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gulli:lexikon » Thomas von Trattner
gulli:lexikon - Alle Begriffe der Untergrund-SzeneTipp: Benutze die Suche, um weitere Begriffe im gulli:lexikon nachzuschlagen. Johann Thomas von Trattner (* 20. Dezember 1719 in Jormannsdorf im Burgenland (damals Ungarn), † 31. Juli 1798 in Wien) war ein österreichischer Buchdrucker, Buchhändler und Verleger. Trattner stammte aus einfachen Verhältnissen und war der Sohn eines Landwirtes. Seine Mutter starb bei seiner Geburt, sein Vater verstarb zwei Jahre darauf. Trattner wurde bei Verwandten aufgezogen und lernte in der Schule nur die Grundelemente des Lesens, Schreibens und Rechnens. Nachdem er einige Jahre bei seinen Verwandten auf dem Bauernhof gearbeitet hatte, konnte er mit 16 Jahren 1733 bei einem Buchdrucker in die Lehre gehen. Auf Empfehlung seines Lehrherrn bekam Trattner sofort nach seiner Lehre 1739 beim Hofbuchdrucker Peter van Ghelen in Wien eine Anstellung als Schriftsetzer. Nach einigen Jahren konnte sich Trattner als Verleger selbstständig machen, indem er 1748 die Druckerei von Johann Jakob Jahn erwarb. Durch sein geschäftliches Geschick hatte er daraus bald ein blühendes Unternehmen gemacht. Durch Billigangebote schaffte es Trattner in den nächsten Jahren, dass der Orden der Jesuiten beinahe alle seine Lehrbücher und Traktakte bei ihm drucken ließ. Durch Fürsprache von Gerard van Swieten, dem Leibarzt der Kaiserin Maria Theresia, wurde Trattner 1752 zum Hofbuchdrucker ernannt. Dieses Amt trat er noch im selben Jahr als Nachfolger seines Lehrherrn Ghelen an. Verbunden mit diesem Amt war das kaiserliche Privileg, alle in Österreich benötigten Schul- und Lehrbücher herstellen zu dürfen. In den nächsten Jahren konnte Trattner seine Firma zu einem "Konzern" ausbauen, da er Papiermühlen, Bleigießereien, Buchbindereien als Filialen im ganzen Kaiserreich aufkaufte oder selbst gründete. Schon zuvor hatte Trattner, bedingt durch die politische Lage in den deutschsprachigen Ländern, kostengünstig die Werke deutscher und schweizerischer Schriftsteller, wie Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Johann Gottfried Herder, Gotthold Ephraim Lessing, Christoph Martin Wieland u.a nachgedruckt. Nicht nur dass diese Autoren keinerlei Tantiemen bekamen, viele dieser Werke wurden von Trattner nach der österreichischen Zensur "entschärft" und damit z.T. erheblich entstellt. Damit machte sich Trattner besonders in den norddeutschen Gebieten erhebliche Feinde unter den dortigen Buchhändlern und Verlegern, die durch Trattners Nachdrucke deutliche finanzielle Verluste hinnehmen mussten. Zu seinen erbittertsten Gegnern gehörte der Leipziger Verleger Philipp Erasmus Reich, der Mitte des 18. Jahrhunderts gegen den Nachdruck seiner und anderer erfolgreicher sächsischer Werke vorging. Im weiteren gehörte Trattner den Reichsbuchhändlern an, die gegen die Einführung des in Leipzig durch Reich initiierten Nettohandels im deutschen Buchwesen des 18. Jahrhunderts aktiv vorgingen, indem sie die nun deutlich teureren, aber auch begehrteren Werke der norddeutschen Verleger nachdruckten und eine neue Handelsform für den Buchhandel forderten. Kritikern gegenüber verwies Trattner immer auf die spezielle Rechtslage in Österreich, welche ihm den Nachdruck erlaube, bzw. eben nicht unter Strafe stellte.
Darüber hinaus konnte er sich durch seine Privilegien der Protektion des Hofs in Wien sicher sein. Als mit der Zeit auch österreichische Schriftsteller unter diesem Missbrauch zu leiden begannen, ließ Aloys Blumauer auf das Titelblatt seiner Travestirten Aeneide eine Vignette setzen, welche ein Rudel Hunde zeigt, das sich über einen menschlichen Kopf hermacht. Einer der Hunde trägt ein Halsband mit den Buchstaben "T.v.T.". Im Text der "Aeneide" wird das Bild erläutert: die Hunde seien Nachdrucker, die sich an einem Dichterhaupt vergehen. 1764 wurde Trattner in den Reichsritterstand erhoben und nannte sich seitdem Johann Thomas, Edler von Trattner. Im Alter von 80 Jahren starb der Verleger Thomas von Trattner am 31. Juli 1798 in Wien. Trattner war neben Joseph Gerold und Peter van Ghelen einer der großen Verleger seiner Zeit in Österreich. Bild:Raub03.jpg Vignette auf dem Titelblatt von Alois Blumauers "Aeneis", Band 2, 1785 Literatur
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