05
  • 2006: Live Archive 83

[Bearbeiten] Solo-Kompilationen und Raritäten

  • 1992: The Unauthorized Biography (inkl. zwei neue Songs)
  • 2002: Genesis Files (2 CD, inkl. Los Endos und Riding The Colossus)

[Bearbeiten] Solo-Video und DVD

  • 1991: Live! (VHS)
  • 1998: The Tokyo Tapes (DVD)
  • 2002: Somewhere In South America (DVD + 2 CDs)
  • 2003: Hungarian Horizons (DVD + 2 CDs)
  • 2004: Once Above A Time (DVD)

[Bearbeiten] Weitere Solo-Aktivitäten

  • 1991: Various Artists – Guitar Speak III
    • A Life In Movies

[Bearbeiten] Mit GTR

  • 1986: GTR
  • 1997: Live On The King Biscuit Flower Hour

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Alex Lifeson: Guitar magazine. In: Rush Album Info. 1984. Abgerufen am 22. Juli 2008 „Yes, Steve Hackett is so articulate and melodic, precise and flowing. I think our Caress of Steel period is when I was most influenced by him. There's even a solo on that album which is almost a steal from his style of playing. It's one of my favorites, called 'No One at the Bridge'.“. (engl.)
  2. Steve Hackett: Interview with STEVE HACKETT. In: LET IT ROCK. Januar 2001. Abgerufen am 22. Juli 2008. (engl.)
  3. Steve Hackett: Interview with Steve Hackett. In: theMouthPiece.com. Abgerufen am 22. Juli 2008 (engl.)
  4. Wind & Wuthering 1977 - Genesis Remember.... In: G2 Definitive Genesis. Abgerufen am 22. Juli 2008 (engl.)
  5. Thomas Holter: The 'Reunion Concert' program. In: The Path. Abgerufen am 22. Juli 2008 (engl.)
  6. Rockers Genesis plan reunion tour. In: BBC NEWS. 18. Oktober 2006. Abgerufen am 22. Juli 2008. (engl.)
  7. Dave Connolly: Review. In: allmusic. Abgerufen am 22. Juli 2008 (engl.)

[Bearbeiten] Weblinks

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